*arah
Band I, Spalte 302
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*arah m. a- (oder f. i-?)St.: zweimal in den
Gl. bezeugt, arche nom.pl. 3, 217, 45 (12.14.
Jh., allem. fränk.?), archo nom.pl. 3, 165, 46 (5
Hss. 12./13. Jh., obd. fränk.) die (beiden)
Stricke, zwischen denen ein großes Netz zum
Fisch- oder Wildfang befestigt und ausge-
spannt wird, plagae
. Darüber hinaus ist das
Simplex in den (meist literarisch orientierten)
mhd. Wbb. nicht belegt, ungleich häufiger das
Part. Prät. der Verbalableit. arahôn kunstvoll
weben
sowie arahri Kunstweber und das
Komp. arahlachan kunstvoll gewebte Decke
(s.d.d.). In der dt. Hochsprache der Gegenwart
findet sich von alledem keine Spur.

Ahd. Wb. I, 616; Starck-Wells 32; Graff I, 460. 467.

Auch die anderen germ. Sprachen haben nichts
Verwandtes aufzuweisen. Um so eindrucksvol-
ler ist das Zeugnis der obd. Dialekte: für das
Alem. s. Schweiz. Id. I, 338 f. äre m., äri f. (1)
das obere und untere Ende eines Fischernetzes,
wo das Garn an den Stricken befestigt wird
;
(2) die zwei Seile, zwischen welchen ein großes
Netz befestigt wird
; ähnlich Ochs, Bad. Wb. I,
69 f. s. v. Ar2, Äre f., Arche4, dazu Ober- und
Unterähre, -arch etc.; Martin-Lienhart, Wb. d.
els. Mdaa. I, 60 (das Är); Fischer, Schwäb. Wb.
I, 306 f. (Arche f.); Jutz, Vorarlb. Wb. I, 127
(Äre f.); Schmeller, Bayer. Wb.2 I, 138 (s. v.
Arch: die Archen; plaga = ein ärch am nöcz;
nodose plage pl. khnöpffige ärch); Kranz-
mayer, Wb. d. bair. Mdaa. in Österr. I, 325
(Arhe etc.); Schatz, Wb. d. tirol. Mdaa. 28; Un-
ger-Khull, Steir. Wortschatz 27. 203 (Ercken
Flechtwerk zum Fischfang); vor allem M. Hö-
fer, Et. Wb. d. in Österr. üblichen Mda. (Linz,
1815), 40 f. (r n., Arche f.) sowie Oberösterr.
Weistümer, II. Teil (Wien, 1870 ff.) 365: die Är-
chen (a. 1588).

Die mdartl. Varianten zeigen, daß es sich um
ein Wort mit germ. -h- handelt, das zwischen
Vokalen oder nach Liquida entweder wie im
Nhd. verstummt (vgl. mhd. merhe > nhd.
Mähre) oder, wie bes. im Obd., als velarer Rei-
belaut fortbesteht und so mit dem aus germ. -k-
verschobenen [χ] zusammenfällt, daher r,
Ähre (mit analogischem Umlaut) neben Arch,
Arche (s. Braune, Ahd. Gr.13 § 154 Anm. 3 und
Wilmanns, Dt. Gr. I § 90); in jedem Fall resul-
tieren Homonyme, so daß sich Ähre, r und
Arch(e) (auch Vorrichtung zum Fischfang) im
Sinne von Besatz eines Fischnetzes nur im
engsten Fachwortschatz behaupten konnten.

An außergerm. Verwandten bietet sich für
germ. *arh- (< idg. *ark- oder *arǝk- [**H2erk-
oder **H2erHk-]) das zweite -a- in arah ist
Sekundärvokal in erster Linie gr. ἀράχνη
Spinne, Spinnengewebe (< idg. *arǝk-snā);
dem stellt man lat. arāneus Spinne, arānea
Spinngewebe zur Seite, beides ursprl. Adj.ab-
leit. aus *arǝk-sne-os (s. E. Fraenkel, Glotta 4
[1913], 46) und auf eine idg. Wz. *ar-, *arǝ-
(**H2er[H]-) mit k-Erweiterung im Sinne von
flechten, spinnen, weben zurückzuführen.
(Wenn die lat. Formen aus dem Griech. ent-
lehnt wären, wie R. Thurneysen wollte, Gött.
Gel. Anz. 1907, 802, so würde man lat. *arac/
gneus, -a erwarten, Walde-Hofmann, Lat. et.
Wb. I, 61: Leumann, Lat. Laut- u. Formenlehre
§ 165.)

Walde-Pokorny I, 81; Pokorny 61; G. Curtius,
Zfvgl.Spr. 13 (1864), 398; Frisk, Gr. et. Wb. I, 129 f.;
Boisacq, Dict. ét. gr.4 79; Chantraine, Dict. ét. gr. 102;
s. auch Benveniste, Origines 101; A. Walde, Zfvgl.Spr.
34 (1897), 478.

Es liegt nahe, an eine Basis *ar+k- auch gr. ἄρ-
κυς Netz (sowie ἄρκυον, ἄρκυλον dss.), au-
ßerdem ἀρκάνη Holz, woran die Fäden des
Aufzugs beim Weben befestigt sind
, anzu-
schließen und, mit E. Lidén, IF 18 (1905/6),
507 f., darüber hinaus die nach ihrer Flechtbar-
keit benannten Gewächse wie gr. ἄρκευϑος
Wacholder, urslav. *orkyta und davon mit Li-
quidametathese tschech. rokyta Palmweide,
russ. rakíta Bruchweide, weiterhin lett. rcis
Wacholder u. a. Skeptisch dazu Frisk, Gr. et.
Wb. I, 142.

Vasmer, Russ. et. Wb. II, 488; Miklosich, Et. Wb. d.
slav. Spr. 226; Mikkola, Urslav. Gr. III, 32; Mühlen-
bach-Endzelin, Lett.-dt. Wb. I, 574.

Dagegen erscheint zweifelhaft, nach Form und Bed.,
ob auch lat. arcus Bogen (dazu arqui-tenēns u. a.)
sich hier einreihen läßt, solange das Wort auf idg.
*ark- mit Labiovelar zurückgeführt und mit germ.
*arhwō- (vgl. got. arƕazna Pfeil, anord. r[r], Gen.
rvar dss.) zusammengestellt wird. Skeptisch dazu
Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. I, 64, so schon Walde-
Pokorny I, 81. Ganz abzulehnen ist sicher der zu-
weilen versuchte Anschluß an den aind. Pflanzenna-
men arká Calotropis gigantea, für den wegen seiner
nicht-idg. Verwandten drawid. Entlehnung wahr-
scheinlich gemacht worden ist (s. T. Burrow, TAPA
1946, 16 und Mayrhofer, K. et. Wb. d. Aind. I, 50).
Ebensowenig gehört auch das immer noch dunkle a-
nord. arsalr, -sali (auch ár-) Bettumhang hierher:
über seine nicht-nord. Herkunft scheint man sich ei-
nig, so wenig überzeugend die vorgeschlagenen aus-
ländischen Möglichkeiten sind: < *adrevats-sagulum
Stoff aus Arras (Atrebates), A. Bugge, Vesterlandenes
indflydelse paa nordboernes ydre kultur (Kristiania,
1905), 156; < *afrz. (d)orsal, dossal Rückendecke,
Hj. Falk, Maal og Minne 1916, 2231; vgl. auch Fi-
scher, Lehnw. d. Awestnord. 77; W. Mohr, ZfdA. 75
(1938), 238 f.; Vries, Anord. et. Wb.2 15.

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