bacca
Band I, Spalte 416
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bacca (?) f., in dieser Form nur einmal belegt,
Gl. 3, 593, 52 des Codex Pragensis VII G 25 aus
dem 13. Jh., und zwar als Glosse zu der Über-
schrift De cestron (griech. für lat. betonia) von
Kap. XI des Macer Floridus (1. Hälfte 11. Jh.),
De viribus herbarum (ed. L. Choulant) 46. Mit
Recht wird wohl Ahd. Wb. I, 783 vermutet, daß
es sich bei bacca nicht um ein selbständiges
Wort, sondern um eine Verstümmelung des
Namens der Betonie (Betonica officinalis L.)
handelt, von der in Kap. XI ausführlich die
Rede ist und die als Heilmittel einst eine große
Rolle spielte, betonia (mit Lit.).

Für die Lautgeschichte von bacca ist darauf
hinzuweisen, daß in der zeitlich nahestehenden
Melker Hs. K 8, Gl. 3, 598, 16, batca für lat. be-
tonicam erscheint, wobei die Endung -a viel-
leicht als lat. Fem. Akk. Sg. (aus einem kollektiv
auffaßbaren Neutr. Pl.) zu verstehen ist, s. Leu-
mann, Lat. Laut- u. Formenlehre § 364, 3. Den
a-Vokalismus der Anfangssilbe bestätigen sehr
viele literarische Stellen aus dem Spätmittel-
alter, so Berthold von Regensburg (mit bœsen
batônjen) oder Konrad von Megenberg in sei-
nem Buch der Natur (Betonica haizt patönig);
dazu kommt, daß gerade in den obd. Mdaa. die
Variante mit -a- (oder -ǝ-) bis heute fast über-
all vorherrscht.

Vgl. Mitzka-Schmitt, Dt. Wortatlas I Karte 37 f. Le-
xer I, 135; Nachtr. 45; Benecke I, 93. Schweiz. Id. IV,
1805 (Batonie); Fischer, Schwäb. Wb. I, 674 f.
(badẹ̃ŋgǝ, bagẹ̃ŋgǝ); Schmeller, Bayer. Wb.2 I, 300
(Batengel); Kranzmayer, Wb. d. bair. Mdaa. in Österr.
I, 1147 f.

Auch hat die unverstandene Herkunft des Na-
mens im volkstümlichen Gebrauch allerlei au-
ßergewöhnliche Lautveränderungen zuwegege-
bracht, wie etwa die Assimilation in Bagénge,
den Anlaut mit Pl- oder M- in Pladénge bzw.
Maténge, den durch die Schreibung angedeute-
ten Ausfall der Mittelsilbe -ni- in betonica, Gl.
3, 571, 28 (Ahd. Wb. I, 934), sowie die dem zier-
lichen Gewächs entsprechenden zahlreichen
Diminutiva wie platēnigl oder matengelǝ, unter
die mit der bei Kosenamen beliebten Synkope
von -tVk- zu -tk- und mit Angleichung zu -kk-
auch das obige bacca zu zählen sein dürfte
(vgl. Bach, Dt. Namenkunde I § 104; E. Mackel,
Nd. Jb. 47 [1921], 57 ff.); andererseits besteht
auch die Möglichkeit, das erste -c- als Lese-
oder Schreibversehen zu erklären.

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