backan, bachan
Band I, Spalte 419
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backan, bachan (mit unsicherer Deutung des
-ch-: ob aus germ. -k- oder -kk-, s. Braune, Ahd.
Gr.13 § 144) st.v. VI: rösten, backen, dörren,
trocknen, torrere, coquere, frigere, siccare
; die
Hss. haben auch bakk-, pacch-, pacch-, einmal
pahanne inf. dat. sg., Gl. 1, 274, 46 (Jb, 9. Jh.,
meist alem.), dessen zwischenvok. -h- eindeutig
spirantische Aussprache (aus einfachem germ.
-k-) erweist, wie sie noch immer für das Obd.
charakteristisch ist; einmal ist puochan belegt
für prät. 3. pl.; im Part. Prät. galten gi-, gebak-
ken, -bachan u. a. Auch im Mhd. ist, wie zu er-
warten, weitgehend bachen (mit Spirans) die
Regel. Aber im Laufe des Frühnhd. breiten sich
die mitteldt. Formen mit -ck- Luther hat nur
backen (neben buch) weiter nach Süden aus,
unterstützt durch hoch- und umgangssprachl.
backen; nur mundartlich bleibt die obd. Aus-
sprache mit -ch- bis heute lebendig (s. u.).

Ahd. Wb. I, 783 f.; Schützeichel3 12; Starck-Wells 40;
Graff III, 24; Schade 36; Lexer I, 109; Nachtr. 37;
Benecke I, 76; Dt. Wb. I, 1065 f.; Kluge21 43.

Von den übrigen germ. Dialekten hat das
Mndd. Formen mit geminiertem -k-, also bak-
ken, ähnlich das Mndl. (doch begegnet bāken
neben backen) und Nndl. mit seinem bakken.
Dasselbe gilt wohl für das Asächs., aber die Be-
lege sind spärlich und z. T. nicht eindeutig: so
wurde das überlieferte rockon gibak der Frek-
kenhorster Heberolle (s. Heyne, Kl. andd.
Denkm. 78. 491) vom Herausgeber zu r. gibake-
nas aus Roggen Gebackenes ergänzt, in An-
betracht von Substantivbildungen wie ae. gebæc
(Bosworth-Toller, AS Dict. 370; Suppl. 290),
ne. batch, nhd. Gebäck, bair. Gepach, wohl ganz
unberechtigterweise; jedenfalls bleibt die lautli-
che Deutung des ausl. -k unbestimmt (vgl. auch
Wadstein, Kl. as. Spr.denkm. 41 Z. 15; Seebold,
Germ. st. Verben 87 f.). Zwei weitere as. Belege,
bakkeri (Wadstein 42 Z. 30) sowie bradbaccari
(Wadstein 73 Z. 21), zeigen Nominalableitun-
gen mit geminiertem -kk- bzw. -cc-. Auch für
Ostfries. wird bakken verzeichnet. Dagegen
heißt es ae. bacan, me. bāken st. sw.v., ne. bake;
ferner anord. baka sw.v. (bakaða), nnorw.
nschwed. baka, ndän. bage.

Fick III (Germ.)4 257; Seebold, Germ. st. Verben 87 f.;
Holthausen, As. Wb. 5; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. I, 1, 135; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. I,
138; VI, 27; Verdam, Mndl. handwb. 50 f.; Franck, Et.
wb. d. ndl. taal2 28; Vries, Ndls. et. wb. 26 f.; Doorn-
kaat Koolman, Wb. d. ostfries. Spr. I, 84; Holthausen,
Ae. et. Wb. 14; Bosworth-Toller, AS Dict. 65; Suppl.
60; ME Dict. AB, 617; OED I, 629; Vries, Anord. et.
Wb.2 23; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 631; Holthausen,
Vgl. Wb. d. Awestnord. 10; Falk-Torp, Norw.-dän. et.
Wb. 42 f.; Torp, Nynorsk et. ordb. 14; Hellquist,
Svensk et. ordb.3 27.

An außergerm. Verknüpfungen bietet sich we-
nig Zuverlässiges mit Ausnahme von gr. φώγω
ich röste, das auf eine idg. Basis *bhōg-
(**bheH3g-) zurückführt und in Form und Be-
deutung genau entspricht: vgl. ahd. *buoh sg.
prät., ae. bōc (Bosworth-Toller, AS Dict. 65),
me. bōk (später bāked) (ME Dict. AB, 617).
Möglicherweise gehört auch die griech. Glosse
βαγαρόν χλιαρὸν (lauwarm) Λάκωνες bei
Hesych I, 305 Z. 23 hierher (vgl. A. v. Blumen-
thal, IF 49 [1931], 175).

Dasselbe läßt sich kaum von dem immer wieder her-
angezogenen russ. Verbum baát’, baít’ (mit idg.
*--?) wünschen, begehren, wonach hungern und
dürsten
geltend machen (s. Vasmer, Russ. et. Wb. I,
38 f.), eher russ. bagát’ f. Feuer, das unter der Asche
glüht
(Vasmer I, 36), noch viel weniger von dem gele-
gentlich erwähnten kelt. Anwärter: air. apaig, nir.
abaidh (*ad-bagi- oder -bogi-) reif, das von Ven-
dryes, Lex. ét. de l’irl. anc. A79, zu *ad-bong gestellt
wird. Ganz fernzuhalten sind auch lat. fovēre warm
halten, bähen
(trotz A. Fick, BB 2 [1878], 200), sowie
lat. focus Feuerstätte, s. Walde-Hofmann, Lat. et.
Wb. I, 466 f. (favilla) bzw. I, 521 (focus).

Walde-Pokorny II, 187; Pokorny 113; Frisk, Gr. et.
Wb. II, 1057; Boisacq, Dict. ét. gr.4 1044; Chantraine,
Dict. ét. gr. 1236.

Es liegt nahe, in der Stammsilbe von ahd. bak-
kan, bachan die Schwundstufe *bhǝg- zur idg.
Basis *bhōg- zu vermuten, die ohne g-Erweite-
rung in ahd. bâen bähen (< idg. *bhē-: *bhō-
< **bheH1-: **bhoH1-) vorliegt ( bad und
vgl. Walde-Pokorny II, 187). Was die Gemina-
tion -kk- in der germ. Wortsippe *bakkan- an-
belangt, so hat man diese wie auch im Falle von
ahd. leckôn lecken und got. bi-laigōn, lat.
lingo, gr. λίχνος Lecker (zur Wz. *ligh-), neu-
erdings nicht ohne Bedenken (s. u.), auf ein as-
similiertes *-kn- aus älterem *-gn-´ mit präsen-
tischem n-Suffix zurückgeführt (s. Braune,
Ahd. Gr.13 § 346 Anm. 4; Prokosch, Comp. Gmc.
Gr. § 22; Streitberg, Urgerm. Gr. § 127; betr.
ahd. backan zuerst H. Paul, PBB 9 [1884],
853 f.).

Allerdings hat die relativ späte Entwicklung einer auf
älteres *-gn-´ zurückgehenden ahd. Form mit -kk-
sowie ihre geographische Verbreitung über eine
ziemlich schmale Zone zwischen Ober- und Nieder-
deutsch, die auch sonst mehr durch Neuerungen als
durch konservative Relikte gekennzeichnet ist, neuer-
dings wiederholt Anlaß gegeben, in ahd. backan u. ä.
(< germ. *-kk-) eine expressive Intensivform zu
erblicken (vgl. Wissmann, Nomina postverbalia
160 ff.; A. Meillet, MSLP 15 [190809], 356 f.; See-
bold, Germ. st. Verben 88; Franck, Et. Wb. d. ndl.
taal2 [Suppl. von v. Heeringen 11]). Wohl trifft es zu,
daß in allen Belegen der idg. Sippe *bhǝg- sich keine
Form mit n-Suffix nachweisen läßt (wie etwa im Falle
von ahd. leckôn und gr. λίχνος); andererseits setzt
die Erklärung der Gemination in einem Falle wie ahd.
bachan/bakkan durch expressive Intensität ein völ-
lig unbeweisbares psychologisches Element voraus.

Zur heutigen mdartl. Fortdauer der Varianten
mit verschobenem -ch- (< germ. *-k-), z. T.
überlagert von hoch- oder umgangssprachli-
chen Formen mit -ck- (< germ. *-kk-), s. im
einzelnen Schweiz. Id. IV, 956 ff.; Ochs, Bad.
Wb. I, 105 f. (der Norden sagt bagǝ ... Dage-
gen bachǝ im Süden
); Fischer, Schwäb. Wb. I,
555 ff. (mit Grenzorten zwischen südl. -ch- und
nördl. -g-); Schmeller, Bayer. Wb.2 I, 194 f.;
Follmann, Wb. d. dt.-lothr. Mdaa. 19; Müller,
Rhein. Wb. I, 367 ff. (-g-, nur westmoselfrk.
auch -ch-); Christmann, Pfälz. Wb. I, 511 ff.
(-g-); Maurer-Mulch, Südhess. Wb. I, 528 ff.
(-g-); Jungandreas, Ndsächs. Wb. I, 553 ff.
(-ck-); Ziesemer, Preuß. Wb. I, 359 ff. (-ck-).

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