*balsamo
Band I, Spalte 445
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*balsamo m. n-St., an drei Gl.stellen belegt,
einmal 11./12. Jh.: balsmo, sonst 13. Jh.: bal-
sam(e), -seme: Balsam(strauch), balsamum, -us,
-ita
, gemeint ist wahrscheinlich unsere Pfef-
ferminze und Krauseminze
, Mentha piperita
und M. crispa L., s. Ahd. Wb. I, 800. In der
Form balsame, -seme sw. st. m. f., mit Apokope,
-sam, -sem und mit Synkope balsme begegnet
das Wort häufig in mhd. Literatur, oft im Sinne
von Balsamduft. Nhd. Balsam m.

Ahd. Wb. I, 800; Starck-Wells 41; Graff III, 113;
Schade 38; Lexer I, 116; Nachtr. 40; Benecke I, 80;
Diefenbach, Gl. lat.-germ. 67; Dt. Wb. I, 1093;
Kluge21 47. Vgl. Schrader, Reallex. d. idg. Alt.2 I, 78.

Das Wort, aus dem Lat., ist auch in den meisten
anderen germ. Sprachen vertreten, so mndd.
balsam, daneben balsem(e), balsme; mndl. bal-
same, -seme f., -som, -sa(e)m m. u. ä., nndl. bal-
sem; nostfries. balsem; ae. balsam n., auch bal-
zam sowie balzama, -me sw. m. oder f. (mit
[d]-Einschub zwischen l und s
, Pogatscher,
Gr., lat. u. rom. Lehnw. im Ae. § 327) u. a., dane-
ben balsamum (gelehrt); me. baume, ba(s)me,
bal(s)me (aus dem Afrz.), ne. balsam, balm (des-
sen orthogr. l einer Kontamination mit lat. bal-
samum zu verdanken ist); anord. balsam n.,
auch balsamr m. (wohl aus dem Aengl. oder
Mndd., s. Fischer, Lehnw. d. Awestnord. 8. 68),
nskand. balsam. Got. hat nur balsan n. (mit -n)
im Sinne von Salbe (= gr. μύρον): das ausl. -n
(statt -m) ist unerklärt, zumal arm. balasan,
arab. balasān balsam-tree nicht sein Vorbild,
vielmehr Nachbildungen von gr. βάλσαμον sein
sollen (s. H. Hübschmann, Zddt. Morgenl. Ges.
46 [1892], 258; E. W. Lane, An Arabic-English
Lex. I [Beirut, 1968], 248); auch hat W. Schulze
wohl mit Recht betont, daß got. balsan und an-
dere von der Wortwahl des originalen Bibel-
textes vollkommen unabhängig, also sicher ein-
gebürgerte [der lat. Handelssprache entnom-
mene] Bestandteile des got. Lexikons sind
(Gr.
Lehnworte im Got. 739).

Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 139; Schiller-
Lübben, Mndd. Wb. I, 147; Verdam, Mndl. handwb.
52; Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 32; Vries, Ndls. et. wb.
29; Doornkaat Koolman, Wb. d. ostfries. Spr. I, 90;
Holthausen, Ae. et. Wb. 16; Bosworth-Toller, AS
Dict. 67; Suppl. 62; ME Dict. AB, 673 f.; OED II,
642 f.; Vries, Anord. et. Wb.2 24; Jóhannesson, Isl. et.
Wb. 945; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 11;
Fritzner, Ordb. over d. g. norske sprog I, 110; Hell-
quist, Svensk et. ordb.3 28; Feist, Vgl. Wb. d. got. Spr.
78.

Die lat. Wortform balsamum, spätmittelalterlich
auch balsamus, begegnet zuerst in Plinius’ Nat.
hist. XII, 117 sowie an vielzitierter Stelle in Ver-
gils Georgica II, 119, und verbreitet sich dann
über die ganze Romania, italien. span. port. als
balsamo, afrz. als balsme (nfrz. baume, s. o.); vgl.
auch nruss. bal’zam, -sam; lit. balzãmas, -sãmas.
Letzten Endes hat man das Wort mit hebr. bā-
am Balsamstrauch in Verbindung gebracht,
wobei allerdings der Einschub des l ein Rätsel
bleibt, solange man den arm. und arab. Formen
die Priorität abstreitet (s. Gesenius, Hebr. u.
aram. Handbuch 164).

Thes. ling. lat. II, 1709 f.; Mittellat. Wb. I, 1331; Kör-
ting, Lat.-rom. Wb.3 Nr. 1196; Meyer-Lübke, Rom. et.
Wb.3 Nr. 918; Wartburg, Frz. et. Wb. I, 226. Frisk,
Gr. et. Wb. I, 217; Boisacq, Dict. ét. gr.4 114; Lewy,
Semit. Fremdw. 41 (mit Lit.); Masson, Emprunts sémi-
tiques en grec 77 f.

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