besamo
Band I, Spalte 567
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besamo m. n-St. Besen, Rute, scopa(e), verri-
culum, fascis, virga
Var.: pes-; -em-, -im-, -m-.
Mhd. bes(e)me, nhd. Besen (zum ausl. -n vgl.
Wilmanns, Dt. Gr. II, § 230, 5).

Ahd. Wb. I, 918; Schützeichel3 14; Starck-Wells 48;
Graff III, 217 f.; Schade 53; Lexer I, 212 f.; Benecke I,
108; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 519 (scoba). 613 (ver-
riculum); Dt. Wb. I, 1614 f.; Kluge21 70.

Entsprechungen sind aufs Westgerm. be-
schränkt: as. besmo Besen, mndd. bēsem(e), bes-
sem(e) Besen, Zuchtrute; mndl. bes(s)em, nndl.
bezem, mdartl. bessem Besen; afries. besma,
nfries. bessem dss.; ae. bes(e)ma Besen,
Rute(nbündel)
, me. besm(e), beseme, besom(e)
dss., ne. besom Besen, (Besen-)Ginster.

Fick III (Germ.)4 269; Holthausen, As. Wb. 6; Lasch-
Borchling, Mndd. Hanwb. I, 1, 247; Verdam, Mndl.
handwb. 82; Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 61; Vries,
Ndls. et. wb. 54; Holthausen, Afries. Wb. 7; Richtho-
fen, Afries. Wb. 628; Doornkaat Koolman, Wb. d. ost-
fries. Spr. 154 f.; Holthausen, Ae. et. Wb. 21; Bos-
worth-Toller, AS Dict. 91; Suppl. 84; ME. Dict. AB,
761; OED I, 820.

Dieses mit dem germ. Suffix *-man gebildete
Wort (s. Kluge, Nom. Stammbildung3 § 88; Wil-
manns, a.a.O. § 230 ff.) hat keine sichere Ety-
mologie; ja, Vries, Ndls. et. wb. 54 erwägt sogar
die Möglichkeit, es könne sich um ein Wort aus
einem vorgerm. Substrat handeln. Von den vie-
len Versuchen, außergerm. Verwandte aufzu-
treiben, ist keiner ganz überzeugend.

Kluge21 70 setzt ein germ. *bit-sman an, zur
idg. Wz. *bhedh- binden, flechten, wie lat. fis-
cus geflochtener Korb aus *bhidh-sko-. Sehr
fragwürdig: erstens gab es wohl keinen germ.
a-Umlaut von *i > e (s. A. L. Lloyd, Language
42 [1966], 738 ff.) und zweitens wird die Exi-
stenz einer idg. Wz. *bhedh- mit der Bed. bin-
den, flechten
nur aufgrund von lat. fiscus ange-
nommen; alle anderen auf idg. *bhidh- zurück-
zuführenden Wörter haben einfach die Bed.
Topf, Kübel, Faß (s. Pokorny 153; Walde-
Hofmann, Lat. et. Wb. I, 506).

Aus phonologischen Gründen ebenso unwahr-
scheinlich ist Anknüpfung an lat. fascis Bund,
Bündel
, pl. Rutenbündel als Amtszeichen der
Magistrate
, viell. auch ahd. bast Bast, s. d. (so
zuerst N. van Wijk, IF 24 [1909], 233 ff.; auch
Franck, a.a.O.; bezweifelt von Vries, a.a.O.,
Walde-Hofmann, a.a.O. I, 459 f.), die eine idg.
Wz. *bhas- voraussetzen und mit dem e-Voka-
lismus von besamo usw. nicht im Einklang ste-
hen.

Abzulehnen H. Petersson, PBB 38 (1913), 314 ff.: zu
einer idg. Wz. *bhes- : *bhs- binden, die er in gr. ψέ-
λιον Armband, ψίαϑος Decke, Matte zu finden
glaubt (s. aber Frisk, Gr. et. Wb. II, 1132. 1137).

Alle Versuche, Besen auf einen Begriff binden,
flechten
zurückzuführen, sind auch aus seman-
tischen Gründen etwas fragwürdig, denn die
meisten idg. Wörter für Besen sind entweder
aus einem Verb kehren, fegen (wie z. B. gr. σά-
ρον, σάρος, zu σαίρω) oder aus dem Namen
des Materials, aus dem der Besen gemacht wird
(wie z. B. engl. broom < broom Ginster, lat.
scopae < scopa Zweig, Reis), abgeleitet; vgl.
Buck, Dict. of Sel. Syn. 581 f. Bemerkenswert
sind also zwei vorgeschlagene Etymologien die-
ser Art:

Meyer, Et. Wb. d. alb. Spr. 277, vergleicht alb.
mëi, pi, fi kehre, kehre aus, dresche (für
*bëi, *mbëi), mëesë, pesë, fesë f. Besen,
die auf eine idg. Wz. *bhes- zurückgehen sol-
len, die auch in besamo vorkommt. Nach
Walde-Pokorny II, 136 wäre diese Wz. wohl
mit *bhes- reiben, darüber streifen gleichzuset-
zen (vgl. gr. ψάω reibe, ψάμμος Sand, ahd.
sant, s. d.). Der Bed. wegen wird von Walde-Hof-
mann, a.a.O. I, 460 die Zugehörigkeit von besamo
usw. zu dieser Wz. bezweifelt, und die westgerm.
Wörter werden bei Pokorny 1450 f. under *bhes-
nicht einmal aufgeführt. Trotzdem beweisen die
alb. Wörter, daß eine solche Bed.entwicklung gar
nicht ausgeschlossen ist.

Ganz abwegig Trübners Dt. Wb. I, 296 f.: Besen, Bast,
lat. fascia, fascis und alb. mëi gehören alle zu einer
Wz. *bhōs- : *bhǝs- (!) binden, flechten.

Wohl am überzeugendsten wirkt die von F.
Holthausen, Zvgl. Spr. 50 (1922), 142 und Ae.
et. Wb. 21 vorgeschlagene Verknüpfung mit lat.
ferula (< *fes- ?) hochgewachsene Dolden-
pflanze mit markigem Rohr
, auch Stab, Rute,
festūca Halm, auch Stäbchen, Rute des Prae-
tors, womit der Sklave zum Zeichen der Freilas-
sung geschlagen wurde
. Da die westgerm.
Wörter für Besen manchmal auch Rute be-
deuten, ist wohl anzunehmen, daß es sich wie
im Falle von lat. scopae um einen aus mehreren
Reisern gefertigten Besen handelte. Leider sind
aber auch die lat. Wörter etym. dunkel (s.
Walde-Hofmann, a.a.O. I, 487. 489, die sich
über die Verwandtschaft mit besamo usw. an-
scheinend nicht entscheiden können: S. 487
zweifelnd, S. 460 [s. v. fascis] etwas positiver).

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