brahsa
Band II, Spalte 280
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brahsa f. ō-St., nur in Gl.: Brachse(n),
Brasse(n), Blei, cluma, phoca
(Abramis brama
L.), einmal übertr. auf die Muräne, zmyrus
(Murena helena L.), erst vom 12. Jh. an belegt
und darum in den Hss. auf -e endigend oder
ohne ausl. Vokal (aber s. u.): prachse, ver-
schrieben brasch u. a.; ab 13. Jh. auch Neben-
formen mit -e- in der Stammsilbe pre(c)hs,
praechs. Damit konkurrieren Bildungen auf
-n- wie prahsine, prehsin f. ō-St. (vgl. Wil-
manns, Dt. Gr. II § 236 Anm. 2) sowie auf -m-
wie brahs(e)ma f. n-St.(?) (aber s. Ahd. Wb. I,
1311) neben den durch Assimilation von -hs-
zu -ss-, -s- vereinfachten md. und ndd. For-
men, z. T. noch im 11. Jh. prasma, bresmo,
bresma m.f. n-St., zweimal übertr. auf den
Tintenfisch, lolligo (Sepia loligo L.). Zu -hs-
> -s(s)-, s. Wilmanns, Dt. Gr. I § 91 S. 124.
Spätere mhd. Belege lauten brahsem, brasme,
bresme usw.; frühnhd. brachsen m., nhd. Brach-
sen m., Brachse f. Auch in die Hochsprache
der Gegenwart haben die Lautungen mit und
ohne -ch- Eingang gefunden (s. o.).

Ahd. Wb. I, 1310 f. 1322. 1363; Splett, Ahd. Wb. I,
94; Starck-Wells 72 f. 795; Graff III, 283; Lexer I,
339. 341. 350; Benecke I, 232; Diefenbach, Gl. lat.-
germ. 81 (brasmus). 241 (foca). 539 (smirua); Götze,
Frühnhd. Gl.6 39; Dt. Wb. II, 283; Kluge21 94 f.; Klu-
ge22 101.

Während das ahd. Wort nicht nur mndd., son-
dern auch mndl. und nndl. Gegenstücke ohne
-h- und mit m-Suffix aufweist (mndd. brassem,
brasme, brs(s)em, brsme; mndl. brasem, braes-
sem, bressem, brēsen, nndl. brasem), fehlen erb-
verwandte Bezeichnungen im Engl.: me.
bre(s)me, brasme (auch breem, brem[e], breime,
breame etc.), ne. bream gehen auf afrz. braisme,
bre(s)me, letzten Endes frk. *brahsima zurück
(vgl. mlat. braxima u. a.). Das bei Kluge22 101
angesetzte as. bresmia (wohl aus Gallée, Vor-
stud. z. e. andd. Wb. 37) ist nicht belegt: bresma
Gl. 3, 683, 49 ist wohl mfrk.; bresme Gl.
3, 720, 47 (13. Jh.!) ist eher mndd. Im Nordgerm.
findet sich, mit anderer Ablautstufe, die aisl.
Form brosma f. ō-St. (< *ruhsmō; s. J. Sver-
drup, IF 35 [1915], 157), nisl. nnorw. brosma,
und daraus ndän. nschwed. brosme; daneben
gibt es aber nnorw. Bm. brasme, ndän. brasen,
aschwed. brasin, schwed. dial. bras(en), For-
men, die aus dem Mndd. übernommen sind.
Nschwed. braxen ist wohl aus dem Deutschen
entlehnt. Als Lehnwort im Lapp. lautet das Wort
(b)roas(s)mo u. ä.

Fick III (Germ.)4 278; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. I, 1, 342; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. I,
415; Verdam, Mndl. handwb. 115; Franck, Et. wb. d.
ndl. taal2 90 f.; Suppl. 25; Vries, Ndls. et. wb. 85; ME
Dict. AB, 1140; OED2 II, 517; Wartburg, Frz. et.
Wb. I, 492 f.; XV, 1, 235 f.; Mittellat. Wb. I, 1565;
Vries, Anord. et. Wb.2 59; Jóhannesson, Isl. et. Wb.
622; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 26; Falk-
Torp, Norw.-dän. et. Wb. 99. 105; Torp, Nynorsk et.
ordb. 37; Fritzner, Ordb. o. d. g. norske sprog I, 193;
Ordb. o. d. danske sprog II, 1114. 1201 f.; Hellquist,
Svensk et. ordb.3 97. 101; Svenska akad. ordb. B-
4175 ff.

Die genannten germ. Varianten mit ihrem wech-
selnden Stammvokal -a-, -e- und -o- führen auf
germ. Grundformen mit der Stammsilbe *rah-
: *reh- : *ruh- zurück, die von der idg. Basis
*bhere- glänzen abgeleitet sind. Zu derselben
Sippe gehören mhd. brehen plötzlich und stark
leuchten, glänzen, funkeln
( brâwa, brehan,
brettan) sowie aisl. brjá sw. v. (wohl ursprl. stark
< *rehan) dss.; daneben wohl zu idg. *bher-
e- oder *bherǝ- mit ausl. -- got. bairhts (
beraht). Außergerm. stellt sich viell. zu idg.
*bhere- gr. φορκόν λευκόν, πολιόν, ῥυσόν
weiß(lich grau) Hesych (vgl. Frisk, Gr. et. Wb.
II, 992 [φαρκίς]. 1036 [φορκόν]); mit labialer
Erweiterung wie in ahd. brâwa heth. parkui-
rein, parku-nu- rein machen.

Die Lautform aind. bhrate scheint, leuchtet, glänzt
neben aind. bhrjate dss., jungav. brāzaiti glänzt ist
dagegen für eine idg. Parallelwurzel *bhre- nicht ver-
wertbar (T. Gotō, Die I. Präsensklasse im Vedischen,
Sitz.ber. d. Österr. Akad. d. Wiss. in Wien 489, 18
[1987], 233).

Die Wortbildung erfolgte hier unterschiedlich,
z. T. nur mit s-Erweiterung: brahsa, wie ähnlich
im Namen des Wels < *hwaliza ( walira),
oder aber mit Hilfe eines Konglutinats, entwe-
der -sn- oder -sm-, wie etwa in ahd. fers(a)na
Ferse oder brôs(a)ma Brosame (s. d. d.), vgl.
Kluge, Nom. Stammbildung3 § 86 bzw. 155;
Wilmanns, Dt. Gr. II § 236, Anm. 2 bzw. 233, 2.
Im Falle von ahd. brahsa usw. bezieht sich der
Name wohl, wie bei vielen Fischen, auf die un-
gewöhnliche Färbung des Tieres, vgl. Brehm,
Thierleben2 VIII, 52: silbergrau glänzend und
mit goldgelben Streifen, zumal vom Gold-
brassen, von den Alten die Aurata genannt.

Walde-Pokorny II, 169; Pokorny 141 f.; Mayrhofer,
K. et. Wb. d. Aind. II, 479 f. 529 f. 532; ders., Et. Wb.
d. Altindoar. II, 279 f.; Bartholomae, Airan. Wb. 972;
Frisk, Gr. et. Wb. II, 1036; Boisacq, Dict. ét. gr.4
1034; Chantraine, Dict. ét. gr. 1222; Kronasser, Et. d.
heth. Spr. I, 107. 252. 503.

Auch in den dt. Mundarten der Gegenwart hat
sich der Name dieses Fisches lebendig erhalten
vom alem. und bair. Süden bis zum hohen Nor-
den des dt. Sprachraums sowie der anschließen-
den Gebiete.

Vgl. Schweiz. Id. V, 386 f. (Brachsmen, -len); Ochs,
Bad. Wb. I, 303; Fischer, Schwäb. Wb. I, 1334 f.; Jutz,
Vorarlberg. Wb. I, 426; Schmeller, Bayer. Wb.2 I, 344
(mask. u. fem.); Kranzmayer, Wb. d. bair. Mdaa. in
Österr. III, 693; Christmann, Pfälz. Wb. I, 1146 f.;
Maurer-Mulch, Südhess. Wb. I, 1059; Scheel, Hamb.
Wb. I, 448 f.; Mensing, Schleswig-holst. Wb. I, 508;
Wossidlo-Teuchert, Meckl. Wb. I, 1112 f. (Brassen2);
Ziesemer, Preuß. Wb. I, 799 (Bressen, -em).

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