ella
Band II, Spalte 1053
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ella f. n-St., nur in Gl.: Nebenbuhlerin, ae-
mula; Kebsweib, pelex
; giella f. n-St., nur in
Gl.: dss., auch concubina Var.: kiella; gella,
-e, kell-, gaell-, geill-, keill-; ello m. n-St., nur
Gl. 1, 409, 24. 546, 43: Rivale, Nebenbuhler, ae-
mulus
; *giello m. n-St., nur gello Gl. 4, 129, 23
(12. Jh.), gelle Gl. 4, 112, 6 (12. Jh.): dss..
Mhd. elle sw. f. pel(l)ex, gelle sw. f., gellîn st.f.
Nebenbuhlerin, Kebsweib; gelle sw. m. Ne-
benbuhler
(? vgl. Lexer I, 821); frühnhd. gelle,
gellin f. Nebenbuhlerin, Kebsweib, gelle m.
Nebenbuhler; nhd. mdartl. (veraltet) bayer. ell
f., gelle f. Nebenbuhlerin, Kebsweib; schweiz.,
schwäb. gelle f. dss.; elsäss. gelle f. dummes,
leichtfertiges Mädchen
.

Ahd. Wb. III, 265 f. 269 f.; Splett, Ahd. Wb. I, 180;
Starck-Wells 125. 205. 815; Graff I, 202; Schade 132;
Lexer I, 539. 821; Nachtr. 140; Benecke I, 428; Die-
fenbach, Gl. lat.-germ. 421 (pel[l]ex). Schmeller,
Bayer. Wb.2 I, 58. 892; Schweiz. Id. II, 210; Fischer,
Schwäb. Wb. III, 296; Martin-Lienhart, Wb. d. els.
Mdaa. I, 211.

Entsprechende Formen in anderen germ. Spra-
chen sind: mndd. elle f. Nebenbuhlerin, Kebs-
weib
(vereinzelt); mndl. elle m. f. Nebenbuhle-
r(in), Geliebte(r)
(anscheinend nur in den an
Deutschland angrenzenden Mdaa. nach Ver-
wijs-Verdam, Mndl. Wb. II, 615); aisl. nisl. elja
f. Kebsweib (aus dem Skand. viell. finn. aljo
Hure; vgl. Thomsen, Einfluß d. germ. Spr. 130;
T. E. Karsten, Folkmålsstudier 2 [1934], 76).

Fick III (Germ.)4 20; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. I, 1, 529; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. I,
655; Verdam, Mndl. handwb. 163; Vries, Anord. et.
Wb.2 100; Jóhannesson, Isl et. Wb. 75; Holthausen,
Vgl. Wb. d. Awestnord. 49.

Germ. *aljan-, *aljōn- hat zwei mögliche Ety-
mologien:

1) Zu idg. *alo- der andere ( alles2; R. Lühr,
bei K. Matzel, in Stud. z. Lit. d. Mittelalters
[hrsg. v. R. Schützeichel, Bonn, 1979] 44
Anm. 51 [= Gesammelte Schriften 206 Anm. 51]):
semantisch wenig überzeugend. Ein Kebsweib
ließe sich viell. als die andere (Frau) bezeich-
nen, aber ein Nebenbuhler (aemulus) ist nicht
einfach der andere, sondern jemand, der mit
einem anderen wetteifert
. Es ist auch fraglich,
ob gi-Zss. von Pron.stämmen wie *alo- gebil-
det werden können (s. u.).

2) Zu ahd. ellan Mut, Kraft, Eifer (s. d.). Zu-
gehörigkeit zu dieser Sippe wird bes. durch die
folgenden ahd. Glossierungen wahrscheinlich
gemacht: ahd. ella, giella aemula, ello, giello
aemulus: ahd. ellinri aemulator, ellinôn ae-
mulari
(= got. aljanōn ζηλοῦν), ellinunga ae-
mulator
(s. d. d.). Der Begriff des (Wett-)Eiferns
liegt zweifellos der ganzen Sippe zugrunde (vgl.
auch nhd. nacheifern, zu Eifer). In diesem Fall
könnte es sich um schwach deklinierte Verbal-
substantive zu einem nicht belegten germ. Verb
*aljan- (wett)eifern handeln (vgl. ahd. skepfo
Schöpfer zu skepfen schöpfen, erschaffen; gi-
helfo Helfer, Gehilfe zu [gi]helfan), zu dem
mit -(a)na-Suffix und sächlicher Bed. auch ellan
gehörte; vgl. ahd. skern Scherz zu skerôn las-
civire
; lougan Verleugnung, Verneinung zu
liogan lügen, täuschen (s. d. d. und s. Wil-
manns, Dt. Gr. II § 149 f. 234 f. [bes. 236]). Die
Verknüpfung mit ellan ist wohl vorzuziehen,
obgleich die weitere Etymologie dieser Sippe
noch ungeklärt bleibt. Weiteres ellan.

Osthoff, Zur Gesch. d. dt. Adj. 167; W. Schlüter, Ger-
mania 21 (1876), 375 f.; K. F. Johansson, ZfdPh. 31
(1899), 298 Anm. 1.

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