gibenichôt
Band I, Spalte 539
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gibenichôt adj. part. prät. erfahren, einer
Sache kundig, peritus
; nur Gl. 1, 162, 16: K ki-
penihhot; Pa verschrieben ca-panihnot (zum
Fehlen des Umlauts in den frühen obd. Gl. Pa
s. Schatz, Ahd. Gr. § 50).

Ahd. Wb. I, 875; Starck-Wells 42 (banihhôn); Graff
III, 341; Raven, Schw. Verben d. Ahd. II, 13.

Dem nicht belegten ahd. Verb *benichôn ent-
spricht wohl andd. *banekôn sinnend umher-
gehen, nachdenkend sich ergehen
, das in einer
Gl. aus dem 12. Jh. vorkommt: te (Hs. be) ba-
necone (Dat. Inf.) ad meditandum (Admont
718, 12. Jh.; ZfdA. 64 [1927], 77). Das als Gl.
zur selben Stelle (Gen. 24, 63) in einer Hs. aus
Windberg (Clm. 22201, 12. Jh.) belegte zu pani-
chen (Gl. 1, 306, 14) wird als eine Verhochdeut-
schung des nddt. Wortes betrachtet, da diese
Hs. wohl Bez. zum Nddt. hatte. (Nur diese
zwei Hss. übersetzen meditari auf diese Weise;
sieben andere haben uoben, eine [h]werban).

Wohl dasselbe Wort ist mndl. baneken Ge-
schlechtsverkehr haben, einer Frau beischlafen
;
mhd. ban(e)ken, banechen, banichen (tr.) um-
hertummeln, (intr.) spazieren, (refl.) sich durch
Bewegung erlustigen
(Lexer I, 120; Benecke I,
84), nach Suolahti, Frz. Einfl. im 13. Jh. ein
Kunstwort der niederl.-höfischen Mischspra-
che
; s. auch E. Wießner in Maurer-Stroh, Dt.
Wortgesch. I, 165. Nicht überzeugend ist die
Deutung dieses höfischen Wortes als ein Lehn-
wort aus afrz. (es)banioer (se) réjouir, (se) di-
vertir
(so u. a. Wartburg, Frz. et. Wb. I, 231 und
232 Anm. 23).

Ahd. *benichôn und andd. *banekôn sind wohl
intensive Verbalbildungen auf *-k- (wie spät-
ahd. [Williram] hôrechôn, nhd. horchen zu hô-
ren; vgl. auch Wilmanns, Dt. Gr. II § 87, 1;
Kluge, Urgerm.3 § 194 e) zu ahd. banôn Qual,
Pein, Mühsal bereiten
(s. d.); ihre urspr. Bed.
war viell. sich rastlos bemühen; s. H. Götz,
PBB 81 (Halle, 1959), 203 ff. (auch zur Bed.-
entw.); Koegel, Lit.gesch. I, 2, 434; E. Ochs,
Annales Acad. Scient. Fennicae (Ser. B) 84
(1954), 150 f. (mit einer abwegigen Et. von ba-
nôn). Verfehlt Schenck, Keron. Gl. 33: ahd. ga-
benihhon(?) = strafen (?).

Wegen des fehlenden Umlauts im anddt. Wort muß
mit Suffixablaut gerechnet werden: ahd. *benichôn <
*-ikôn, andd. *banekôn < *-akôn.

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