hâli
Band IV, Spalte 765
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hâli adj., seit dem 9./10. Jh. in Gl., bei
N: glatt, schlüpfrig, glitschig, gleitend,
strähnig, unbeständig, flüchtig; caducus, le-
vis, lubricus
Var.: -æ-; -ll-. Mhd. hæl(e)
verhohlen, verborgen, vergänglich, schlüpf-
rig, glatt
, nhd. hahl, hähl glatt, schlüpfrig
(vor allem dial.: schwäb. häl, bair., kärnt.
hâl).

Ahd. Wb. 4, 628 f.; Splett, Ahd. Wb. 1, 344; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 509; Schützeichel⁶ 147; Starck-Wells
250; Schützeichel, Glossenwortschatz 4, 129; Graff 4,
854 f.; Lexer 1, 1148; Götz, Lat.-ahd.-nhd. Wb. 80
(caducus). 372 (levis). 381 (lubricus); Dt. Wb. 10,
158 f.; Kluge²¹ 284 f.; Kluge²⁴ s. v. Hallimasch; Pfei-
fer, Et. Wb.² 499 f. Fischer, Schwäb. Wb. 3, 1049 f.;
Fischer, Schwäb. Wb. 3, 1049 f.; Schmeller, Bayer.
Wb.² 2, 166; Lexer, Kärnt. Wb. 131.

Ahd. hâli < westgerm. *χāli-/-ia- hat keine
direkten Entsprechungen. Ungesichert ist der
Ansatz als i- oder ja-Adj. Die einmalige Va-
riante mit -ll- (nom.sg. m. haller [Thoma
1975: 26, 24]) könnte zwar auf die Wirkung
der (sonst nach langer Silbe fast durchgängig
beseitigten; vgl. Braune-Reiffenstein 2004:
§ 250 Anm. 3) westgerm. Konsonantenge-
mination weisen, jedoch ist der späte Beleg
kaum aussagekräftig. Daneben findet sich im
Nordgerm. ein a-st. Adj.: aisl., nisl. háll, fär.
hálur, adän., nschwed. hal, nnorw. haal
glatt, schlüpfrig, hinterlistig: < nordgerm.
*χāla-. Das Nebeneinander von westgerm. i-
/a-St. und nordgerm. a-St. kann zweifach
erklärt werden: Ist der nordgerm. a-St. pri-
mär (so Heidermanns, Et. Wb. d. germ. Pri-
märadj. 289), wäre für das Urgerm. ein Adj.
*χēla- anzusetzen, das im Westgerm. mit
Hilfe des Suffixes urgerm. *-(i)a- weiterge-
bildet wurde (zu solchen Weiterbildungen
vgl. das Nebeneinander von got. fairns alt
[< *ferna-] und got. fairneis alt [<
*fernia-]; Krahe-Meid 1969: 3, § 74, 4). Ist
dagegen der westgerm. i-/a-St. primär, wäre
für das Urgerm. ein Adj. *χēli-/ia- anzu-
nehmen (so KS Matzel 1990: 128), das im
Nordgerm. wie sonst auch in die a-St. über-
getreten wäre (vgl. dazu Noreen [1923] 1970:
§§ 424, 1. 431). Für den zweiten Ansatz
spricht die dehnstufige Bildung. Während
eine solche bei der Annahme eines urgerm.
a-St. isoliert wäre (vgl. Heidermanns, a. a. O.
52), ist sie mit anderen i-/a-st. Adj. im Ein-
klang ( -bâri, unbrâchi; vgl. Heidermanns,
a. a. O. 58 ff.).

Neben dem Adj. steht (außer der Ableitung
ahd. hâlî abschüssige Stelle [s. d.]) ablau-
tendes nndl. hal Bodenhärte infolge von
Frost
(< *χala-) und eine reduplizierte Bil-
dung aisl. héla, nisl. hjela, nnorw. hēla,
nschwed. dial. hila, hela Raureif (< *χeχ-
lōn-).

Unsicher ist die Zugehörigkeit von ae. hǣlig
unzuverlässig, da dies auch zu urgerm.
*χēli- verhehlend, verborgen ( hâlingûn,
hâlîgo) gestellt werden kann.

Fick 3 (Germ.)⁴ 83 f.; Heidermanns, Et. Wb. d. germ.
Primäradj. 289; Franck, Et. wb. d. ndl. taal² 226;
Suppl. 64; Vries, Ndls. et. wb. 232; Holthausen, Ae.
et. Wb. 145; Bosworth-Toller, AS Dict. 500; Vries,
Anord. et. Wb.² 205. 221; Bjorvand, Våre arveord
336 f.; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 239 ff.; Fritzner,
Ordb. o. d. g. norske sprog 1, 708. 781; Holthausen,
Vgl. Wb. d. Awestnord. 104. 111; Falk-Torp, Norw.-
dän. et. Wb. 366; Ordb. o. d. danske sprog 7, 713;
Torp, Nynorsk et. ordb. 203. 208; Hellquist, Svensk et.
ordb.³ 328. 344; Svenska akad. ordb. s.vv.

Urgerm. *χēli-/ia- < vorurgerm. *ēlH-i/io-
stellt eine Ableitung von der Verbalwurzel
uridg. *elH- kalt werden, frieren dar. Ver-
bal ist die Wurzel wohl nur in der Umbil-
dung zum i/ē-Verb lit. alti frieren fortge-
setzt (< uridg. Perf. *e-ólH/H-; vgl. zur
Umbildung lit. garti warm werden; vgl.
Stang 1942: 153). Entweder ist das Verb aus
dem Perf. *(e-)ólH- umgebildet oder es ist
denominaler Herkunft. Eine entsprechende
Basis ist jedoch nicht bezeugt. Nominal liegt
die Verbalwurzel vor in: ved. íira- m.
Vorfrühling, kühle Jahreszeit (< *í-H-o-,
wohl zu vergleichen mit aisl. héla [s. o.]; an-
ders Mayrhofer, Et. Wb. d. Altindoar. 2, 641:
< *i-iH-ra- zu ved. yate gefriert, gerinnt
[< *eH- gefrieren]); jav. sarǝta-, npers.
serd kalt, osset. sald Kälte (< *H-tó-);
lit. -alas (vgl. ãpalas Glatteis, pãalas
gefrorenes Erdreich, Nachtfrost), lett. sals,
apreuß. -salis (in passalis Frost) (<
*ól[H]-o-; vgl. nndl. hal [s. o.]); lit. alnà,
lett. sana, aksl. slana, serbo-kroat., tschech.
slána Reif (< *ól[H]-neh₂-).

Walde-Pokorny 1, 429 f.; Pokorny 551 f.; LIV² 323;
Mayrhofer, K. et. Wb. d. Aind. 3, 435 f.; ders., Et. Wb.
d. Altindoar. 2, 641; Bartholomae, Airan. Wb.² 1566;
Horn, Grdr. d. npers. Et. 153; Trautmann, Balt.-Slav.
Wb. 297 f.; Sadnik-Aitzetmüller, Handwb. zu den
aksl. Texten 121. 303; Fraenkel, Lit. et. Wb. 960 f.;
Mühlenbach-Endzelin, Lett.-dt. Wb. 3, 675; Traut-
mann, Apreuß. Spr.denkm. 390. Rasmussen 1989:
182. 199.

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