lacha f. ō(n)-St., seit dem 9. oder
10. Jh. in Gl.: ‚Sumpf, Morast, Suhle, schlam-
miges Wasser; gurges, lama, lutosa aqua,
palus‘ 〈Var.: -chch-〉. — Mhd. lache sw./st.f.
‚Lache, Pfütze‘, frühnhd. lache f. ‚Pfütze,
Tümpel, Suhle, Sumpfgebiet, Weiher‘, nhd.
Lache f. ‚kleinere Ansammlung von Flüs-
sigkeit, Pfütze‘.
Ahd. Wb. 5, 588; Splett, Ahd. Wb. 1, 509; Köbler, Wb.
d. ahd. Spr. 700; Schützeichel⁷ 191; Starck-Wells
358; Schützeichel, Glossenwortschatz 5, 447 f.; See-
bold, ChWdW9 493; Graff 2, 100 f.; Lexer 1, 1808; 3,
Nachtr. 289; Frühnhd. Wb. 9, 10 f. (lache¹); Diefen-
bach, Gl. lat.-germ. 408 (palus); Dt. Wb. 12, 13 f.;
Kluge²¹ 417; Kluge²⁵ s. v. Lache¹; Pfeifer, Et. Wb.²
756 (Lache¹).
In den anderen germ. Sprachen entspre-
chen: as. laka* ‚Pfütze, Sumpf‘ (nur in ON),
mndd. lāke f. ‚stehendes Wasser in einem
Flussbett, Lache, Salzlake‘; andfrk. laka, le-
ka, frühmndl., mndl. lake ‚stehendes Wasser
in einem Flussbett, Tümpel, Bach‘, nndl.
laak ‚Fluss, Bach‘; ae. lacu f. ‚Fluss, Bach‘,
me. lāk(e) ‚Bach, Flüsschen‘, ne. lake ver-
altet und dial. ‚(kleiner) Bach‘: < westgerm.
*lakō(n)-.
Die nordgerm. Wörter beruhen auf einer
dehnstufigen Bildung: aisl. lœkr m. ‚langsam
fließender Bach‘, nisl. lœkur, fär. løkur,
nnorw. løk: < *lōk-i-.
In der Bed. ‚See‘ setzen me. lāk(e), ne. lake
nicht ae. lacu ‚Fluss, Bach‘ fort, sondern
sind aus afrz. lac ‚See, Grube‘ (< lat. lacus
m. ‚See‘) entlehnt.
Mndd. oder mndl. lāke sind in der Bed.
‚Salzwasser, Salzlake, Lake‘, einem Ter-
minus technicus der Fischverarbeitung, ins
Nhd. übernommen worden; Lake begegnet
seit dem 15. Jh. im Md. und seit dem 16. Jh.
im Obd. (Kluge²¹ 420; Kluge²⁵ s. v. Lake;
Pfeifer, Et. Wb.² 760). Das ndd. Wort wurde
auch in nordgerm. Sprachen entlehnt; vgl.
schwed. lake, dän. lage ‚Salzlake‘.
Fick 3 (Germ.)⁴ 356; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. 2, 1, 723 f. (lāke¹); Schiller-Lübben, Mndd.
Wb. 2, 613; ONW s. vv. laka, leka; VMNW s. v. lake;
Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 4, 69 f.; Vries, Ndls. et.
wb. 379 (laak¹); Holthausen, Ae. et. Wb. 190 (lacu).
194 (lagu); Bosworth-Toller, AS Dict. 604; Suppl.
599; ME Dict. s. v. lāke n.¹; OED² s. v. lake n.³; Vries,
Anord. et. Wb.² 373 (s. v. lœkr¹); Jóhannesson, Isl. et.
Wb. 749; Fritzner, Ordb. o. d. g. norske sprog 2, 594;
Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 189; Magnússon,
Ísl. Orðsb. 592 (lœkur¹); Nielsen, Dansk et. ordb. 254
(lage¹); Ordb. o. d. danske sprog 12, 206 f. (lage¹);
Bjorvand, Våre arveord² 700 (løk²); Torp, Nynorsk et.
ordb. 406 (løk¹); NOB s. v. løk²; Hellquist, Svensk et.
ordb.³ 556 f. (lake¹); Svenska akad. ordb. s. v. lake⁴.
Urgerm. *lakō(n)- kann entgegen älteren
Auffassungen (z.B. Pokorny 653) nicht mit
lat. lacus m. ‚See‘ verbunden werden, da das
germ. Wort uridg. *-(ĝ)-, das lat. indes uridg.
*-(k̂)- fortsetzt. Auszugehen ist von einer vor-
urgerm. Form *lo(ĝ)eh₂-. Auch die z.B. von
E. Seebold, in Kluge²⁵ s. v. erwogene Mög-
lichkeit der Entlehnung aus dem lat. Wort ist
unwahrscheinlich, bes. bereitet die Überfüh-
rung in das fem. Genus der westgerm. Wör-
ter und in die teils n-stämmige Flexion
Schwierigkeiten bei der Erklärung, da eine
solche Umstrukturierung eines Lehnworts
völlig vereinzelt dasteht. Das germ. Wort ist
vielmehr zur Wz. uridg. *le(ĝ)- ‚tröpfeln, si-
ckern, zergehen‘ zu stellen, die sowohl im
Adj. urgerm. *lek-a- ‚leck, undicht‘ als auch
verbal im themat. Präs. urgerm. *lek-e/a- ‚le-
cken, undicht sein‘ > ahd. -lechan (s. du-
ruhlechan) und dem zugehörigen Kaus. ur-
germ. *lakei̯e/a- > ahd. lecken ‚bewässern,
benetzen‘ (s. d.) fortgesetzt ist.
Außerhalb des Germ. ist die Wz. nur noch in
einer weiteren Kentum-Sprache, dem Kelt.,
vertreten (vgl. air. lega* ‚schmelzen‘ < ur-
kelt. *leg-e/o- ‚schmelzen, [sich] auflösen,
zerstören‘), was eine exakte Bestimmung des
Tektals im Wz.auslaut unmöglich macht. Ein
der vorurgerm. Form *lo(ĝ)eh₂- entsprechen-
des Wort ist im Kelt. nicht bezeugt.
Nach älterer Ansicht haben italien. lacca
‚steiler Absturz, Niederung, Graben‘ und die
Sippe um aksl., aruss. loky f., gen. lokъve
‚Pfütze, Tümpel, Sumpf‘, bulg. lókva ‚Tüm-
pel, Pfütze‘, serb., kroat. lȍkva ‚dss.‘, slo-
wen. lȏkev f., gen. lȏkve, lȏkva ‚dss.‘ ihren
Ausgangspunkt im Germ. Für die slaw. Sip-
pe ist diese Annahme jedoch nicht nötig, hier
liegt vielmehr Verwandtschaft mit lat. lacus,
ae., as. lagu, aisl. lǫgr m. ‚See‘, air. loch
‚See‘ vor.
Walde-Pokorny 2, 422 f.; Pokorny 657; LIV² 397;
Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.³ Nr. 4818; Berneker,
Slav. et. Wb. 1, 730; Trubačëv, Ėt. slov. slav. jaz. 16,
10; Derksen, Et. dict. of Slav. 284; Et. slov. jaz.
staroslov. 435; Bezlaj, Et. slov. slov. jez. 2, 149; Snoj,
Slov. et. slov.² 363; Vasmer, Russ. et. Wb. 2, 55 f.;
ders., Ėt. slov. russ. jaz. 2, 515.
S. duruhlechan, lecken.