-ahi
Band I, Spalte 104
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-ahi, ein kollektives Nominalsuffix, das durch
Kombination des germ. Adjektivsuffixes *-ah-
(vgl. got. stainahs steinig; mit gram. Wechsel
ahd. -ag-, -îg- [ -îg]) mit -ja entstanden, aber
auf den ahd., teilweise auch andd. Sprachraum
beschränkt geblieben ist. Nominalbildungen
auf -ahi bezeichnen meist Örtlichkeiten, die
durch gewisse Pflanzen, Baumarten und andere
naturgegebene Bedingungen gekennzeichnet
sind wie rôrahi Röhricht, saharahi wo Ried-
gras wächst, carectum
, zeinahi Schilfgras, dor-
nahi Dornengestrüpp, hasalahi Haselgebüsch,
eichahi Eichenwald, aber auch steinahi steini-
ges Land
, aganahi Kehricht, gifesahi
Spreu(haufen) (s.d.d.). Damit berührt sich ein
vereinzeltes got. Femininum, nach den -īn-St.
gebildet: bairg-ah-ei ὀρεινή χώρα, Gebirgsge-
gend
; auch got. broþrahans mit seinem kollek-
tiven -ha- die unter einander Brüderlichen ge-
hört hierher, s. Feist, Vgl. Wb. d. got. Spr. 75 f.
bzw. 107.

Das ahd. Suffix ist mhd. bes. im Bair. weiterhin le-
bendig geblieben, teilweise in noch viel allgemeinerer
kollektiver Funktion, wie etwa in kindahe sämtliche
Kinder, Kinderschar
(Lexer I, 1571), später auch
Kind(e)rach, ja sogar (G)Weiberach, Soldatenach und
Buǝbǝrach, G’stainǝrach (Schmeller, Bayer. Wb.2 I, 21.
1426); vor allem aber hat sich mdartl. in Verbindung
mit dem dimin. -l-, bes. im Ostschwäb. (Augsburg:
-lach) und heute noch im südl. Fränkischen (-lich) die
nachträgliche Funktion einer Mehrzahlendung ent-
wickelt, s. kindlach infantuli, mädlach puellae (Fi-
scher, Schwäb. Wb. IV, 1153 f. 1376 f.), diernlich (Le-
xer I, 430) u. a. In der Hochsprache von heute sind
nur ganz wenige Fälle mit der um -t erweiterten En-
dung -icht, wie Dickicht, Kehricht, Röhricht, Reisicht,
Weidicht, dazu umgangssprachlich Spülicht, Schabicht
u. a. lebendig geblieben (s. Wilmanns, Dt. Gr. I, § 152,
2).

Wie zu erwarten, hat sich das ursprl. meist nur mit
Naturbezeichnungen kombinierte Suffix häufig in
Flur- und Ortsnamen niedergeschlagen, von denen
viele schon aus frühahd. Zeit beurkundet sind, wie
etwa Eihahi a. 801, Lintah 820, Farmahi 11. Jh. (zu
ahd. farm, farn) u. a., s. Bach, Dt. Namenkunde II
§ 193 ff.

Brugmann, Grdr.2 II, 1 § 378 (S. 494); Grimm, Dt.
Gr.a II, 295 ff.; Kluge, Nom. Stammbildung3 § 67;
Wilmanns, Dt. Gr. II, § 276; Henzen, Dt. Wortbil-
dung2 § 88, 3; Schlüter, Suffix -ja 114; Weinhold,
Mhd. Gr.2 § 280.

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