alasa
Band I, Spalte 150
Symbol XML-Datei TEI Symbol PDF-Datei PDF Zitat-Symbol Zitieren

alasa f. ō- oder n-St. Alse (der Maifisch),
alausa
(Clupea alosa L.), zweimal in Gl. belegt,
11. und 12. Jh., alem. bzw. mfrk./rhfrk. (in Gl.
3, 683, 44 ist lat. alansa verschrieben statt
alausa). Für das Mhd. verzeichnen die Wbb.
nur else sw. f.: so man elsen vêht in dem Necker
a. 1369 (Anz. f. d. Kunde d. dt. Vorzeit 4 [1835],
77), dazu die Zss. elsensegene f. Netz für Maifi-
sche
(ebd. 90), desgl. für Nhd.; doch muß auch
Alse weiterbestanden haben, angesichts der
Formen mit A- sowohl wie E- in den Mdaa.
von heute (s. u.).

Ahd. Wb. I, 190; Starck-Wells 20; Graff I, 241; Lexer
I, 542; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 24 (al[l]osa, alausa,
alsen, alsam, else[n]); Adelung, Gr.-krit. Wb. d. hd.
Mda. I, 195 (Alose, Alse[m], Alsam, Als, Else, Els[t],
Lausfisch (!); Dt. Wb. III, 417 (Else[n]).

Das ahd. Wort ist mit Schwächung des Voka-
lismus der weniger betonten Mittelsilbe aus
galloroman. alausa entlehnt (s. auch A. Tho-
mas, Romania 36 [1907], 96), das zuerst in Au-
sonius Mosella (4. Jh.; hrsg. von R. Peiper, v.
127) begegnet und auch im Roman. bis heute
weiterlebt, frz. alose (so schon Ende des
12. Jh.s, Trésor de la langue franç. II, 607), süd-
frz. alauzo, span. alosa. Auf germ. Seite hat es
Entsprechungen in mndd. al(l)ōsa (mit -ō- mo-
nophthongiert aus -au-?), während die relativ
späten Formen des Engl.: allowes (1620), alice,
allis, ne. meist allice-shad, aufs Franz. zurückzu-
führen sind.

Fick II (Kelt.)4 20; Dottin, Langue gaul. 225; What-
mough, Dialects of Anc. Gaul 381 Z. 4 (zweifelhaft);
Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. I, 26; Thes. ling. lat. I,
1483; Mittellat. Wb. I, 423; Körting, Lat.-roman. Wb.3
Nr. 405; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.3 Nr. 314; Wart-
burg, Frz. et. Wb. I, 58; (Neubearb.) XXIV, 293;
OED I, 234.

Die etym. Analyse des galloroman. Prototyps
macht Schwierigkeiten. Jedenfalls abzulehnen
ist F. Loewenthals Identifizierung des Wortes
mit dem lit. Seenamen Alaua (WuS 10 [1927],
150 f.): dem lit. -- müßte kelt. -c- entsprechen
(aber vgl. E. Hamp, Baltistica 3 [1967], 7 ff.). So
bleiben, im Hinblick auf die weißlichen Schup-
pen des Fisches, nur Vermutungen über An-
schluß an die idg. Wz. *al- (< *ьl-? neben *el-,
*ol-) weiß (mit -bh- Erweiterung in ahd. elbiz,
s. d.) und zwar in der zweisilbigen Basis *alō-:
*alǝ-, die meist für gr. ἀλω-φός λευκός He-
sych I, 119 weiß und mit Ablaut für russ. ólovo
Blei, und die mit n-Erweiterung auch für ar-
men. ałauni Taube und eine ganze Anzahl
kelt. Eigennamen vorausgesetzt wird wie etwa
die GN Alaunos, Alounae, den brit. Flußnamen
Alaunus (ne. Aln) und den kymr. PN Alun (zu
idg. -ō > au, s. W. Foy, Stokes-Festschrift
26 f.). Hier ließe sich mit -s-Erweiterung die
gall. Fischbezeichnung alausa am besten ein-
ordnen, wobei an den von derselben Wz. abge-
leiteten kelt. Namen der Forelle, nir. ala (<
*aladh, s. Vendryes, Lex. ét. de l’irl. anc. A58 f.;
E. P. Hamp, BN, N. F. 10 [1975], 173 ff.), sowie
an den ahd. Fisch alunt, alant (s. d.) erinnert sei.

Walde-Pokorny I, 93 f.; Pokorny 31; Brugmann,
Grdr.2 II, 1, 388 f.; Persson, Beitr. z. idg. Wortf. 302 f.;
Frisk, Gr. et. Wb. I, 82 (ἀλωφός); Boisacq, Dict. ét.
gr.4 20; Schwyzer, Gr. Gram. I, 349 (*ō > ωϝ); Vas-
mer, Russ. et. Wb. II, 264 f. (ólovo); Holder, Altcelt.
Spr. I, 76 f. 107; Thes. ling. lat. I, 1483; vgl. auch S.
Bugge, Zfvgl. Spr. 32 (1893), 1; H. Pedersen, ebd. 38
(1902/03), 313 u. ders., Vgl. Gr. d. kelt. Spr. I § 37, 1;
außerdem V. Bertoldi, Studi ital. di filol. class., N. S. 7
(1929), 253 ff. (Weißfisch); J. Hubschmid, Zfrom.
Ph. 66 (1950), 56 f.

Mdartl. ist das Wort noch immer über das ge-
samte dt. Sprachgebiet verbreitet, meist als
Alse(n), aber des öfteren auch mit anl. E-, einem
analogischen Umlaut, der entweder dem Dimi-
nutivum Els(e)le(in) oder, sehr viel wahrschein-
licher, dem nach der i-Dekl. gebildeten, vielbe-
nutzten Plural zu verdanken ist, vgl. Schweiz.
Id. I, 202 (Alse, auch Else, Älse, Leuß-, Lauß-
fisch); Ochs, Bad. Wb. I, 35. 682; Fischer,
Schwäb. Wb. I, 147 f.; Schmeller, Bayer. Wb.2 I,
69; Kranzmayer, Wb. d. bair. Mdaa. in Österr. I,
153 (veraltet); Müller, Rhein. Wb. I, 129
(Alse; Alsenkörf); Ziesemer, Preuß. Wb. I, 119
(Alse f.).

S. auch alunt, elbiz.

Information

Band I, Spalte 150

Zur Druckfassung
Zitat-Symbol Zitieren
Symbol XML-Datei Download (TEI)
Symbol PDF-Datei Download (PDF)

Lemma: