asc
Band I, Spalte 360
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asc m. a-(auch i-) St. Var.: asch; in späten
Hss., 14. und 15. Jh., äsch, esch, daneben vom
12. Jh. an aska1 f. n-St. Var.: ascha, -e, jedoch
stets ohne Umlaut im Ahd. Esche, fraxinus
(Fraxinus excelsior L.), öfters verwechselt mit
Eberesche, aesculus (Wortanklang? Sorbus au-
cuparia L.), einmal übertr. Speer Hildebr. 63
(asckim? s. die Lit. bei Braune, Ahd. Lesebuch9
196 zu v. 63). Mhd. asch st. m., vom späten
13. Jh. an auch esche st. f. Esche; Speer; kleines
Schiff; Holznapf
: zur Bed.entwicklung von
Eschenbaum zu Speer vgl. lat. fraxinus, gr.
(ion.) μελίη; von Eschenbaum zu Boot vgl.
anord. eikja, dt. Einbaum. Nhd. Esche f.: der
Umlaut, ursprl. nur im Pl., wenn nach der i-
Dekl. flektiert, drang durch in Anlehnung an
das Adj. eschîn, zumal in eschenboum (s. J.
Hoops, IF 14 [1903], 484).

Ahd. Wb. I, 672 f.; Schützeichel3 11; Starck-Wells 35;
Graff I, 492; Schade 32; Lexer I, 99 f. 708; Benecke I,
64 f.; Dt. Wb. III, 1141; Kluge21 174 f. Vgl. Marzell,
Wb. d. dt. Pflanzennamen II, 487; Hoops, Waldbäume
u. Kulturpflanzen 121; Hoops Reallex. I (1913), 631;
Schrader, Reallex. d. idg. Alt.2 I, 270.

Im mdartl. Sprachgebrauch gehen auch heute noch
ein- und zweisilbige Formen, mit und ohne Umlaut,
durcheinander; auch bezeichnet das Wort neben dem
Baum noch immer Schiff, bes. Salzschiff im Öster-
reichischen, und Gefäß (ursprl. aus Eschenholz), s.
Schweiz. Id. I, 568; Ochs, Bad. Wb. I, 712; Fischer,
Schwäb. Wb. II, 865; Kranzmayer, Wb. d. bair. Mdaa.
in Österr. I, 387 f.; Müller, Rhein. Wb. II, 177; Woe-
ste, Wb. d. westf. Mda. 12; Mensing, Schleswig-holst.
Wb. I, 1063; Ziesemer, Preuß. Wb. II, 371.

Der m. a- (oder i-) St. ahd. asc hat seine Ent-
sprechungen in fast allen germ. Dialekten, wäh-
rend die zweisilbige Fem.bildung sich fast nur
im Ndd. und Ndl. wiederfindet: as. asc, mndd.
asch, esche, nndd. esch; mndl. asch, auch esce,
nndl. es(ch); nfries. esk (Sylt); ae. æsc Esche;
Spieß; Boot
, me. asch, ne. ash; aisl. askr (dazu
Kollektivum eski n. < *askja), nisl. askur,
nnorw. ask, ndän. ask, esk, auch asketræ sowie
æsk(etræ), aschwed. asker, nschwed. ask, auch
äsk (Gotland). Dazu kommen germ. Belege des
Wortes in Komp.: as. ashmen Northmanni, py-
rate
Gl. 2, 366, 27 (= Wadstein, Kl. as.
Spr.denkm. 67, 15; 11. Jh.), mhd. aschman
Bootsknecht (Lexer, Mhd. Handwb. III
Nachtr. 35), ae. æscman, anord. askmaðr (Ahd.
Wb. I, 675 f.) = lat. Ascomanni pyratae, Wi-
chingi
bei Adam von Bremen, Gesta Hammab.
eccl. pontificum II, § 29 f.; auch Asc-arii Speer-
leute
aus der Notitia dignitatum (hrsg. von E.
Böcking), Orient. Kap. 8, Occid. Kap. 5 und 7,
dürfte hierher gehören (s. R. Much, ZfdA. 41
[1897], 94 f.), vor allem aber der vielumstrit-
tene, mehrfach bei Tacitus und anderwärts
überlieferte ON Asciburgium, Asciburgia auf
der Peutingerschen Tafel (hrsg. von C. Miller,
Ravensburg, 1888) I, Segm. II, 5, wohl das heu-
tige Asberg (älter Ast- für Asc-, Aschberg); allen
scharfsinnigen Emendationen zum Trotz (*As-
cin-, *Ascio-, *Asco-) bestätigt das so konse-
quent bezeugte -i- der Komp.fuge, was schon
durch den dat.pl. asckim des Hildebr. gefordert
wird: den Ansatz eines alten i-St. neben dem a-
St. Endlich gehört hierher noch das vom Geo-
graphen von Ravenna (Cosmographia, hrsg. von
M. Pinder und G. Parthey, Berlin, 1860) 232
verzeichnete Ascis mit dem gleich darauf fol-
genden Asc-apha Aschaffenburg in Ober-
deutschland, s. Bach, Dt. Namenkunde II, 19, 2.
79, 1. 192, 2. (Vgl. E. Norden, Die germ. Urge-
schichte in Tacitus’ Germania [Berlin, 1920],
189202. 48892; R. Much, WuS 12 [1929],
349 ff.; ders., Die Germania des Tacitus [Hei-
delberg, 1937], 58 f.; Hoops Reallex.2 I, 452).

Holthausen, As. Wb. 4; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. I, 1, 126; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. I,
133; Verdam, Mndl. handwb. 46 (asch). 169 (essche);
Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 159; Vries, Ndls. et. wb.
161; Doornkaat Koolman, Wb. d. ostfries. Spr. I, 406;
Dijkstra, Friesch wb. I, 331; Holthausen, Ae. et. Wb.
12; Bosworth-Toller, AS Dict. 19; Suppl. 19; ME
Dict. AB, 450; OED I, 485 f.; Oxf. Dict. of Engl. Et.
54; Vries, Anord. et. Wb.2 15 ; Jóhannesson, Isl. et.
Wb. 90 f.; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 7;
Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. I, 34 f.; Torp, Nynorsk
et. ordb. 8; Hellquist, Svensk et. ordb.3 35 f.

Der germ. Grundform *aska-/i- mit ihrer k-Er-
weiterung einer idg. Wz. *os- (**H3es-) stehen
wohl gr. ὀξύα, ὀξέα Buche; Speerschaft (<
*oks-[e]s? Zur Metathese bei gr. -sk-: -ks- s.
Schwyzer, Gr. Gram. I, 266 f.) gegenüber der
Bed.wandel von Esche zu Buche überrascht
nicht, da die Esche in Griechenland nicht hei-
misch ist (ngr. ἀσκός kleines Schiff setzt
wohl das noch immer unerklärte agr. ἀσκός
abgezogene Haut, lederner Schlauch fort), alb.
ah Buche (< *oska oder *aska), arm. hai
Esche (< *ask[h]io), vielleicht auch der süd-
gall. ON Ὀσκέλ(λ)α (> [Val d’] Ossola
Eschental, s. Holder, Acelt. Spr. II, 883 f.; W.
Meyer-Lübke, ZfOrtsnamenf. 4 [1929], 183 ff.;
J. U. Hubschmied, Vox Rom. 3 [1938], 50: die
Suffixform entspräche hier der germ.). Dage-
gen ist eine n-Erweiterung charakteristisch für
alle anderen kelt. sowie ital. und slav. Paralle-
len: kymr. akorn. onn-en f., bret. ounn-en (<
urkelt. *os-nā), air. (h)uinnius (< *osnissū, *os-
nisson), mir. uinsenn, nir. (f)uinnse (s. E. Hamp,
Zfcelt. Ph. 36 [1977], 10); lat. ornus Bergesche;
Spieß
(< *os-en-os mit Rhotazismus und Syn-
kope, s. F. Solmsen, Zfvgl. Spr. 34 [1897], 32
Anm. 1); russ. jásen’ Esche, serbo-kroat. jȁsēn,
poln. jesion, jasie, tschech. jasan. All das führt
auf eine idg. Wz. *s- zurück, die als i- (o-)
St. sich im Balt. erhalten hat: lit. úosis, lett. uôsis,
apreuß. woasis.

Nur im Indo-Iran. ist dieser Wortstamm, wohl
aus pflanzengeographischen Gründen, nicht ver-
treten. Auch die bestechende Vermutung, daß
sich in gr. ἀχερωΐς Weißpappel ein mit der Wz.
*s- zu identifizierendes Komp.element *-ōsis ver-
berge (so noch C. C. Uhlenbeck, PBB 26 [1901], 295;
Berneker, Walde-Hofmann a.a.O.), muß doch wohl
aus morphologischen Rücksichten (gen. sg. -ίδος)
aufgegeben werden (s. Frisk, Gr. et. Wb. I, 199; Lex.
d. frühgr. Epos I, 1750).

Walde-Pokorny I, 184 f.; Pokorny 782; Frisk, Gr. et.
Wb. II, 400 (ὀξύα); Boisacq, Dict. ét. gr.4 107. 706;
Chantraine, Dict. ét. gr. 806; Meyer, Et. Wb. d. alb.
Spr. 4; Hübschmann, Arm. Gr. 465; Fick II (Kelt.)4
51; Henry, Lex. ét. du breton mod. 215; Pedersen, Vgl.
Gr. d. kelt. Spr. I, 85 f.; Thurneysen, Gr. of OIr. § 329;
Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. II, 223; Ernout-Meil-
let, Dict. ét. lat.4 469; Berneker, Slav. et. Wb. I, 31;
Vasmer, Russ. et. Wb. III, 496; Trautmann, Balt.-Slav.
Wb. 203; Fraenkel, Lit. et. Wb. 1167. Vgl. auch E.
Hamp, Amer. Anthropologist 75 (1973), 1093 ff.

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