aspa
Band I, Spalte 370
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aspa f. n-St., nur in Gl.: Espe, Zitterpappel,
tremulus (arbor)
(Populus tremula L.); auch
Esche, fraxinus (Fraxinus excelsior L.) Var.:
aspe, asp, einmal aspi 12. Jh.; ab 14. Jh. häufig
espa, -e; dazu das adj. espîn. Mhd. bis zum
14. Jh. noch meist aspe sw. f., adj. espîn. Nhd.
Espe f., seit dem Frühnhd. mit Umlaut, der
wohl dem Einfluß des Adj. espen zuzuschreiben
ist; vgl. Esche ( asc). Zu den noch weitgehend
umlautslosen Formen in den heutigen Mdaa.
vgl. Schweiz. Id. I, 571; Ochs, Bad. Wb. I, 75;
Fischer, Schwäb. Wb. I, 342 f.; Schmeller, Bayer.
Wb.2 I, 168; Kranzmayer, Wb. d. bair. Mdaa. in
Österr. I, 399 f.; Müller, Rhein. Wb. I, 286; Cre-
celius, Oberhess. Wb. 50; Mensing, Schleswig-
holst. Wb. I, 184; Wossidlo-Teuchert, Meckl.
Wb. I, 474; Ziesemer, Preuß. Wb. I, 374; und
die Übersicht bei Marzell, Wb. d. dt. Pflanzen-
namen III, 980 f.

Ahd. Wb. I, 678 f.; Starck-Wells 36; Graff I, 491;
Schade 33; E. Björkman, Zfdt. Wortf. 2 (1902), 211;
Lexer I, 101. 711 (espîn); Benecke I, 65; Dt. Wb. I,
587; III, 1157 f.; Kluge21 175. Vgl. Marzell, Wb. d.
dt. Pflanzennamen III, 979 ff. (Manchmal, bes. in der
Volkssprache, werden Esche und Espe miteinander
verwechselt infolge des ähnlichen Klangs
, s. o.);
Hoops Reallex. I, 632; Schrader, Reallex. d. idg. Alt.2 I,
272 f.; Hoops, Waldbäume u. Kulturpflanzen 122.

Die Bezeichnung der Espe ist, wie die der Esche,
über den gesamten germ. Sprachenkreis ver-
breitet: mndd. aspe, espe; mndl. espe f., nndl. esp
m.; afries. espen (adj.) und espenbeam; ae.
æsp(e) (Sievers-Brunner, Ae. Gr.3 § 89, 2), dane-
ben æps(e) (ebd. § 204, 3 bes. im Spätwest-
sächs.
), adj. æspen, me. aspe, apse, espe, (hepse),
ne. aspen, auch asp; anord. sp (gen. sg., nom.
pl. aspar), dazu kollektiv espi (< *aspja-),
nnorw. osp, ndän. asp, dial. esp, espetræ,
nschwed. asp, dial. äsp(e); eine frühe nordgerm.
Form wurde als asspa ins Lapp.-Norw. entlehnt
(Quigstad, Nord. Lehnw. im Lapp. 94). So wird
als germ. Grundform *aspō(n) zu erschließen
sein; dazu kommen einzelsprachlich neutr.
Kollektivbildungen auf -ja-. Nebenformen auf
-jō(n), wie sie von manchen zur Erklärung des
Umlauts angesetzt werden, sind kaum zu recht-
fertigen: meist tritt der Umlaut erst spät in Er-
scheinung, wie etwa im Dt., und ist deshalb
wahrscheinlicher auf Angleichung an die sehr
häufigen Adj.bildungen auf -īn mit Umlaut zu-
rückzuführen, zumal in Komp. wie mhd. espen-
boum, mndl. espenboom, afries. espenbeam (s. J.
Hoops, IF 14 [1903], 484); im Skand. hat wohl
Analogie zu espi n. eine ähnliche Rolle gespielt.

Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 619. 127 (as-
pa); Verdam, Mndl. handwb. 169; Franck, Et. wb. d.
ndl. taal2 159; Vries, Ndls. et. wb. 162; Richthofen,
Afries. Wb. 716; Holthausen, Ae. et. Wb. 13; Bos-
worth-Toller, AS Dict. 20; Suppl. 20; ME Dict. AB,
430; OED I, 492; Oxf. Dict. of Engl. Et. 54 f.; Vries,
Anord. et. Wb.2 688; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 21;
Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 359. 53; Falk-
Torp, Norw.-dän. et. Wb. 35 f.; Torp, Nynorsk et.
ordb. 480; Hellquist, Svensk et. ordb.3 37.

So wie der Baum selbst, hat auch seine Bezeich-
nung außerhalb des Germ. ihre engen Grenzen;
sie findet sich nur noch im Baltisch-Slavischen:
lett. apse, apreuß. abse, lit. ãpuė̃ f. (s. E. Hamp,
J. of Baltic Stud. 10 [1979], 148 ff.), auch puė̃,
welch letzteres von A. Bezzenberger, BB 23
(1898), 298 als Diminutivbildung nach puìs
Kiefer, Fichte erklärt wird (anders, aber nicht
überzeugend Schulze, Kl. Schriften 218 Anm.
4); auch für die slav. Entsprechungen ist eine
Grundform mit -ps-, *opsa, anzusetzen, die mit
Synkope und n- bzw. k-Erweiterungen sich zu
russ. osína, poln. tschech. osika, dial. osa, osina,
bulg. osíka, jasika, serbo-kroat. jàsíka entwik-
kelt hat. Die Priorität der Lautfolge -ps- (germ.
mit späterer und nicht durchgehender Meta-
these -sp-, s. o. und wafsa) scheint bestätigt
durch die turko-tatar. Entsprechungen apsak,
awsak Pappel; Espe, die auf uralte Entlehnung
des idg. Wortes aus dem Iran. (so nach Hoops,
Waldbäume und Kulturpflanzen 123) oder dem
Armen. (so nach H. Pedersen, Zfvgl. Spr. 39
[1906], 462 und E. Lidén, IF 18 [1905/06], 491)
zurückgehen dürften.

Walde-Pokorny I, 50; Pokorny 55; Mühlenbach-
Endzelin, Lett.-dt. Wb. I, 118; Trautmann, Apreuß.
Spr.denkm. 295; Fraenkel, Lit. et. Wb. 14; Trautmann,
Balt.-Slav. Wb. 11 ff.; Berneker, Slav. et. Wb. I, 31 ff.;
Miklosich, Et. Wb. d. slav. Spr. 100; Vasmer, Russ. et.
Wb. II, 282.

Höchst zweifelhaft sind irgendwelche Entsprechun-
gen im Griech. wie ἄσπρις, ἄσπρος fruchtlose
Eichenart
(so Boisacq, Dict. ét. gr.4 90) und ἀσπίς
Schild aus Espenholz (so O. Schrader, BB 15 [1899],
285 und noch Thieme, Heimat d. idg. Gemeinspr. 547:
idg. *-ps-!); beiden Anknüpfungen gegenüber kri-
tisch Frisk, Gr. et. Wb. I, 168 f. und Vasmer, Russ. et.
Wb. II, 282. Ebenso haltlos ist der Ansatz eines Wz.-
Nomens ap-
aufgrund der Hesych-Gl. I, 203 ἀπελ-
λόν αἴγειρος ... (Specht, Ursprung d. idg. Dekl. 60;
dagegen Frisk, a.a.O. und Vasmer, a.a.O.) sowie der
gelegentlich vermutete Zusammenhang mit lat. ab-ies
(dagegen Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. I, 4).

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