bast, past
Band I, Spalte 500
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bast, past m. oder n. a-St., nur in Gl.: Bast
(d. i. die innere Rindenschicht des Baums), ba-
stum, suber, cortex; Pfriemengras, spartum

(Stipa tenacissima L.); (Bast)Seil. Auch mhd.
bast st. m. n.; nhd. Bast m.

Ahd. Wb. I, 831; Starck-Wells 43; Graff III, 219;
Schade 42; Lexer I, 133; Benecke I, 92; Dt. Wb. I,
1148 ff.; Kluge21 55. Vgl. auch Marzell, Wb. d. dt.
Pflanzennamen IV, 515 f.

Ahd. bast hat seine Entsprechungen fast in al-
len germ. Dialekten: as. mndd. bast; mndl.
nndl. bast; ae. bæst, me. bast, ne. bast (auch
bass); aisl. bast n., auch besti n. ja-St., dazu
-bst f. ō-St. in Zss. wie valbst Schwertgriff-
Überzug (?)
(s. Falk, Anord. Waffenkunde 30),
nnorw. bast n., bost f., ndän. nschwed. bast. Au-
ßerdem taucht das adt. Wort sowie eine Verbal-
ableit. davon, ahd. besten (s. d.) mit Bastfaden
binden, schnüren
, schon früh als Lehnwort im
Roman. auf: italien. span. basto, prov. katal.
bast, frz. bât Korb der Saumtiere, Waschkorb
(vgl. schweiz. bat), s. W. Meyer-Lübke, WuS I
(1909), 29 ff.; ders., Roman. et. Wb.3 Nr. 981.
983; F. Kluge, Zfrom. Ph. 41 (1921), 679.

Fick III (Germ.)4 269; Holthausen, As. Wb. 5; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 151; Schiller-Lübben,
Mndd. Wb. I, 156 f.; Verdam, Mndl. handwb. 56;
Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 36; Vries, Ndls. et. wb.
32 f.; Holthausen, Ae. et. Wb. 15; Bosworth-Toller,
AS Dict. 67; Suppl. 62; ME Dict. AB, 662; OED I,
694 f. 693. (bass); Vries, Anord. et. Wb.2 28; Jóhannes-
son, Isl. et. Wb. 600 f.; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awest-
nord. 12.

Aus dieser Übersicht ergibt sich ein Ansatz von
urg. *bast-a- mit *-st- nach dem Wurzelvokal,
während fast alle formal und inhaltlich anklin-
genden Verwandten *-sk- zeigen: so in erster
Linie lat. fascis m. Bund, Bündel (bes. Ruten-
bündel
als Amtssymbol), daneben fascia f.
Binde, Band(age) u. a.; dem Lat. entlehnt sind
ahd. fâska f. ō- (oder n-)St., auch fâski n. ja-St.
warmer Umschlag, Pflaster, Mieder (s. d.),
mndl. vaesche f. (Verdam, Mndl. handwb. 639),
schweiz. Fäsche f. Wickelband (Schweiz. Id. I,
1097) sowie got. *fāskja m. (oder *fāski n.?)
Binde, s. Feist, Vgl. Wb. d. got. Spr. 143; Kluge,
Urgerm.3 28.

Aus dem Kelt. gehören hierher mir. basc Hals-
band
, abrit. bascauda eherner Spülkessel
(vielleicht ursprl. ein irdenes über einem ge-
flochtenen korbartigen Gerippe geformtes und
gebranntes Gefäß
Walde-Pokorny II, 136),
kymr. baich (< *baski-) Last, Bürde u. a. (s.
Pedersen, Vgl. Gr. d. kelt. Spr. I, 77); desgl. die
schon von K. F. Johannsson (IF 19 [1906], 121)
als messapisch angesprochene Glosse βαστά
ὑποδήματα Ἰταλιῶται bei Hesych I, 316 Z. 10,
unterm Fuß (mit Bast) befestigte Sohlen, s.
auch Frisk, Gr. et. Wb. II, 996 f.; Krahe, Sprache
u. Vorzeit 105; ders., Spr. d. Illyrier I, 41; zu-
letzt O. Szemerényi, Zfvgl. Spr. 71 (1954),
211 ff. Sicher abzulehnen ist H. Jacobsohns
schwachbegründete Annahme skythischen
Ursprungs (ZfdA. 66 [1929], 238), vor allem an-
gesichts der im Mhd. belegten und in obd.
Mdaa. noch gebräuchlichen Ablautsform buost
(Wolframs Parzival 137, 10) mit ihrer kollekt.
Nuancierung aus Baststrängen gedrehtes Seil
(vgl. das Verhältnis von hane und huon, Brug-
mann, Grdr.2 II, 1, 158 sowie Darms, Schwäher u.
Schwager 257 ff.).

Ausscheiden muß wohl auch alb. bashkë adv. zusam-
men
, das zuerst von G. Meyer (IF 6 [1896], 106) mit
dem erstarrten Kasus eines nach lat. fascia und gr.
φάσκωλος Beutel rekonstruierten alb. Substantivs
für Bündel oder Verbindung identifiziert worden
war; kritisch dazu Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. I,
460 (obwohl der dortige Hinweis auf aind. bdhatē
drängt auch nur in eine Sackgasse führt, s. Mayrho-
fer, K. et. Wb. d. Aind. II, 425 f.). Desgleichen ist ein
Zusammenhang mit gr. φάσκος m. die von den Ei-
chenbäumen herabhängenden Mooszotten
sowie
dem davon abgeleiteten φάσκωλος m., -ον n. leder-
ner Beutel
höchst zweifelhaft, s. Frisk II, 996 f.;
Solmsen, Beitr. z. gr. Wortf. 5 ff. Ähnlich verfehlt wa-
ren, da bast keine Spur von wurzelhaftem n zeigt
(Meid), die wiederholten Versuche, das Wort in sei-
nem Ursprung mit der Sippe von ahd. bintan (s. d.)
zusammenzubringen, so H. Jacobsohn, a.a.O., O. Sze-
merényi, a.a.O., Haas, Messap. Stud. 211; s. auch W.
Meid, IF 69 (1964), 231 f.; E. Hamp (briefl.) denkt
an eine Herkunft aus *bhdh-to-kom.

Lieber bescheidet man sich damit, statt der -k-
Erweiterung wie sie die lat. und kelt. Verwand-
ten bezeugen, im Germ. (und in dem einmal be-
legten Messapischen, vielleicht auch dem
Neupers. s. u.) eine mit Dental erweiterte Va-
riante von idg. *bhas- zu erblicken. (Das Ver-
hältnis der germ. Formen zu neupers. bänd
Band, Knoten, bästän binden scheint nach
wie vor ungeklärt, s. E. Abegg, IF 46 [1928],
267 sowie Lokotsch, Et. Wb. d. eur. Wörter2
212.) Darüber hinauszugehen und die Wz.
*bhas- reiben, darüber streifen (?) mit der u. a.
in ahd. bes-amo Besen, Rute vorliegenden Wz.
*bhes- zu verknüpfen, verbietet aber doch wohl
der durchgehende a-Vokalismus von *bhas-t-;
auch N. van Wijk, der dafür plädierte (IF 24
[1909], 233 f.), konnte das -e- der germ. Voka-
beln für Besen nicht erklären ( besamo).

Walde-Pokorny II, 136; Pokorny 111; Walde-Hof-
mann, Lat. et. Wb. I, 459 f.; Ernout-Meillet, Dict. ét.
lat.4 218; Fick II (Kelt.)4 163; Hessens Ir. Lex. 81; Ven-
dryes, Lex. ét. de l’irl. anc. B21 f.; Dict. of Irish B42;
Dict. of Welsh 250.

S. auch baskiza.

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