einfalt
Band II, Spalte 997
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einfalt adj., nur in Gl. seit dem 8. Jh. und
bei Otfrid: einfach, ganz; rein, lauter, wahr;
einzig, allein, bloß; purus, simplex, meracus

Var.: -o- bei Otfrid; zum Übergang von -a- >
-o- im zweiten Teil von Komposita insbeson-
dere vor l-Verbindungen s. Braune, Ahd. Gr.¹⁴
§ 25 Anm. 1. 63 Anm. 3). Mhd. einvalt,
frühnhd. einfalt. Das Wort erscheint im Nhd.
mit dem Suffix -ig ( einfaltîg). Zur späteren
Bedeutungsverschlechterung vgl. albern (
alawâri).

Ahd. Wb. III, 184; Splett, Ahd. Wb. I, 175; Schütz-
eichel⁴ 99; Starck-Wells 120. 803; Graff I, 319; Scha-
de 128; Lexer I, 530; Benecke III, 231; Diefenbach,
Gl. lat.-germ. 535 (simplex); Dt. Wb. III, 172; Klu-
ge²¹ 158 (s. v. Einfalt); Kluge²² 170 (s. v. einfältig);
Pfeifer, Et. Wb. 407.

Ahd. einfalt entsprechen: as. ēnfald einfach,
wahrhaft
, mndd. ēinvōlt; mndl. eenvout ein-
fach, einfältig
(nndl. eenvoudig); afries. enfald
dss. (nostfries. ēnfoldig); ae. ānfeald einfach,
allein, besonders, simplex
, me. ōnfold einfach,
bescheiden
(ne. erhalten in twofold zweifach;
ne. onefold gilt als Neubildung); anord. einfaldr
einfach, ält. ndän. enfold, nnorw. dial. einfald
(ält. ndän. enfoldug, ndän. enfoldig, nschwed.
enfaldig): < *aina-falđa-; got. ainfalþs einfach,
einfältig
: < *-falþa-. Im Germ. ist das Wort in-
folge der Christianisierung im Sinne von ein-
fach, einfältig
in Anlehnung an lat. simplicitas
Einfachheit gebraucht worden (W. Stammler,
Wort und Bild. Stud. zu den Wechselbeziehungen
zw. Schrifttum und Bildkunst im Mittelalter [Ber-
lin, 1962], 164 ff.).

Fick III (Germ.)⁴ 238; Holthausen, As. Wb. 15; Sehrt,
Wb. z. Hel.² 100 f.; Lasch-Borchling, Mndd. Handwb.
I, 1, 542; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. I, 646; Ver-
dam, Mndl. handwb. 159; Verwijs-Verdam, Mndl.
wb. II, 551; Franck, Et. wb. d. ndl. taal² 148; Vries,
Ndls. et. wb. 150; Holthausen, Afries. Wb.² 20; Richt-
hofen, Afries. Wb. 707; Doornkaat Koolman, Wb. d.
ostfries. Spr. I, 397; Bosworth-Toller, AS Dict. 42;
Suppl. 41; Suppl. II, 5; Stratmann-Bradley, ME Dict.³
25; ME Dict. O-P, 199 f.; OED² VIII, 776; X, 811;
Oxf. Dict. of Engl. Et. 952; Fritzner, Ordb. o. d. g.
norske sprog I, 304; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 42. 557;
Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 191; Torp, Nynorsk
et. ordb. I, 86; Hellquist, Svensk et. ordb.³ 184; Feist,
Vgl. Wb. d. got. Spr. 505 f.; Lehmann, Gothic Et. Dict.
A-74; Carr, Nominal Compounds 64 f.

Das Wort gilt als Lehnübersetzung aus lat. sim-
plex einfach (z. B. Kluge²², a. a. O.). In Anbe-
tracht von gr. *δίπλατος < *pto-, das die Basis
von ιο-Adjektiven wie διπλάσιος zwiefältig,
doppelt
, τριπλάσιος dreifach, dreimal so groß
bildet (vgl. gr. δίφατος neben διφάσιος doppelt,
zweifach, zwei
) und dessen zweiter Bestandteil
wie der von ahd. einfalt von der Wz. *pel- abge-
leitet ist ( faldan), dürfte bei *aina-falđa-/ fal-
þa- aber eine ererbte Bildung vorliegen, und
zwar ein Possessivkompositum eine Falte ha-
bend
( ein) mit dem Wort für Falte ( fald)
im Hinterglied; vgl. die ohne t-Suffix gebildeten
Wörter gr. ἁπλός einfach, simplex, lat. simplus
einfach < *s-pl-o-s, gr. διπλός zweifach,
lat. duplus doppelt, zweifach, umbr. akk. pl. f.
dupla, abl. pl. m. tupler ( zwîfal) neben
ἁπλόος, -πλοῦς einfach, simplex, διπλόος,
-πλοῦς zweifach, doppelt, duplus mit -πλόος.

Boisacq, Dict. ét. gr.⁴ 69. 190; Frisk, Gr. et. Wb. I,
121 f. 397 ff.; Chantraine, Dict. ét. gr. 97; Walde-Hof-
mann, Lat. et. Wb. I, 383 f.; II, 540; Ernout-Meillet,
Dict. ét. lat.⁴ 627; K. Brugmann, IF 38 (191720),
128 ff.; Persson, Stud. z. Wurzelerw. 35; ders., Beitr. z.
idg. Wortf. 564. 750. Für -πλόος erwägt P. Kretsch-
mer, Glotta 12 (1923), 218 volksetymologischen An-
schluß an -πλόϝος fahrend (dagegen jedoch Brug-
mann, a. a. O. 134: -πλοος < *πλοος mit Anschluß an
δοιοί zwei, beide); dazu vgl. auch F. M. J. Waanders,
in Indo-European Numerals 383 f.; und zum Ital.
R. Coleman, ebd. 422 f.

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