elten
Band II, Spalte 1064
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elten sw. v. I, nur Otfrid (3. pl. ind. präs. el-
tent, 3. sg. konj. präs. elte, ind.prät. alta usw.)
und in einer südrheinfrk. Gl.-Hs. aus dem
10. Jh. (Wolfenbüttel Cod. Guelf. 3 Weissen-
burg 4, 324, 40 3. pl. altent): (ver)zögern, ver-
längern; versäumen, unterlassen; vorenthalten,
dissimulare
Var.: h-.

Wegen des Gl.-Belegs wird neben elten ein nach der
II. sw. Klasse flektierendes Verb altôn (Starck-Wells
22; Ahd. Wb. I, 306 mit Fragezeichen) mit frk. -e- an-
stelle von -o- (J. Schatz, in Sievers-Festschrift [1925],
355 f.) angesetzt. Doch erübrigt sich ein solcher An-
satz, da im Südrheinfrk. des 10. Jh.s vor l + Kons. der
i-Umlaut noch unbezeichnet sein kann, vgl. Otfrid
baldî und beldî (Franck, Afrk. Gr.2 § 11 Anm. 3). Auch
das Kompositum dingaltôn zögern, Zeit gewinnen
gibt keinen Anlaß für den Ansatz eines Simplex altôn;
denn in Präfixbildungen erfolgt oftmals ein Klassen-
wechsel zur II. sw. Klasse (s. dingaltôn).

Im Mhd. hat das formal entsprechende sw. Verb
elten andere Bedeutungen, nämlich alt machen,
ins Alter bringen
, was auf einen lautlichen Zu-
sammenfall zweier unterschiedlicher verbaler
Ableitungen deutet (s. u.).

Ahd. Wb. III, 272; Splett, Ahd. Wb. I, 16; Schütz-
eichel4 101; Graff I, 201; Schade 13; Otfrid (Kelle)
III, 97 f.; Raven, Schw. Verben d. Ahd. I, 35; Lexer I,
542; Benecke I, 26.

Zu den Bedeutungen von ahd. elten in den germ.
Sprachen stimmen die Verben mndd. elden
sw. v. säumen, verweilen, warten (neben alt
werden
); ae. ieldan sw. v. I verzögern, auf-
schieben; verlängern, zögern; begünstigen; sich
verstellen
, me. ēlden aufschieben (neben alt
werden
), ne. (veraltet) eld dss.. Dagegen stel-
len sich zu den im Mhd. belegten Bedeutungen
me. ēlden alt machen (neben alt werden); aisl.
elda sw. v. I alt machen (part. eldr gealtert),
eldask alt werden, nisl. elda, nnorw. elda(st),
ndän. ældes altern, alt werden. Sowohl für die
Bedeutung verzögern (ahd., mndd., ae.) als
auch für die Bedeutung alt machen (mhd., me.,
anord.) gilt als Vorform urgerm. *alđijan-.

Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 525; Schiller-
Lübben, Mndd. Wb. I, 650; VI, 119; Holthausen, Ae.
et. Wb. 186; Bosworth-Toller, AS Dict. 245. 588;
Stratmann-Bradley, ME Dict.3 54; ME Dict. III, 54;
OED2 V, 112; Vries, Anord. et. Wb.2 99; Jóhannes-
son, Isl. et. Wb. 37 f.; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awest-
nord. 49; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 1412; Torp,
Nynorsk et. ordb. 87; Fritzner, Ordb. o. d. g. norske
sprog I, 317.

In der Bedeutung alt machen ist urgerm. *alđi-
jan- eine denominale Ableitung von urgerm.
*alđa- alt ( alt) und hat wie andere deadjek-
tivische Ableitungen die Funktion eines Fakti-
tivs, das bedeutungsmäßig den Kausativen na-
hesteht (s. Krahe-Meid, Germ. Sprachwiss. III
§ 185bα). Dagegen dürfte *alđijan- in der Be-
deutung verzögern im Sinne von Dauer ma-
chen
auf den f. īn-Stamm *alđīn- bezogen wor-
den sein, da diese deadjektivische Substantivbil-
dung im Westgerm. u. a. die aus der Bedeutung
Alter hervorgegangene Bedeutung Dauer hat
( eltî).

Die Bedeutung alt werden von mndd. elden, me. ēl-
den weist darauf hin, daß das ē-Verb urgerm. *alđē-
jan- ( altên) nicht nur in mndd. ōlden, ae. ealdian
alt werden fortlebt, sondern wie andere alte ē-Ver-
ben daneben in die I. sw. Klasse übergegangen ist.

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