ezzh
Band II, Spalte 1190
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ezzh [-ss-] m. a-St., Gl., Tatian, Otfrid,
Notker: Essig, acetum Var.: ez-; -ich, bei
Notker zweimal -îch. Mhd. ezzich,
spätmhd. auch ezzeich; nhd. Essig.

Ahd. Wb. III, 477 f.; Splett, Ahd. Wb. I, 195; Schütz-
eichel4 105; Starck-Wells 135. 806; Graff I, 541; Scha-
de 156; Lexer I, 719; Benecke I, 452; Diefenbach, Gl.
lat.-germ. 9 (acetum); Dt. Wb. III, 1169 f.; Kluge21
176; Kluge22 190; Pfeifer, Et. Wb. 380; Alanne, Dt.
Weinbauterminologie 75. 136.

Ahd. ezzh, wie auch mndd. et(t)ik, etek, atik;
andfrk. *etig (nur etige dat. sg., vgl. Helten,
Aostndfrk. Psalmenfrg. 68, 22), mndl. edic, edec,
eec, nndl. dial. edik, eek (das gewöhnliche nndl.
Wort für Essig, azijn < mndl. aizijn, aizil ist
aus afrz. aisil, [seltener] aisin entlehnt, s. u.)
sind wohl aus einer nicht belegten metathesier-
ten vulg.lat. Form *atēcum < lat. acētum Wein-
essig
entlehnt (aisl. edik, ndän. eddike, edik,
nschwed. ättika sind Lehnwörter aus dem Mndl.
oder Mndd.). Aus der nicht metathesierten
Form acētum (s. u.) stammen as. ekid, ae., me.
eced, got. aket, akeit, wie auch schweiz. achis,
echis.

Bei der ersten Gruppe, also bei dem Typ ahd.
ezzh, ist jedoch die Möglichkeit einer erst in
den westgerm. Sprachen eingetretenen Umfor-
mung von lat. acētum unter dem Einfluß der
zahlreichen Wörter (darunter mehrere Lehn-
wörter) mit dem Suffix -ik, hd. -ih nicht auszu-
schließen; vgl. F. Burckhardt, Archiv der Kultur-
geschichte 3 (1905), 277 f.

Zu germ. -- aus lat. -ē- vgl. ahd. buliz Pilz <
lat. bolētus, ahd. muniza Münze < lat. monēta.
d statt t in ae. eced, mndl. edic wird unter-
schiedlich erklärt (das auslautende -d in as. ekid
kann eine Schreibvariante von -t sein, vgl. Holt-
hausen, As. El.buch § 238 Anm. 1). Nach
F. Burckhardt, a. a. O. wurde das Wort zweimal
entlehnt, zuerst sehr früh, als lat. t noch unge-
schwächt war, dann ca. 400 aus einer Form mit
mittellat. d < t. Andere, darunter Stender-Pe-
tersen, Slav.-germ. Lehnw. 369 f., sehen darin
eine Kreuzung von lat. acētum und acidum.

Holthausen, As. Wb. 15; Sehrt, Wb. z. Hel.2 94; Berr,
Et. Gl. to Hel. 91; Lasch-Borchling, Mndd. Handwb.
I, 1, 128. 621; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. I, 749;
Verdam, Mndl. handwb. 158; Holthausen, Ae. et. Wb.
87; Bosworth-Toller, AS Dict. 238; Suppl. 177; ME
Dict. E-F, 5; Vries, Anord. et. Wb.2 93; Jóhannesson,
Isl. et. Wb. 978; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord.
45; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 180; Hellquist,
Svensk et. ordb.3 1450; Feist, Vgl. Wb. d. got. Spr. 32;
Lehmann, Gothic Et. Dict. A-105. Schweiz. Id. I, 71.
Frings, Germania Romana I2, 176 Anm. 2; II, 83 ff.;
L. Guinet, t. germ. 31 (1976), 249.

Ebenfalls aus lat. acētum entlehnt ist air. acat Essig
(Vendryes, Lex. ét. de l’irl. anc. A-9). Ob aksl. ocьtъ
Essig (russ. ocet, poln. ocet usw.) unmittelbar aus lat.
acētum oder über das Germ. (Got.) entlehnt wurde, ist
umstritten; vgl. Stender-Petersen, a. a. O.; Sadnik-Ait-
zetmüller, Handwb. z. d. aksl. Texten 277 (Nr. 597);
Vasmer, Russ. et. Wb. II, 294 f.; Kiparsky, Gemein-
slav. Lehnw. aus d. Germ. 117 ff.

Lat. acētum (> italien. aceto, aprov. azet, afrz.
aisil [mit unerklärtem Ausgang; viell. aus einer
Ableitung *-ētulum? vgl. Wartburg, Frz. et. Wb.
I, 20]) gehört mit lat. ācer scharf, acidus sauer
zur idg. Wz. *a- [**H2e-] scharf (s. Walde-
Hofmann, Lat. et. Wb. I, 6; Ernout-Meillet,
Dict. ét. lat.4 5; Pokorny 18 ff. und ag, aga,
agana, ah1, ahil).

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