frâgên
Band III, Spalte 511
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frâgên sw. v. III, seit dem 8. Jh.: fragen,
eine Frage stellen, befragen, forschen, untersu-
chen, consulere, consultare, cunctari, disquire-
re, flagitare, inquirere, interrogare, percontari,
quaerere, quaestiones habere, quaestionem pro-
ponere, requirere, rogare, rogitare, scrutari

Var.: frak-, frag-, fragh-. -frâgôn sw. v. II,
nur als präfigiertes Verb ( ant-frâgôn und
rât-frâgôn). Gegenüber dem ōn-Verb ist das
ēn-Verb weit verbreitet und so gemeinahd. In
der Bened.regel ist auch eine Lautform -frâhên
bezeugt. Mhd. vrâgen fragen, forschen, sich
erkundigen
, nhd. fragen. Im Mhd. gibt es auch
Flexionsformen nach der I. sw. Klasse: freget,
gefreget, freit (diese sind wohl nach dem Anto-
nym segen sagen gebildet); und im Nhd. fin-
det sich die st. Flexion: fragen, frug. Das Verb
erscheint im Ahd. und Mhd. mit Gen. rei, aber
auch schon mit präpositionalen Fügungen (frâ-
gên fon, bî, mhd. vrâgen von, umbe), während
im Nhd., pronominale Akkusative ausgenom-
men, die Verbindung fragen nach gilt.

Ahd. Wb. III, 1206 ff.; Splett, Ahd. Wb. I, 259; Köb-
ler, Wb. d. ahd. Spr. 322; Schützeichel5 139; Starck-
Wells 175; Schützeichel, Glossenwortschatz III, 281;
Seebold, ChWdW8 134; Graff III, 811 ff.; Schade
218; Raven, Schw. Verben d. Ahd. II, 215 f.; Lexer III,
487 f.; Benecke III, 391 f.; Diefenbach, Gl. lat.-germ.
305 (interrogare); Götz, Lat.-ahd.-nhd. Wb. 143 (con-
sulere, consultare). 163 (cunctari). 205 (disquirere). 267
(flagitare). 341 (inquirere). 349 (interrogare). 476 (per-
contare/-i). 531 (quaestionem proponere). 544 (quae-
rere, quaestiones habere). 570 (requirere). 578 (rogare).
579 (rogitare). 595 (scrutari); Dt. Wb. IV, 1, 1, 49 ff.;
Kluge21 214; Kluge24 311 f.; Pfeifer, Et. Wb.2 369.
Grimm, Dt. Gr.c I, 889; ders., Dt. Gr.c II, 26; ders.,
Dt. Gr.d IV, 777. 1007 f.

Nur das ōn-Verb hat im Germ. Entsprechun-
gen, und zwar allein in den westgerm. Sprachen:
as. frāgon, frāgoian, mndd. vrāgen, vrēgen (teils
mit Formen nach der 1. sw. Kl.; vgl. das Part.
Prät. [ge-]vrēget neben [ge-]vrāget; s. Lasch,
Mndd. Gr. § 438; aus dem Mndd. übernommen
sind aschwed. frāghe, nschwed. fråga, ndän. fra-
ge); mndl. vragen, vregen, nndl. vragen; afries.
frēgia, nostfries. fragen, nwestfries. fregje; ae.
nur Mt. 2, 16 nordhumbr. prät. gefragade, das
ebenfalls auf ein Verb der 2. sw. Kl., *ge-frāgian
erfahren, schließen läßt: < westgerm. *frǣō-
jan-, eine Ableitung von westgerm. *frǣō(n-)
Frage. Die einmal im Got. belegte 2.Pl.Imp.
fragiþ prüft kann einem Inf. *fragan (sw. v. III;
so Seebold, Germ. st. Verben 209) oder einem
Inf. *fragjan (sw. v. I) zugeordnet werden (vor-
urgerm. *proēe/o- bzw. *proe/o-).

Trotz der weiteren Verbreitung des Verbs *frǣ-
ōjan- ist wohl das Subst. *frǣō(n-) Frage die
Basis. Als Vorform kommt ein vorurgerm. *prē-
āé/ó- mit regelrechter Akzentuierung des De-
nominativs auf dem Themavokal (zu solchen
āyá-Präsentien im Aind. vgl. Hoffmann, Auf-
sätze zur Indoiranistik I, 462 f.) in Betracht. Zur
weiteren Etymologie s. frâga.

Die nur hd. Flexion nach der III. sw. Klasse ist
wohl auf den Einfluß des semantischen Opposi-
tums *sa-ējan- sagen ( sagên) zurückzufüh-
ren. Im Westgerm. ist dabei das denominale
Verb an die Stelle der Fortsetzung von urgerm.
*frenan- fragen getreten ( gifregnan).

Wegen der im Ae. neben Mt. 2, 16 nordhumbr. gefraga-
de stehenden Lautform gefraignade (Lindisfarne)
nimmt Jordan (Eigent. d. angl. Wortschatzes 77) Fehl-
schreibung für fra(i)g(n)ade an, wobei die sw. Flexion
unter nordischem Einfluß entstanden sei. Doch steht
der Auffassung von gefragade als sprachwirkliche
Form wohl nichts im Wege (Bosworth-Toller, AS
Dict. 393).

Fick III (Germ.)4 246; Holthausen, As. Wb. 22; Sehrt,
Wb. z. Hel.2 148 f.; Berr, Et. Gl. to Hel. 134; Wad-
stein, Kl. as. Spr.denkm. 214; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. I, 1, 984; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. V,
517 f.; Verdam, Mndl. handwb. 748; Franck, Et. wb.
d. ndl. taal2 760; Vries, Ndls. et. wb. 803; Holthausen,
Afries. Wb.2 31; Richthofen, Afries. Wb. 759; Doorn-
kaat Koolman, Wb. d. ostfries. Spr. I, 551; Dijkstra,
Friesch Wb. I, 429; Holthausen, Ae. et. Wb. 114; Bos-
worth-Toller, AS Dict. 337 f.; ME Dict. E-F, 856 f.;
OED2 IV, 155; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 276;
Ordb. o. d. danske sprog V, 1158 f.; Hellquist, Svensk
et. ordb.3 242; Svenska akad. ordb. F-1638 ff.; Feist,
Vgl. Wb. d. got. Spr. 160. 161 f.; Lehmann, Gothic Et.
Dict. F-70. F-74.

S. auch frâga, frâha, gifregnan.

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