harên
Band IV, Spalte 829
Symbol XML-Datei TEI Symbol PDF-Datei PDF Zitat-Symbol Zitieren

harên sw. v. III, seit dem 8. Jh. in Gl.,
B, GB, M, MF, MH, bei N, Npg, O: laut ru-
fen, schreien, flehen, zurufen, anrufen, rufen,
sagen; clamare, clamitare, exclamare, invo-
care, iubilare, vocare
. Mhd. har(e)n sw. v.
rufen, schreien.

Ahd. Wb. 4, 711 ff.; Splett, Ahd. Wb. 1, 355; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 517; Schützeichel6 149; Starck-Wells
255; Schützeichel, Glossenwortschatz 4, 170; See-
bold, ChWdW8 154; Graff 4, 978 ff.; Lexer 1, 1185;
Götz, Lat.-ahd.-nhd. Wb. 107 (clamare, clamitare).
236 (exclamare). 354 (invocare). 358 (iubilare). 717
(vocare). Raven 196367: 2, 226; Braune-
Reiffenstein 2004: § 369. E. Ochs, PBB 40 (1915),
467 ff.

Das sw. Verb III ahd. harên (< *χaza-/
-e/a-) steht im Germ. allein. In den anderen
germ. Sprachen finden sich nur sw. Verben
I: ae. herian, me. herien loben, preisen;
got. hazjan loben, preisen (davon abgeleitet
hazeins Lob[lied] [< *χaz-īni-]; vgl. Casa-
retto 2004: 355): < urgerm. *χazie/a-.

Fick 3 (Germ.)4 86; Holthausen, Ae. et. Wb. 157;
Bosworth-Toller, AS Dict. 534; Suppl. 539; ME Dict.
s. v.; OED2 s. v. hery, v.; Feist, Vgl. Wb. d. got. Spr.
252 f.; Lehmann, Gothic Et. Dict. H-55. Bammes-
berger 1965: 92.

Urgerm. *χazie/a- < vorurgerm. *kos-ée/o-
hat keine gesicherte Etymologie. Nach G.
Dunkel (FS Strunk 1995: 17) wäre vorur-
germ. *kos-ée/o- eine Intensiv/Iterativ-
Bildung (zum Suffix vgl. Krahe-Meid 1969:
3, § 185, 2aα) zur Verbalwurzel uridg. *kes-
ordnen ( haro) und hätte eine unmittel-
bare Parallele in lit. kasti kratzen. Die für
das Germ. anzunehmende Grundbedeutung
preisen soll sich dabei aus (Worte) ordnen,
(einen Hymnus) verfassen
entwickelt haben.
Die Einordnung als Intensiv/Iterativ-Bildung
liefert jedoch keine Erklärung für das
Schwanken zwischen der I. und III. sw.
Klasse im Germ. Wie jedoch aus dem wohl
zugehörigen gr. κόσμος Ordnung mit der
Ableitung gr. κοσμεῖν anordnen, befehlen,
das auch die Bedeutung ehren annehmen
kann, hervorgeht, liegt auch für das Germ.
die Annahme eines abgeleiteten Verbs näher.
Zu postulieren wäre für das Germ. daher ein
verlorengegangenes Adj. oder Subst. *χaza-/
ō- gepriesen bzw. Preis(lied), von dem
beide Ableitungen stammen (zum Ablei-
tungstyp vgl. Krahe-Meid 1969: 3, § 185, 2b.
3b).

Die von J. L. García Ramón (FS Rix 1993: 127 ff.)
vorgeschlagene Verbindung mit der Verbalwz. uridg.
*eNs- (öffentlich) schätzen, verkünden (wohl
*ens-; hansa) ist wegen des lautlich nicht erklär-
baren und analogisch kaum wahrscheinlichen Nasal-
verlusts nicht überzeugend.

Auch die Zusammenstellung mit der Verbalwz. uridg.
*eHs- anweisen ist aus semantischen Gründen
nicht plausibel (vgl. J. L. García Ramón, FS Rix 1993:
127; LIV2 318 Anm. 1).

Walde-Pokorny 1, 353. 358; Pokorny 585; LIV2 357;
Fraenkel, Lit. et. Wb. 226 f.

S. haro.

Information

Band IV, Spalte 829

Zur Druckfassung
Zitat-Symbol Zitieren
Symbol XML-Datei Download (TEI)
Symbol PDF-Datei Download (PDF)

Lemma:
Referenziert in: