lit
Band V, Spalte 1382
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lit n. a-St., seit der 2. Hälfte des 9. Jh.s
in Gl.: Deckel, Abdeckung; cooperculum,
coopertorium (vasis), operculum, propitia-
torium
Var.: -d. In Gl. 2,764,51 (Hs.
11. Jh., Zeit des Gl.eintrags unbekannt)
und 4,200,3 (1. Drittel des 11. Jh.s, mfrk.)
stammt anl. hl- wohl aus älteren Vorlagen
(vgl. Braune-Reiffenstein 2004: § 153 Anm.
1). Mhd. lit st.n. Deckel, frühnhd. lied n.
Deckel auf Hohlkörpern, nhd. Lid n. Haut-
falte, die beim Schließen des Auges nach
unten bewegt wird
, verkürzt aus Augenlid.
Mdartl. ist die allgemeinere Bed. Deckel,
Klappe
noch fortgesetzt in: schweiz., els.,
bad., schwäb., vorarlb., bair., tirol., hess.-
nassau., hess., thür., osächs., märk., schles.
lid n., mittelelb., schlesw.-holst. lidd n.

Ahd. Wb. 5, 1182; Splett, Ahd. Wb. 1, 557; Köb-
ler, Wb. d. ahd. Spr. 720; Schützeichel7 204; Starck-
Wells 372; Schützeichel, Glossenwortschatz 6, 123;
Bergmann-Stricker, Katalog Nr. 46. 877; Seebold,
ChWdW9 532; Graff 4, 1115; Lexer 1, 1939; Früh-
nhd. Wb. 9, 1198 f.; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 397
(operculum); Dt. Wb. 12, 982; Kluge21 439 f.; Kluge25
s. v. Lid; Pfeifer, Et. Wb.2 798. Schweiz. Id. 3, 1088;
Martin-Lienhart, Wb. d. els. Mdaa. 1, 561; Ochs, Bad.
Wb. 3, 457 (Lid2); Fischer, Schwäb. Wb. 4, 1228 f.
(Lid2); Jutz, Vorarlberg. Wb. 2, 280 (Lid2); Schmeller,
Bayer. Wb.2 1, 1442; Schöpf, Tirol. Id. 389; Schatz,
Wb. d. tirol. Mdaa. 1, 389; Müller, Rhein. Wb. 5,
443 f.; Kehrein, Volksspr. u. Wb. von Nassau 264;
Maurer-Mulch, Südhess. Wb. 4, 330; Crecelius, Ober-
hess. Wb. 559; Berthold, Hessen-nassau. Volkswb. 2,
144 ff.; Spangenberg, Thür. Wb. 4, 265 f.; Frings-
Große, Wb. d. obersächs. Mdaa. 3, 87; Bretschneider,
Brandenb.-berlin. Wb. 3, 109 f.; Kettmann, Mittelelb.
Wb. 2, 857 (Lidd2); Mitzka, Schles. Wb. 2, 811; Men-
sing, Schleswig-holst. Wb. 3, 472 (Lidd2); Wossidlo-
Teuchert, Meckl. Wb. 4, 914 f. (Lidd2).

In den anderen germ. Sprachen entsprechen:
as. hlid n. Deckel, mndd. lit, let n. Deckel,
Fensterladen
; mndl. lit Deckel, Tür, nndl.
lid Deckel, Augenlid; afries. hlid, nwest-
fries. lid Deckel, Augenlid, saterfries. lid
Augenlid; ae. hlid Deckel, Decke, Dach,
Tür, Tor, Öffnung
, me., ne. lid Deckel,
Klappe, Augenlid
; aisl., nisl. hlið Öffnung,
Zwischenraum, Tür, Tor
, fär. lið, ndän. led
Hecke, nnorw. led, li, aschwed. liþ n.,
nschwed. led, dial. lid, le Öffnung im
Zaun
: < urgerm. *χliđa- n. Demgegenüber
geht die Form ahd. lid auf urgerm. *χliþa- n.
zurück.

Das Subst. ist eine Ableitung von dem st.V.
urgerm. *χlīđe/a- schließen, das fortgesetzt
ist in: as. -hlīdan (-hlēd, -hlidun, -hlidan)
und ae. -hlīdan (-hlād, -hlidon, -hliden) (die
teilweise aufgeführte afries. Entsprechung
hlida ist nicht belegt); vgl. auch die Ab-
leitung afries. hlidia bedecken.

Fick 3 (Germ.)4 111; Seebold, Germ. st. Verben
262 f.; Tiefenbach, As. Handwb. 170; Sehrt, Wb. z.
Hel.2 262; Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. 2, 1,
832 f.; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 2, 703 f.; Verwijs-
Verdam, Mndl. wb. 4, 688; Franck, Et. wb. d. ndl.
taal2 384; Vries, Ndls. et. wb. 398; Et. wb. Ndl. Ke-R
222; Boutkan, OFris. et. dict. 177; Hofmann-Pop-
kema, Afries. Wb. 224; Richthofen, Afries. Wb. 819;
Fryske wb. 12, 260 f.; Dijkstra, Friesch Wb. 2, 118;
Fort, Saterfries. Wb. 129; Holthausen, Ae. et. Wb.
163; Bosworth-Toller, AS Dict. 80. 543; Suppl. 551;
ME Dict. s. v. lid n.; OED2 s. v. lid n.; Vries, Anord.
et. Wb.2 237f.; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 274 f.; Fritz-
ner, Ordb. o. d. g. norske sprog 2, 9 f.; Holthausen,
Vgl. Wb. d. Awestnord. 118; Falk-Torp, Norw.-dän.
et. Wb. 629; Magnússon, sl. Orðsb. 340; Nielsen,
Dansk et. ordb. 257; Ordb. o. d. danske sprog 12,
500; Bjorvand, Våre arveord2 636; Torp, Nynorsk et.
ordb. 377; NOB s. vv. led, li; Hellquist, Svensk et.
ordb.3 564; Svenska akad. ordb. s. v. led subst.3.
Bammesberger 1990: 56; Schaffner 2001: 203.

Urgerm. *χlīđe/a- schließen hat keine un-
mittelbare Etymologie. Für die weitere An-
bindung gibt es zwei Vorschläge, zwischen
denen eine Entscheidung weder aus lautli-
chen noch aus semantischen Gründen mög-
lich ist:

1. Wenn die Grundbed. Verschließbares ist,
kann von einer Wurzel vorurgerm. *let-
bedecken ausgegangen werden. Problema-
tisch dabei ist, dass eine Verallgemeinerung
von urgerm. *-đ- (statt urgerm. *-þ- < vor-
urgerm. *t-e/o-) der Vernerschen Varian-
te vorurgerm. *lit-´ im gesamten Paradigma
angenommen werden müsste. Die Wz. *let-
wäre dabei als doppelte Erweiterung der
Verbalwz. uridg. *el- verbergen (*el-
*le- *let-) anzusehen, die in ahd.
helan verbergen (s. d.) vorliegt. Als Alterna-
tive wäre der Ansatz eines vorurgerm. *-dhe/o-
Präs. denkbar: vorurgerm. *-dhe/o-.

2. Wenn als Grundbed. Halterung anzuset-
zen ist, die aus einer vorausgehenden Bed.
Stütze, Neigung entstanden ist, wäre auch
eine Anbindung an die Verbalwurzel uridg.
*le- sich anlehnen möglich, die als Nasal-
Infix-Präs. in ahd. linên lehnen (s. d.) be-
zeugt ist. Auch hier wäre entweder von einer
Erweiterung *let- (mit derselben Verallge-
meinerung der Vernerschen Variante) oder
von einem Präs. *-dhe/o- auszugehen.

Problematisch in beiden Fällen ist die in
anderen idg. Sprachen fehlende Dentaler-
weiterung bzw. das Fehlen eines sonstigen
Hinweises auf ein dhe/o-Präs.

Die erste Alternative ist vielleicht vorzuzie-
hen, da die Wz. uridg. *el- auch die Grund-
lage für lat. cilium Augenlid, besonders das
untere
ist.

Das Nebeneinander der Varianten urgerm.
*χliþa- und *χliđa ist am einfachsten aus ei-
nem vorurgerm. Paradigma Sg. Nom./Akk.
*tom : Pl. Koll. *litéh2 mit Ausgleich
des Wurzelvokalismus zu erklären.

Walde-Pokorny 1, 490 ff.; Pokorny 601 f.; LIV2 322 f.
332 f.; Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. 1, 214 f.; Ernout-
Meillet, Dict. ét. lat.4 120; de Vaan, Et. dict. of Lat.
114; Thes. ling. lat. 2, 575. Lühr 2000: 161; Olander
2009: 81.

S. helan, linên.

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