billi
Band II, Spalte 61
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billi n. ja-St. Schwert, Streitaxt, nur ein-
mal belegt, billiu instr.sg., Hildebrandslied 54:
... suertu hauwan, breton mit sinu billiu
(Braune, Ahd. Lesebuch16 XXVIII. Z. 54); zu
dem hier erhaltenen zweiten i (= j) s. Braune,
Ahd. Gr.14 § 198 Anm. 1. Daneben kommt ein
n. a-St. bil vor in den Zss. ahd. witubil Axt,
mhd. bilhouwe Schärfhaue (s. d. d.). Das
Wort begegnet mhd. als bil, billes st. n. Stein-
haue, Spitzhacke
, daneben in der Form bille
st.sw.f. (Wilmanns, Dt. Gr. III § 186, 1).
Nhd. nur noch Bille f. (Wilmanns ebd. § 186,
2).

Ahd. Wb. I, 1054; Splett, Ahd. Wb. I, 62; Schütz-
eichel4 76; Starck-Wells 54; Graff III, 95; Schade 63;
Lexer I, 272; Nachtr. 85; Benecke I, 126; Diefenbach,
Gl. lat.-germ. 53 (ascia); Dt. Wb. II, 26; Kluge21 77
(Bille). 62 (Beil).; Pfeifer, Et. Wb. 145. S. auch
Lühr, Stud. z. Hildebrandlied 660 ff.; H. Götz, PBB 81
(1959), 188 ff.

Das ahd. Wort hat Entsprechungen auch in an-
deren altgerm. Dialekten, so as. bill (Cott. bil)
akk.sg., billes; ae. bill n. Schwert; Hackmesser;
sichelförmiges Messer
, me. bil(l) falchion;
pruning hook; mattock
, ne. bill gekrümmtes
Gartenmesser, Hippe
. Zu ne. bill Schnabel
s. u. Zu den davon abweichenden Formen mit
einfachem -l- und langem Stammvokal im Mit-
tel- und Neundd., Mittel- und Neundl., Fries.,
Altnord. und (teilweise ungeklärt) Neuskand.,
bîhal; dort auch die bibliographischen Nach-
weise für die germ. Entsprechungen von ahd.
billi und bîhal.

Die germ. Formen mit ihrem im Westgerm.
durchgehenden Doppel-l und kurzen Stammvo-
kal führen auf eine Grundform *bill(j)a-, älter
*biđl(j)a- aus idg. *bi-tl()ó- zurück: ihr Dop-
pel-l erklärt sich gemäß E. Sievers’ Regel (IF 4
[1894], 335 ff.) aus der für das Westgerm. anzu-
setzenden Assimilation von germ. -đl- > -ll-.
Die zugrundeliegende Wz. *bhe(ǝ)-: *bh-
[**bhe(H)-] schlagen, hauen hätte sowohl in
der vollstufigen als auch in der schwundstufigen
Form im Germ. *ī- ergeben. Daher ist anzu-
nehmen, daß *ī- als Vollstufe interpretiert und
dazu eine schwundstufige Wurzelform *- neu
gebildet wurde, an die im Germ. verschiedene
Suffixe angefügt wurden (Lühr, a. a. O. 665).
Zur Schwundstufe *bh- s. auch bilidi; für Bei-
spiele aus anderen idg. Einzelsprachen sowie bi-
bliogr. Nachweise bîhal.

Das nur im Engl. vertretene bill Schnabel geht auf
ae. bile, me. bile, bēle, später bill(e) zurück und ent-
spricht wohl germ. *i-li-. Auch ahd. billi wollen Po-
korny 118 und L. Connolly, PBB 99 (Tübingen,
1977), 337, auf *il-lja, idg. *bhi-l-o- zurückführen.
Dagegen Lühr, a. a. O. 667.

In den Mdaa., besonders von Ober- und Mittel-
deutschland und auch dort oft nur noch bei der
älteren Generation, hat sich das Wort in der
Form bille f., daneben bill m. oder n. als Son-
derbezeichnung erhalten für die doppelschnei-
dige kurze Flach- oder Schärfhaue des Müllers

(zum Schärfen der Mahlsteine, vgl. die detail-
lierte Beschreibung Anz. f. Kunde d. dt. Vorzeit
6 [1837], 96 f.); dazu das sw. v. billen.

Schweiz. Id. IV, 1168; Fischer, Schwäb. Wb. I, 1115;
Ochs, Bad. Wb. I, 229; Schmeller, Bayer. Wb.2 I,
231; Kranzmayer, Wb. d. bair. Mdaa. in Österr. III,
172 f.; Lexer, Kärnt. Wb. 26; Schatz, Wb. d. tirol.
Mdaa. 79; Unger-Khull, Steir. Wortschatz 83; Müller,
Rhein. Wb. I, 691; Christmann, Pfälz. Wb. I, 906;
Maurer-Mulch, Südhess. Wb. I, 843; Müller-Frau-
reuth, Wb. d. obersächs. Mdaa. I, 108; Ziesemer,
Preuß. Wb. I, 611.

S. auch bîhal, bilhouwe, billa, witubil.

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