darot
Band II, Spalte 543
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darotAWB adv., Ludw., Otfrid: dort(hin) Var.:
tharot, dor-ot, -et, -t, thorot; deret adv., Not-
ker: dss. Var.: teret, derit. Mhd. dort, dart,
dert, seit 1500 dorten; nhd. dort.

Ahd. Wb. II, 311 f.; Splett, Ahd. Wb. I, 126; Schütz-
eichel⁴ 86; Graff V, 65; Schade 108; Lexer I, 451; Be-
necke I, 385; Dt. Wb. II, 1304 ff.; Dt. Wb.² VI,
1286 ff.; Kluge²¹ 139; Kluge²² 152; Pfeifer, Et. Wb.
301; Wilmanns, Dt. Gr. § 463, 2 u. Anm. 3; Grimm,
Dt. Gr.a III (1890) § 172 f. 176. 197; Franck, Afrk. Gr.
§ 129; E. A. Kock, Kluge-Festschrift 75 ff.

In den dt. Dialekten erscheinen e-Formen neben o-
Formen im Falle von: schweiz. dert, els. dört, bad.
dört, dert, schwäb. dert, tirol. dert, vorarlberg. dört,
kärnt. duert, schles. dert (auch damals), siebenbürg.-
sächs. dîrt. Die n-Erweiterung tritt auf in: schweiz.
derten, els. dörten, bair. dorten, kärnt. dortan, duertn,
tirol. dört’n, dertn, obersteir. dertn, derschtn, pfälz.,
südhess. dorten, obersächs. dorte(n), brandenb.-berlin.
durte(n), nndd. dôrten.

Schweiz. Id. XIII, 1694 ff.; Martin-Lienhart, Wb. d.
els. Mdaa. II, 718; Ochs, Bad. Wb. I, 512; Fischer,
Schwäb. Wb. II, 284; Jutz, Vorarlberg. Wb. I, 587;
Schmeller, Bayer. Wb.² I, 544; Lexer, Kärnt. Wb. 65;
Schöpf, Tirol. Id. 86; Schatz, Wb. d. tirol. Mdaa. 132;
Weinhold, Bair. Gr. § 13; Christmann, Pfälz. Wb. II,
363; Maurer-Mulch, Südhess. Wb. I, 1593; Müller-
Fraureuth, Wb. d. obersächs. Mdaa. I, 232; Mitzka,
Schles. Wb. I, 204; Schullerus, Siebenbürg.-sächs. Wb.
II, 64; Bretschneider, Brandenb.-berlin. Wb. I,
1007 f.; Schambach, Wb. d. ndd. Mda. 46.

Ahd. darot entsprechen as. tharod dorthin,
mndd. dōrt dort(hin); mndl. ndrhein. dort
dort(hin), da; afries. thard dorthin. Für die
Erklärung der e-Form ahd. deret gibt es mehre-
re Möglichkeiten: Wechsel von -o- und -e- auf-
grund des Satztons (Fischer, a. a. O.), Primär-
umlaut, der in Verbindungen wie darot ist, sind
aufgekommen ist (Kluge²² 152), Anschluß an
die r-Kasus des Pron. der (G. Schmidt, Germ.
Adv. 74). Von diesen Erklärungsmöglichkeiten
dürften am ehesten Verbindungen wie darot ist,
sind für den e-Laut in dert verantwortlich sein,
weil -e- in schweiz. dert die Qualität eines Pri-
märumlauts hat (Schweiz. Id. XIII, 1696). Da-
gegen beruht das erste o in ahd. dorot, das sich
ins Nhd. fortgesetzt hat, auf schwachtoniger
Entwicklung von a > o (Braune, Ahd. Gr.¹⁴ § 25
Anm. 1c). Die en-Form dorten ist nach draußen,
drüben, hüben, oben umgebildet.

Fick III (Germ.)⁴ 174; Holthausen, As. Wb. 77; Sehrt,
Wb. z. Hel.² 559; Berr, Et. Gl. to Hel. 403; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 459; Schiller-Lüb-
ben, Mndd. Wb. I, 555; Verdam, Mndl. handwb. 149;
Holthausen, Afries. Wb.² 110; Richthofen, Afries.
Wb. 1068; Holthausen, Ae. et. Wb. 359. 364; Bos-
worth-Toller, AS Dict. 1030 f. 1058; Suppl. 727;
OED² XVII, 965 f.; Vries, Anord. et. Wb.² 605; Jó-
hannesson, Isl. et. Wb. 448; Heggstad, Gamalnorsk
ordb. 715; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 312;
Feist, Vgl. Wb. d. got. Spr. 491; Lehmann, Gothic Et.
Dict. þ-18; Kluge, Urgerm.³ § 296. 298.

Parallele Bildungen zu ahd. darot sind ahd. her-
ot
hierher, warot (irgend)wohin (s. d. d.; ein
langes ô ist nicht erweisbar). Als Vorform von
darot nimmt man *þar-uđa < *þar- ( dâr)
und *-uđa < vorurgerm. *u-tá wie in lat. aliuta
anders an. Daneben wäre eine Vorform vorur-
germ. *u-tó, die aind. utá und, auch entspre-
chen kann (R. Lühr, Mü. Stud. z. Spr.wiss. 34
[1976], 78) oder *u-té wie in gr. ἠύτε ebenso
wie
< *ἠϝ() + υτε, eigtl. wie andrerseits, wie
auch
, möglich. Da der dem Ausgang ahd. -ot
zugrunde liegende Pronominalst. uridg. *u- je-
ner
bedeutet, könnte die t-haltige, vom Prono-
minalst. uridg. *te/ to- abgeleitete Partikel in
*u-tá/ ó/ é die jener-Deixis von vorurgerm. *tor
da, dort verstärkt haben. Eine andere Bildung
des Wortes für dort, und zwar mit der Fortset-
zung des Suffixes *-tro-, begegnet in aisl. þaðra
da, dort, dem ae. ðæder dorthin und got. þa-
þro von da und weiterhin aind. tátr dorthin
entsprechen.

Walde-Pokorny I, 188; Pokorny 74. 1087; Fick I,
(Idg.)⁴ 57. 221; Mayrhofer, K. et. Wb. d. Aind. I, 101.
471; ders., Et. Wb. d. Altindoar. I, 617 (wegen des Be-
legstands im RV [nicht in Maala 24, in 8, 9 nur in
jüngeren Liedern] sei aind. tátr eine erst indoar. Bil-
dung); Frisk, Gr. et. Wb. 646.

Wenn -od in ae. samod, as. samod zusammen
auf die gleiche Vorform wie -ot in ahd. darot
usw. zurückgeht, kommt keine Vorform *ate
(Pokorny, a. a. O. als Alternative) in Frage, da
im Ae. *-ad (< *-ead) zu erwarten wäre
(Schmidt, a. a. O.).

Schmidt, a. a. O. 75 stellt die Verbindung mit lat. aliu-
ta usw. in Frage, weil uridg. *u-to im Germ. sonst
nicht nachweisbar ist. Seine Annahme, neben urgerm.
*hi-rē habe ein *hi-rō gestanden, das durch lativi-
sches
oder lokativisches *-đ- (wie in got. ƕaþ wo-
hin
, þadei wohin, aljaþ anderswohin, jaind dort-
hin
) erweitert worden sei, ist jedoch fraglich, denn
eine Variante *hi-rō ist im Germ. nicht fortgesetzt.

Lautlich unhaltbar ist die Auffassung (Kluge²¹ 139;
Dt. Wb.², a. a. O. als Alternative), daß in ahd. darot
die Vorform von nhd. -wärts, ahd. -wertes usw. ent-
halten sei. Auch eine Herleitung von ahd. darot aus
*datrô usw. (Grimm, a. a. O. 197) ist lautlich nicht
möglich.

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