einlif
Band II, Spalte 1008
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einlif Kard.zahl, Mons. Frg., Tatian, Ot-
frid: elf, undecim unflektiert einlif, flektiert
gen. einlifo, -iu-, eiinliuo, dat. einlifin, akk.
-i. Mhd. einlif, -lef, eilif, eilef, nhd. dial. ti-
rol. ainlif, nhd. elf.

Ahd. Wb. III, 198; Splett, Ahd. Wb. I, 176; Schütz-
eichel4 99; Graff I, 317; Schade 127; Braune, Ahd.
Gr.14 § 271; Lexer I, 526; Benecke I, 985; Diefen-
bach, Gl. lat.-germ. 626 (undecim); Dt. Wb. III, 413;
Kluge21 163; Kluge22 174 f.; Pfeifer, Et. Wb. 350.
Schatz, Wb. d. tirol. Mdaa. 12. S. auch H.-F. Rosen-
feld, Nd. Jb. 79 (1956), 115 ff. (zur Zählung elmnont-
wintich 22, elmnondrüttich 33 usw. in Mittelpom-
mern).

Zu ahd. einlif stellen sich: as. ēllevan, mndd.
el(l)ven, elf; mndl., nndl. elf; afries. andlova,
ålvene, elleva, nostfries. elf(e), elfen, nwestfries.
ālf, ālve; ae. endleofan, westsächs. endlufon
(nordhumbr. flektiert ællefne), me. elleven, ne.
eleven; anord. ellifu, nisl. ellefu, nnorw. elleve,
nschwed. elva, ndän. elleve (< *ānlifu mit Ent-
wicklung in nebentoniger Silbe aus *ainlifu);
got. *ainlif, nur dat.pl. ainlibim. Wegen der
umgelauteten Formen und wohl auch wegen des
fehlenden Kompositionsvokals im Got. ist ne-
ben der Vorform urgerm. *aina-lifa- auch ein
*aini-lia/ lifa- anzusetzen. Die Weiterentwick-
lung ist davon abhängig, ob i-Umlaut, Wandel
von *nl zu ll, Kürzung des Vokals vor *nl oder
ll, d-Einschub zwischen *n und *l und a-Um-
laut wie im Nd. und Fries. (*aina/ aini-lefan/ le-
an) eingetreten ist. Wie im Germ. auch sonst
des öfteren bei den substantivisch gebrauchten
Zahlen von vier bis zwölf wird im Ahd. und
Got. das Wort nach den i-Stämmen flektiert;
vgl. got. fimftaihunim fünfzehn (zur Entste-
hung der i-Flexion bei diesen Kardinalia vgl.
R. Loewe PBB 27 [1902], 75 ff.; W. L. van Hel-
ten IF 18 [190506], 85 ff.); und im Nordsee-
germ. und Nordgerm. ist der Auslaut an den
Ausgang anderer Zahlwörter angeglichen wor-
den (vgl. as. tehan, ae. westsächs. siofon, -an,
aisl. tíu < *tehu). Der im Ahd. beim Ordinale
( einlifto) und im Ae. auftretende u-Vokal be-
ruht wohl auf schwachtoniger Verdumpfung
von -i- zu -u- vor Labial und setzt keinen se-
kundären Ablaut *-luf-, *-lu- (so Pfeifer,
a. a. O.) fort.

Das Zahlwort wird aufgefaßt als einer übrig,
also als Zusammensetzung aus *aina- ( ein)
und *-lifa/ lia- übrig, wobei *-f/ - anstelle
von *()- aus dem Wort für zwölf, *twa-
lifa- (< *twa-liχa-) mit lautgesetzlicher Ent-
wicklung von *χ hinter Labial zu *f ( zwe-
lif) stammt (C. C. Uhlenbeck, PBB 30 [1905],
257 f.; G. S. Lane, JEGP 38 [1939], 194; Sommer,
Zahlwort 62 f.; Porzig, Glied. d. idg. Spr. 146;
E. P. Hamp, IF 78 [1973], 141 f.). Eine andere Er-
klärungsmöglichkeit ist die unmittelbare Verbin-
dung von urgerm. *-lifa/ lia- mit got. laiba, ahd.
leiba Überbleibsel, Rest < vorurgerm. *lep-
haften; bilîban (z. B. F. A. Blackburn, JEGP 1
[1900], 72 ff.; zum Ansatz von Wurzelvarianten
bei dem Wort elf wie in got. bileiban : leiƕan vgl.
Persson, Beitr. z. idg. Wortf. 503 Anm. 1; Kluge22,
a. a. O. und Pokorny 670 als Alternative. Doch
erwägt Pokorny für ahd. -lif im Anschluß an
C. J. S. Marstrander, riu 5 [1911], 206 sicher
zu Unrecht auch Entlehnung aus urkelt. *lipi- <
*liki-).

Anorw. ællugu (neben ælluva) elf, øllykti elfter
sind keine Stütze für ein ursprl. *aina-liχa- (anders
Walde-Pokorny II, 397), weil in anorw. Dialekten
sporadisch zu wird (Noreen, Aisl. Gr.4 § 256;
W. Krogmann, Zfvgl.Spr. 60 [1933], 53).

Holthausen, As. Wb. 15; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. I, 1, 530; Verdam, Mndl. handwb. 162;
Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 154; Vries, Ndls. et. wb.
155; Holthausen, Afries. Wb.2 3; Richthofen, Afries.
Wb. 606; Doornkaat Koolman, Wb. d. ostfries. Spr. I,
389 f.; Dijkstra, Friesch Wb. I, 36; Holthausen, Ae. et.
Wb. 91; Bosworth-Toller, AS Dict. 251; Suppl. 190;
ME Dict. E-F, 68; Oxf. Dict. of Engl. Et. 306; OED2
V, 137 f.; Vries, Anord. et. Wb.2 101; Jóhannesson, Isl.
et. Wb. 733; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 49;
Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 187 f.; Torp, Nynorsk
et. ordb. 88; Hellquist, Svensk et. ordb.3 181; Feist,
Vgl. Wb. d. got. Spr. 23; Lehmann, Gothic Et. Dict. A-
77; W. L. van Helten, IF 18 (190506), 106 ff.; A. S.
C. Ross-J. Berns, in Indo-European Numerals 593 ff.

Weniger wahrscheinlich ist die Auffassung von
A. Meillet (MSLP 15 [1908], 259), daß *lek- durch
Vermischung mit der Wz. *lep- kleben in *lep-
übergegangen sei; vgl. Fick III (Germ.)4 3: ursprl. *ai-
na-liχa- mit Umbildung nach der Wz. *lī- bleiben.

Eine unmittelbar vergleichbare Bildung begeg-
net in den heute als ā-Stämme flektierenden
Kardinalia lit. vienúolika elf, dvlika zwölf
(dv- als Analogie nach tr-), trlika dreizehn
usw. mit -lika < *-lieka < nom. akk. pl. n. *lie-
k und einer Fügung *deimtìs vienúo liekúo
zehn mit einem Überschüssigen als möglichem
Ausgangspunkt (A. Bezzenberger, Zfvgl.Spr. 44
[1911], 133 f.). Die im Lit. danebenstehenden
Ordinalia alit. liekas der elfte, antras liekas
der zwölfte usw. lassen keinen Zweifel am Zu-
sammenhang von -lika mit likas ungerade von
Zahlen, überzählig
und lit. liekù, lìkti bleiben,
übrig bleiben, zurückbleiben
( lîhan), wo-
durch sich im Falle der Rückführung von ahd.
einlif auf die Wz. *lek- für vorurgerm. *likos
bzw. vorurbalt. *lekos die Bedeutung über-
schießend
oder Überschuß (über zehn hinaus)
ergibt; vgl. auch die Verwendung von aind.
ádhika- hinzukommend, überschüssig in der
Verbindung von zehn, zwanzig usw. mit Ei-
nern, wie bei den Grammatikern ekādhikā vi-
ati als Umschreibung von ekaviati ein-
undzwanzig
, eigtl. eine zwanzig, die eins als
Überschuß hat
, belegt ist (Wackernagel, Aind.
Gr. III § 195fγ).

J. Grimm, Germania 1 (1856), 19; ders., Dt. Gr.a II,
946 f.; Mahlow, Lange Vokale 49; Joh. Schmidt, Urh.
d. Indog. 24 Anm. 1; Brugmann, Grdr.2 II, 2, 26 ff.;
P. Scherer, Germanic-Balto-Slavic Etyma, Lang. diss.
32 (Baltimore, 1941), 43; A. Senn, Studi baltici 5
(193536), 69 ff.; Fraenkel, Lit. et. Wb. 116. 372 f.;
Stang, Vgl. Gr. d. balt. Spr. 280 (jedoch urgerm. *lif-
zu got. aflifnan übrig bleiben < uridg. *lep- haf-
ten
; s. o.); B. Comrie, in Indo-European Numerals
763 f. Nach W. P. Lehmann (in The Scope of American
Linguistics, ed. by R. Austerlitz [Lisse, 1975], 54 ff.
und Syntactic typology. Studies in the Phenomenology of
Language [Austin-London, 1978], 39 f.) spiegeln die
germ. und balt. Wörter für elf usw. die Umstrukturie-
rung des idg. Zahlensystems vom 10 + 1-Typ zum 1
+ 10-Typ wider.

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