fîhala, fîla
Band III, Spalte 217
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fîhala, fîla f. ō-St., nur in Gl. seit dem 8./
9. Jh.: Feile, lima, runcina (vgl. Diefenbach,
Novum gl. lat.-germ. 322) Var.: v-, u-, ph-;
-ii-, -ei-; -hil-, -hel-, -hl-, -gil-, -gel-, -l-, -ll-;
-e (zum Sproßvokal -a- in fîhala vgl. Schatz,
Ahd. Gr. § 123 und ahsla, ahsala; zum
Schwund des -h- vgl. Schatz, a. a. O. § 239; zu
-g- als Übergangslaut vgl. Schatz, a. a. O.
§ 300). Mhd. vîle st.f., nhd. Feile f.

Ahd. Wb. III, 812 f.; Splett, Ahd. Wb. I, 230; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 261; Starck-Wells 151. 808; Schützei-
chel, Glossenwortschatz III, 146; Seebold, ChWdW8
126; Graff III, 315; Schade 193; Lexer III, 349; Be-
necke III, 315; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 329 (lima);
Götz, Lat.-ahd.-nhd. Wb. 376 (lima). 581 (runcina);
Dt. Wb. III, 1448; Kluge21 190; Kluge24 283; Pfeifer,
Et. Wb.2 421. H. Tiefenbach, in Handwerk in vor- u.
frühgesch. Zeit II, 742 ff.

Das Wort hat Entsprechungen im West- und
Nordgerm.: as. fīla f., mndd. vīle; mndl. vile,
vijl f., nndl. vijl; nfries. fīle; ae. fēol(e), fīl f.,
me. fīle, ne. file; aisl. fél (nur einmal belegt,
poet., s. u.), ält. ndän. fel, ndän., nnorw. fil,
aschwed. fæl, nschwed. fil (die Formen mit -i-
sind wohl vom Mndd. beeinflußt). Neben aisl.
fél kommt auch (öfter) þél f. (nisl. þjöl) vor, das
wahrscheinlich eine Variante von fél ist (mit
Wechsel zwischen f und þ; vgl. K. Matzel, Spra-
che 8 [1962], 224 f. und fliohan).

Versuche, aisl. þél von der Sippe von fîhala zu trennen
und auf eine idg. Wz. *tenk- zurückzuführen, schei-
tern an dem Bed.unterschied. Die Wz. *tenk-, die in
ahd. ding und vielleicht dîhsila steckt (s. d. d.), hat eine
Grundbed. ziehen, dehnen, spannen und kann des-
halb weder eine nasalhaltige Variante der Wz. *tek-
(richtiger *tekþ-) bauen, zimmern ( dehsala) sein
noch die Grundlage für ein Wort für Feile bilden
(vgl. E. Hellquist, Ark. f. nord. fil. 7 [1891], 160 f.
Anm. 3). Verfehlt ist auch J. Triers Verknüpfung von
aisl. þél mit ahd. dâha Lehm, Ton (Trier, Lehm 16).

Aus dem Ahd./As. entlehnt sind abulg., russ. pi-
Säge, poln. piła Säge, Feile, tschech. pila
früher Feile, jetzt Säge, serbo-kroat. píla Sä-
ge, Feile
usw. (vgl. Kiparsky, Gemeinslav.
Lehnw. aus d. Germ. 257 f.; Vasmer, Russ. et.
Wb. II, 356).

Fick III (Germ.)4 241; Holthausen, As. Wb. 20; Wad-
stein, Kl. as. Spr.denkm. 239; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. I, 1, 719; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. V,
252; Verdam, Mndl. handwb. 714; Franck, Et. wb. d.
ndl. taal2 742; Vries, Ndls. et. wb. 784; Doornkaat
Koolman, Wb. d. ostfries. Spr. I, 479; Dijkstra, Friesch
Wb. I, 351; Holthausen, Ae. et. Wb. 101; Bosworth-
Toller, AS Dict. 277; Suppl. 211; ME Dict. E-F, 555;
OED2 V, 902 f.; Oxf. Dict. of Engl. Et. 355; Vries,
Anord. et. Wb.2 116 (fél). 608 (þél); Jóhannesson, Isl.
et. Wb. 535; Fritzner, Ordb. o. d. g. norske sprog IV,
94 (fél); Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 58. 314;
Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 216. 1458; Torp, Ny-
norsk et. ordb. 103; Hellquist, Svensk et. ordb.3 209.

Die germ. Belege führen auf eine urgerm.
Grundform *finχ(i)lō- mit dem Suffix
-(i)lō(n)- zur Bezeichnung von femininen Gerä-
ten (vgl. Kluge, Nom. Stammbildung3 § 91; Kra-
he-Meid, Germ. Sprachwiss. III § 87) zurück.
Zugrunde liegt wohl eine nasalierte Variante
*pink- der idg. Wz. *pek- kennzeichnen durch
Einritzen oder Färben
, die auch in aind. piáti
haut aus, schneidet zurecht, bildet, formt vor-
kommt. Ohne Nasal gehören hierher u. a. gr. πι-
κρός scharf, stechend, bitter, aksl. pьsati
schreiben, lit. piti zeichnen, verzieren. Wei-
teres fêh.

Der Ansatz einer urgerm. Grundform *fīlō- < idg.
*pel-, die mit lit. peĩlis Messer urverwandt wäre (vgl.
E. Fraenkel, IF 53 [1935], 132 f.; ders., Lit. et. Wb.
563 f.; Mann, IE Comp. Dict. 914), ist abzulehnen. Ae.
feol(e), aisl. fél (und þél?) und aschwed. fæl setzen alle
*finχ(i)lō- voraus, und ahd. fîhala (der älteste Beleg
des Wortes: Gl. 1, 621, 14, 8./9. Jh.!) ist kaum als eine
unter dem Einfluß von bîhal Beil entstandene Neben-
form zu erklären (wie noch bei Kluge21).

Abzulehnen ist auch Lidén, Stud. z. aind. u. vgl.
Spr.gesch. 41 f. Anm. 5: aus idg. *pīqlā wegen der ahd.
Nebenform fiola; diese Form existiert nicht (bei
Formen wie kifiolot zum Verb fîhalôn [s. d.] handelt
es sich natürlich nur um Assimilation des a an das fol-
gende ō; vgl. Braune, Ahd. Gr.15 § 67).

Sehr unwahrscheinlich ist R. Meringers Verknüpfung
mit bair. (und schwäb.) feitl, feidl schlechtes Ta-
schenmesser
, indem germ. *fīχl- zu *fīþl- geworden
sei (IF 16 [1904], 160 f.). Es handelt sich eher um eine
Diminutivform des PN Veit (vgl. Schatz, Wb. d. tirol.
Mdaa. I, 161; Fischer, Schwäb. Wb. II, 1030).

Walde-Pokorny II, 9 f.; Pokorny 794 f. (ohne die
germ. Sippe); LIV2 465 f.; Mayrhofer, K. et. Wb. d.
Aind. II, 267 f.; Frisk, Gr. et. Wb. II, 535 f.; Chan-
traine, Dict. ét. gr. 900 f.; Sadnik-Aitzetmüller,
Handwb. zu den aksl. Texten 86. 283 (Nr. 652); Fraen-
kel, Lit. et. Wb. 587. Trier, Lehm 12.

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