fenstar
Band III, Spalte 154
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fenstarAWB n. a-St., Notker, Williram, in Gl.
seit dem 11. Jh. Var.: u-, v-; -er, -ir, -r-; fi-
nestraAWB
f. n-St. (s. d.); uenstreAWB f. (n-St.?), nur
Gl. 3, 381, 20 (13. Jh., mfrk.).: Fenster, Öff-
nung, fenestra, foramen
. Mhd. venster st. n.
(md. auch vinster) dss., nhd. Fenster n. (zum
fem. Geschlecht in einigen Mdaa. vgl. Frings,
Germania Romana II, 247 f.).

Ahd. Wb. III, 736 f. 878; Splett, Ahd. Wb. I, 223;
Köbler, Wb. d. ahd. Spr. 255. 265; Schützeichel⁵ 132;
Starck-Wells 147. 808. 844; Schützeichel, Glossen-
wortschatz III, 116; Seebold, ChWdW8 125; Graff
III, 544; Schade 178; Lexer III, 65 f.; Benecke III,
298 f.; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 229 (fenestra); Götz,
Lat.-ahd.-nhd. Wb. 259 (fenestra). 272 (foramen); Dt.
Wb. III, 1519 ff.; Kluge²¹ 192 f.; Kluge²⁴ 286; Pfeifer,
Et. Wb.² 336.

Das ahd. Wort ist aus lat. fenestra f. entlehnt.
Der Genuswechsel F. > N. ist kaum dem Ein-
fluß von ahd. ougatora Tür in Form eines Au-
ges
zuzuschreiben (wie bei Kluge21,24); das Ge-
nus von ougatora, das nur einmal (Gl. 3, 1, 47;
8. Jh.) vorkommt, ist sehr unsicher, aber eher F.
als N., denn schwache Neutra sind im Ahd.
sehr selten und bilden keine fruchtbare Ablei-
tungsgruppe
(Wilmanns, Dt. Gr. II § 161). Viel
wahrscheinlicher ist der Einfluß anderer Kon-
kretbezeichungen mit dem germ. Suffix *-str-,
die im Ahd. fast immer N. waren (z. B. bluostar,
galstar, gelstar, lastar, riostar [neben seltenerem
riostra f.]; ahd. bolstar, das [wo das Genus be-
stimmbar ist] M. war, hat sich erst im Nhd. zur
Gruppe der Neutra gesellt; vgl. Wilmanns,
a. a. O. § 219, 3).

Das lat. Lehnwort ist ursprl. nur ins Westgerm.
eingedrungen: mndd. vinster, venster n.; mndl.
venstere, veinster(e), vinstere usw. f. u. n., nndl.
venster n.; ae. fenester n. (selten; me. fenestre ist
aus dem Afrz. entlehnt, während ne. fenestra,
ein Fachausdruck der Medizin und Zoologie,
eine gelehrte Neuentlehnung aus dem Lat. ist).
Aus dem Mndd. entlehnt ist aschwed. fönster,
fynster, nschwed. fönster.

Ältere germ. Bezeichnungen für das Fenster waren
u. a. got. augadauro n., ae. ēagdūru f. ( ougatora);
aisl. vindauga n. (aus dem Skand. entlehnt me. windo-
ge, -owe, ne. window); afries. andern n.

Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 726; Schiller-
Lübben, Mndd. Wb. V, 235; Verdam, Mndl. handwb.
648; Franck, Et. wb. d. ndl. taal² 728 f.; Vries, Ndls.
et. wb. 770; Holthausen, Ae. et. Wb. 100; Bosworth-
Toller, AS Dict., Suppl. 210; ME Dict. E-F, 488;
OED² V, 832; Hellquist, Svensk et. ordb.³ 256.

Lat. fenestra (> afrz. fenestre, nfrz. fenêtre), das
auch ins Kelt. entlehnt wurde (air. senester,
akorn. fenester, kymr. ffenestr, mbret. penestr,
prenestr, nbret. prenest), ist etymologisch dun-
kel; viell. etruskischer Herkunft? Vgl. Walde-
Hofmann, Lat. et. Wb. I, 478; Ernout-Meillet,
Dict. ét. lat.⁴ 225.

Pedersen, Vgl. Gr. d. kelt. Spr. I § 137 (S. 221); Ven-
dryes, Lex. ét. de l’irl. anc. S-85; Dict. of Irish S-149;
Dict. of Welsh 1282; Henry, Lex. ét. du breton mod.
227.

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