bero, pero
Band I, Spalte 563
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bero, pero m. n-St. Bär, ursus Gl., Notker,
W. Ps., Ps. gl. vom 12. Jh. an auch ber. Mhd.
ber, nhd. Bär.

Ahd. Wb. I, 916 f.; Schützeichel3 14; Starck-Wells 48;
Graff III, 203; Schade 52; Lexer I, 182 f.; Benecke I,
103 f.; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 630; Dt. Wb. I,
1122 ff.; Kluge21 50 f.; Palander, Ahd. Tiernamen 56 f.

Entsprechende n-Stämme sind in den meisten
germ. Sprachen belegt (as. -bero nur in PN wie
Athalbero): mndd. bār(e), bēr(e); mndl. bere,
beer, bare, nndl. beer; nfries. bār; ae. bera, me.
bēr(e), beare, beor(e), ne. bear; aisl. bera f. Bä-
rin
, neben dem zum u-St. übergegangenen
björn m. Bär (< *bernu-), nisl. nschwed.
björn, nnorw. bjørn, bjønn, ndän. bjørn (aus
dem Anord. lapp. [norw.] bierdna Bär [nach
K. B. Wiklund, Monde oriental 5 (1911), 250 <
urn. akk. *bernu]). Andere Bildungen im
Skand.: run. schwed. PN Biari (ca. 800); mit
dem für männl. Tiernamen charakteristischen
Suffix -s ( fuhs), aisl. bersi, bessi Bär; ber- in
den Zss. ber-fjall Bärenhaut, ber-serkr Berser-
ker, ein in Bärenfell gehüllter Krieger
.

Der Bär wird in den überlieferten got. Texten
nicht erwähnt, aber einen Hinweis auf die Exi-
stenz eines ähnlichen got. Wortes gibt viell. die
Zss. baira-bagms Maulbeerbaum (vgl. norw.
bjørne-bær, schwed. björn-bär Brombeere).
Das erste Glied wird meistens als volkset. Um-
deutung eines urspr. zur idg. Basis *bher-s-
spitz gehörenden Wortes erklärt (s. Feist,
a.a.O. 74 f.; Loewe, Germ. Pflanzennamen
12 ff.).

Ob ae. beorn Mann, Krieger, Häuptling hierher ge-
hört (der Bär > der starke [mit magischer Kraft
versehene ?; s. u.] Krieger
> der Mann) so z. B.
Vries, Anord. et. Wb.2 41 , oder wie lit. bérnas
Knabe, Knecht ein e-stufiges Nomen zu germ. *be-
ran- gebären darstellt, neben dem o-stufigen ae.
bearn Kind = ahd. barn (der junge Mann > der
Krieger
; vgl. die Entw. von ahd. degan Krieger) so
z. B. Holthausen, Ae. et. Wb. 21 , ist unsicher. Auch
das weitverbreitete wgerm. Bern(-), -bern in PN (ae.
Beorn, ahd. as. Bernhard, Gērbern usw.) wird verschie-
den gedeutet: nach Bach, Dt. Namenkunde I, § 115
Anm. 193; W. Schlaug, As. Personennamen (Lund,
1962) 57 = Bär (anord. Björn); nach R. Much, PBB
17 (1893), 158 = junger Mann, Held. M. A. Redin,
Stud. on uncompounded personal names in OE (Upp-
sala, 1919) 4, und Förstemann, Adt. Namenbuch23 I,
258 f. vermuten sogar eine Mischung aus beiden
Quellen (nach Björkman, Scand. Loanwords 25 ist ae.
Beorn ein skand. Lehnwort).

Fick III (Germ.)4 263; Holthausen, As. Wb. 6; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 146; Verdam, Mndl.
handwb. 76; Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 40 f.; Vries,
Ndls. et. wb. 37; Dornkaat Koolman, Wb. d. ostfries.
Spr. I, 100 f.; Holthausen, Ae. et. Wb. 21 f.; Bosworth-
Toller, AS Dict. 88; Suppl. 81; Suppl. II, 9; ME Dict.
AB, 739 f.; OED I, 730; Vries, Anord. et. Wb.2 34
(bersi). 41 (björn); Jóhannesson, Isl. et. Wb. 618;
Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 18; Falk-Torp,
Norw.-dän. et. Wb. 77; Torp, Nynorsk et. ordb. 26;
Hellquist, Svensk et. ordb.3 45 f.; Feist, Vgl. Wb. d. got.
Spr. 74 f. H. Kern, Tijdschrift 5 (1885), 49 ff.

Germ. *beran- ist ein subst. Adj. der Braune,
zu idg. *bher- glänzend, (hell)braun; vgl. lit.
bras, lett. bȩ̃rs braun und brûn. Viell. ge-
hört hierher auch das aind. Wort für Bär bhal-
lka- m. (< *bher-l- ?), aber Bildung und Her-
kunft dieses Wortes sind sehr unsicher (s.
Mayrhofer, K. et. Wb. d. Aind. II, 485).

Im Germ., Balt. und Slav. ist das urspr. idg.
Wort für Bär, das in lat. ursus, gr. ἄρκτος, aind.
ṛ́ka- usw. noch klar erkennbar ist, als Tabu-
wort durch verschiedene Umschreibungen er-
setzt worden (neben germ. *beran- vgl. auch
z. B. ksl. medvě Honigesser; aisl. [poet.]
bolmr der Dicke, Große [zu idg. *bhel-
schwellen] usw.). Zur Verbindung der Tabuie-
rung mit einem frühen Bärenkult s. W. Havers,
Sitz.ber. d. Akad. d. Wiss. in Wien 223 (1946), 5.
Abh., 25. 34 ff. In der dt. und ndl. Tierdichtung
über Reinhard den Fuchs heißt der Bär auch
der Braune: dt. Braun, ndl. Bruin, dieses auch
ins Engl. entlehnt, wo es zum Beinamen aller
Bären geworden ist.

Walde-Pokorny II, 166 f.; Pokorny 136; Fraenkel,
Lit. et. Wb. 39.

Nach E. Seebold, Zfvgl. Spr. 81 (1967), 115, könnte
bero zu idg. *her- wildes Tier gehören (vgl. lat. fe-
rus wild, aksl. zvě wildes Tier), denn er nimmt an,
daß idg. *gh- (und anscheinend auch *h-) im
germ. Anlaut als *b vertreten sei; aber auch er findet
die Verbindung mit *bher- braun näherliegend.

S. auch bibar.

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