fantôn
Band III, Spalte 49
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fantôn sw. v. II, nur im Abrogans und bei
Otfrid: durchforschen, rimari Var.: -d-. Gl.
1, 140, 30 fantonti sprehanti facundo eloquente
ist eine Fehlübersetzung, die sich vielleicht aus
den drei unmittelbar vorausgehenden Glossen-
gefügen erklärt (vgl. Splett, Abrogans-Studien
211: Der ahd. Glossator [hat] das lat. Wort
entweder unscharf übersetzt oder in nicht nä-
her bestimmbarer Weise verkannt
). Bei Otfrid
erscheint das Verb in folgendem Kontext:
I, 11, 43 Sálig thiu nan wátta int inan fándota.
Nach Kelle (Otfrid-Gl. 112) bedeutet fandôn
hier einwickeln[?] (ebenso Schützeichel5
129). Doch kommt man auch mit einer Bedeu-
tung betrachten durch (s. S. Gutenbrunner,
Arch. f. d. St. d. neueren Spr. 196 [195960],
316 f.): Selig, die ihn kleidete und betrachtete,
d. h. betrachten durfte
. Die Bedeutung durch-
forschen
hätte demnach eine Bedeutungsent-
wicklung zu prüfend betrachten mitgemacht.
Mhd. vanden, vannen sw. v. besuchen, auf-
finden, erforschen, visitare
, nhd. fahnden. Die
Bedeutung besuchen ist bis ins 16. Jh. be-
zeugt, gegen Ende des 18. Jh.s erscheint das
Verb in der heutigen Bedeutung nachforschen
und ist in der ersten Hälfte des 19. Jh.s in der
Polizeisprache (polizeilich suchen) allgemein
bekannt. Die Aussprache mit langem ā dürfte
dem Vorbild von ahnden zuzuschreiben sein
( anado, anto).

Die allgemein vertretene Auffassung, daß das lange ā
in nhd. fahnden auf Angleichung an fâhan beruht, ist
weniger wahrscheinlich, weil sich schon im 17. Jh. die
Ausgleichsform fangen durchgesetzt hat ( fâhan).

Ahd. Wb. III, 566 f.; Splett, Ahd. Wb. I, 233; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 245; Starck-Wells 139. 843; Graff III,
539; Schade 160; Raven, Schw. Verben d. Ahd. II, 38;
Lexer III, 18; Benecke III, 320; Dt. Wb. III, 1241;
Kluge21 180; Kluge24 271; Pfeifer, Et. Wb.2 316 f.
Wißmann, Nomina Postverb. 15. 27. 70. 89.

Ahd. fantôn entsprechen: as. fandon auf-,
heimsuchen, versuchen
, mndd. vanden, vannen
aufsuchen, besuchen, heimsuchen; mndl. van-
den, vaenden besuchen, heimsuchen, untersu-
chen
; afries. fandia besuchen; ae. fandian un-
tersuchen, versuchen, prüfen
, me. fandien un-
tersuchen, prüfen
: < urgerm. *fanđō(ja)n- be-
suchen
. Zu der Bedeutung besuchen von ur-
germ. *finþan- ( findan) ist ein verbales Inten-
siv mit der Fortsetzung der o-Stufe der Wz. ge-
bildet (zu solchen Bildungen s. Krahe-Meid,
Germ. Sprachwiss. III § 183, 2). Im Ae. ist die
Bedeutung besuchen bereits aufgegeben. Doch
zeigt afries. fandia besuchen, daß diese Bedeu-
tung auch im Nordseegerm. vorhanden war.

Fick III (Germ.)4 228; Seebold, Germ. st. Verben 194;
Holthausen, As. Wb. 18; Sehrt, Wb. z. Hel.2 119;
Berr, Et. Gl. to Hel. 107; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. I, 1, 647; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. V,
197; Verdam, Mndl. handwb. 641; Franck, Et. wb. d.
ndl. taal2 743 f.; Vries, Ndls. et. wb. 785 f.; Holthau-
sen, Afries. Wb.2 24; Richthofen, Afries. Wb. 727;
Holthausen, Ae. et. Wb. 98; Bosworth-Toller, AS
Dict. 270; Suppl. 204 f.; ME Dict. E-F, 695 f.

Weiteres zur Etymologie findan.

Walde-Pokorny II, 26 f.; Pokorny 808 f.; Mann, IE
Comp. Dict. 975 f.; LIV2 471 f.; Vasmer, Russ. et. Wb.
II, 461. 469.

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