fior
Band III, Spalte 264
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fior Kard.zahl, in zahlreichen literarischen
Quellen und Gl. vom 8. Jh. an: vier, quattuor
(quater)
Var.: -eo-, -ia-, -ie-. Mhd. vier,
nhd. vier. Als Kompositionsglied erscheint im
Ahd. in den Malbergischen Glossen der Lex
sal. fitter- (geschrieben fit ter) in fitter-thu-
schunde viertausend (Grimm, Gesch. d. dt.
Spr.3 385; W. v. Helten, PBB 25 [1900], 267.
514 ff.). Die Zahlen von vier bis zwölf werden
im Ahd. flektiert, wenn sie als Adjektive hinter
dem zugehörigen Subst. stehen oder wenn sie
substantivisch gebraucht werden. Vor einem
Subst. erscheint in der Regel die unflektierte
Form (Genaueres bei P. V. Stiles, NOWELE 7
[1986], 8 ff.). Die Flexion ist die der Substanti-
va der i-Deklination (Mask., Fem.), gegebe-
nenfalls mit partitivem Genitiv (s. Szemerényi,
Stud. in IE Numerals 40); ein Nom.Akk. des
Neutrums wird durch die adjektivische En-
dung -iu, frk. -(i)u hergestellt:

m.f. nom.akk. fiori, gen. m.f.n. fioreo, fioro, dat.
m.f.n. fiorim, -in. n. nom.akk. fioriu, frk. fior(i)u. Im
Mhd. werden die Zahlen von vier bis zwelf 12 teils
endungslos gebraucht, teils adjektivisch dekliniert:

m.f. nom.akk. viere, gen. m.f.n. vierer(e), dat. m.f.n.
vieren. n. nom.akk. vieriu; nhd. vier.

Ahd. Wb. III, 888 ff.; Splett, Ahd. Wb. I, 236; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 266; Schützeichel5 134; Starck-Wells
154. 809; Schützeichel, Glossenwortschatz III, 174;
Seebold, ChWdW8 128; Graff III, 670 ff.; Schade
197; Lexer III, 338 f.; Benecke III, 306 f.; Diefenbach,
Gl. lat.-germ. 478 (quattuor); Götz, Lat.-ahd.-nhd.
Wb. 546 (quattuor); Dt. Wb. XII, 2, 251 ff.; Kluge21
821; Kluge24 960; Pfeifer, Et. Wb.2 1516; Braune,
Ahd. Gr.15 § 271; Paul, Mhd. Gr.23 § 234; Walch-
Häckel, Gr. d. Frühnhd. VII, 575 ff.

Ahd. fior usw. entsprechen in den übrigen west-
germ. Sprachen in der Stellung vor dem Subst.
i.a. unflektierte Lautformen; wie im Ahd. flek-
tiert das Zahlwort nach der substantivischen i-
Deklination, wenn es als Adj. dem Subst. folgt
oder substantivisch gebraucht wird (P. V. Stiles,
a. a. O.):

as. (unflektiert) fiuwar (Heliand fiuuuar naht), fior,
fiar, fier, vier; (flektiert) m. nom. Heliand (sia) fiori,
Freckenhorster Heberegister fieri, dat. (mid) thēm fiu-
wariun (Cottonianus -run); mndd. (unflektiert) vēr
(veir), vir; flektiert m.f.n. nom.akk. vēre, gen. vērer,
dat. vēren;

mndl. (unflektiert) vier; (flektiert) m.f.n. nom.akk.
viere, gen. vierre (vierder), dat. (hem) vieren; nndl.
vier;

afries. (unflektiert) fiouwer, fiuwer, fiower, fiwar,
fior, viar; bei substantivischem Gebrauch ohne Geni-
tivus partitivus begegnet substantivische Flexion: fiwe-
rasum der eine von vieren; nostfries. fēr, vēr, nwest-
fries. fjouwer, Kompositionsglied afries. fiar-, fyaer-;
im Ae. erscheinen die Zahlen vier bis neunzehn bei at-
tributivem Gebrauch in der Regel unflektiert, doch
gibt es Ausnahmen im Nordh.: (unflektiert) wests.,
merc., nordh. fēower, kent. fīower, nordh. auch fēwr,
fēor, (flektiert) nordh. nom.akk. fēwere, fē(o)wero
(fēuero), dat. feowrum; in der Zusammensetzung
nordh. fēar- (fēarfald vierfältig), spätwests. fyðer-, fi-
ðer- (< *feþur-; s. F. Kluge, PBB 6 [1879], 394. 576)
neben fēor- (ae. fēorfeald, ahd. fiorfalt vierfältig); me.
fe(o)wer, f(o)uwer, fur, feo(u)r, fore, vo(u)r, faur,
fawr, ne. four.

Demgegenüber wird das Wort vier im Anord.
durchwegs flektiert indeklinabel sind in der
Regel dagegen die Zahlen von fünf bis zwanzig:

aisl. m. nom. fiórer (nnorw. fire), gen. m.f.n. fiogorra,
fiugurra (mnorw. figurra, fygura), dat. m.f.n. fiórom,
akk. m. fióra. f. nom.akk. fiórar. n. nom.akk. fiogor,
fiugur (aisl. ferner vier flektiert wie ein st. Adj.);
nnorw. fire; aschwed. m. nom. fiūri(r), fri(r) (agutn.
fiaurir; nschwed. fyra [Kasusform, Akk., zum
Nom. Pl.m.], ndän. fire), gen. m.f.n. fiughur(r)a, fiūra,
fra (agutn. fygura), dat. m.f.n. fiūrom, from (agutn.
fiaurum), akk. m. fiūra, fra. f. nom.akk. fiūra(r), f-
ra(r). n. nom.akk. fiughur (mschwed. fra); in der Zu-
sammensetzung aisl. fer- (ferfaldr vierfach, auch fjór-
faldr), aschwed. fiæþer-; runenschwed. (Rök um 800)
fiakura, fiakurum.

Kaum Flexion zeigt wiederum das Got.:

got. fidwor, substantivisch dat. fidworim, in der Zu-
sammensetzung fidur- (fidurfalþ vierfältig, fidurdogs
viertägig, dat. fidurraginja Amt eines Vierfürsten),
krimgot. fyder /fidǝr/; zur attributiven Verwendung
von fidwor im Got. vgl. fidwor dagans vier Tage, fid-
wor þusundjos viertausend.

Fick III (Germ.)4 227; Holthausen, As. Wb. 20; Sehrt,
Wb. z. Hel.2 135 f.; Berr, Et. Gl. to Hel. 124; Wad-
stein, Kl. as. Spr.denkm. 239; Gallée, As. Gr.3 § 359;
Holthausen, As. El.buch § 381; Lasch-Borchling,
Mndd. Handwb. I, 1, 697; Schiller-Lübben, Mndd.
Wb. V, 236; Lasch, Mndd. Gr. § 397; Verdam, Mndl.
handwb. 711; Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 740 f.;
ders., Mndl. Gr. § 232; Vries, Ndls. et. wb. 782; Holt-
hausen, Afries. Wb.2 28; Richthofen, Afries. Wb. 744;
Doornkaat Koolman, Wb. d. ostfries. Spr. I, 439;
Dijkstra, Friesch Wb. I, 359; Helten, Aostfries. Gr.
§ 236. 264; Holthausen, Ae. et. Wb. 102; Bosworth-
Toller, AS Dict. 281; Suppl. 214; ME Dict. E-F,
847 ff.; OED2 VI, 124 ff.; Oxf. Dict. of Engl. Et. 373;
Sievers-Brunner, Ae. Gr.3 § 325; Vries, Anord. et.
Wb.2 118. 124; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 280 f.; Fritz-
ner, Ordb. o. d. g. norske sprog I, 430 f.; Holthausen,
Vgl. Wb. d. Awestnord. 63; Noreen, Aisl. Gr.4 § 227, 1.
292. 448; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 220; Ordb.
o. d. danske sprog IV, 1026 ff.; Torp, Nynorsk et. ordb.
105; Hellquist, Svensk et. ordb.3 249; Svenska akad.
ordb. F-1901 ff.; Noreen, Aschwed. Gr. § 483; Feist,
Vgl. Wb. d. got. Spr. 149 f. (doch: Grundform ketu-
res[?]
, nach Wood, Postcons. w in IE 117, oder
idg. Nebenform petōr- ... [?]; so R. C. Boer, Oer-
germaansch handboek [Haarlem, 1918], 143 f.); Leh-
mann, Gothic Et. Dict. F-44 f.; W. v. Helten, IF 18
(1905), 94 ff.; Kieckers, Handb. d. vgl. got. Gr. § 141;
Braune, Got. Gr.20 § 141; Krahe-Meid, Germ. Sprach-
wiss. II § 61, 4; R. Loewe, PBB 27 (1902), 75 ff.; A. S.
C. Ross-J. Berns, in Indo-European Numerals 579 ff.

Was den f-Anlaut des Wortes vier im Germ.
betrifft, so ist anzunehmen, daß urgerm. *χ in
der Vorform *χeđwōr(ez) (s. u.) wegen *w in
der Folgesilbe, ähnlich den lautlichen Verhält-
nissen bei *femf < *fenχe ( fimf), zu *f assi-
miliert wurde (F. Kluge, PBB 11 [1886], 560).

Die Annahme, daß das Numerale seinen Anlaut un-
mittelbar vom Wort fünf bezogen hat (z. B. Zupitza,
Germ. Gutturale 7; Dieter, Altgerm. Dialekte § 112
Anm. 2; Fick, a. a. O.; Persson, Beitr. z. idg. Wortf. 503
Anm. 1; G. S. Lane, JEGP 38 [1939], 193; A. S.
C. Ross-J. Berns, a. a. O. 582; O. Szemerényi, Studi
micenei 1 [1966], 40 als Alternative zu der Annahme
einer Dissimilation *χ *w > *f *w; s. o.), ist so
überflüssig.

Lautlich wenig überzeugend führen Vries (Ndls. et.
wb. 782) und andere (z. B. Ross-Berns, a. a. O. 583)
die Vorform des Wortes vier auf vorurgerm. *peko-
res zurück (vgl. Krahe-Meid, Germ. Sprachwiss. I § 60
Anm.; Th. Siebs, Zfvgl. Spr. 43 [1910], 381: uridg.
*petwōr[es]), einer aus *kekores dissimilierten
Form, die ihrerseits aus *ketōres assimiliert sei
(Kluge, Germ. Konjugation 102 f. Anm.; dagegen
J. Schmidt, AfdA. 6 [1880], 123 f.). Mit vorurgerm.
*kekores rechnet auch W. v. Helten, IF 18 (1905),
94 ff. bei einer alleinigen Lautfolge *k- -k im
Germ. müßte -d- in got. fidwor aus fidur- eingeführt
sein (Feist, Vgl. Wb. d. got. Spr. 149); ähnlich für das
Westgerm: T. L. Markey, JIES 7 [1979], 207: vorur-
germ. *kekr-; E. P. Hamp, Michigan Germ. stud. 2
(1976), 1: Im Ordinale *feđworđaz oder *feđwurđaz
sei die Folge *đ đ zu * đ dissimiliert worden; von
*feworđaz sei * auch ins Kardinale eingedrungen.
Damit ergebe sich folgende Chronologie: *hweđ-
wurđaz / *f(e)nhwtaz > *hweđwurđaz hwewurđaz
/ fenhwtaz > *feđworđaz > feđworđaz, feworđaz /
fenhwtaz (zustimmend T. L. Markey, a. a. O. 207 f.).
Unhaltbar: W. H. Bennett, Lang. 45 (1969), 243: Der
anlautende Labial im Wort vier beruhe teils auf Entleh-
nung aus dem p-Keltischen, teils auf Kontamination.

Aus got. fidwor und fidur-, ae. fyðer-, fiðer-,
ahd. fitter-, aisl. fer- (aus schwachtonigem
*feðr-) krimgot. fyder ist wohl doppeldeutig
(Th. v. Grienberger, ZfdPh. 30 [1898], 131;
doch s. Stearns, Crimean Gothic 136: eher <
*fiđur-; bei einer Entsprechung zu got. fidwor
wäre krimgot. *feder zu erwarten) ergeben
sich für das urgerm. Wort vier die Vorformen
*feđwōr und *feđur-/feþur-. Wegen der Flexion
im Germ. kommt wohl noch ein *feđwarez (<
*ketóres) hinzu, wobei *feđwōr- und *feđwa-
rez im Got. zu *feđwōrez gekreuzt worden sein
dürften (ein unmittelbar auslautendes *-ōr hätte
im Got. -ar ergeben; vgl. got. swistar; swestar);
zur traditionellen Bestimmung von *feđwōr als
Neutr., wie es etwa Szemerényi tut (Einf. in die
vgl. Sprachwiss.4 235; ders., Studi micenei 1
[1966], 34; [dagegen A. Meillet, BSLP 29
(1929), 171]; s. u.). Da im Got. der Nom. Pl.m.
*feđwōrez über *feđwōrz lautgesetzlich zu fid-
wor führt (mit Assimilation von auslautendem
*z wie in got. air früher < *airiz; s. Lühr,
Stud. z. Hildebrandlied 465 Anm. 1; zu den dem
Lautwandel von *-rz > -r scheinbar widerspre-
chenden Bildungen got. hors Hurer, skeirs
hell usw. s. êr1) und damit die Fortsetzung des
Akk.Pl.m. *feđwōrunz zusammenfällt, wird fid-
wor (gegenüber substantivischem, nach den i-
Stämmen flektierenden fidworim; dazu s. u.) als
Attribut unflektiert verwendet.

Allein mit einer Vorform *ketr für got. fidwor
rechnen W. Scherer, Zur Geschichte der deutschen Spra-
che (Berlin, 1886), 448; Joh. Schmidt, Idg. Neutra
191 f.; P. V. Stiles, NOWELE 6 [1985], 85 f. (Osthoff-
Brugmann, Morph. Unters. V, 53 Anm.: *ketr-ǝ);
dagegen W. v. Helten, IF 18 (1905), 94 ff.; J. Wright,
Grammar of the Gothic Language (2Oxford, 1910),
§ 89 Anm.; Kieckers, a. a. O.; H. Krahe, IF 66 (1961),
36 f.; Krahe-Seebold, Hist. Laut- u. Formenlehre d.
Got. 116; Krause, Handb. d. Got.3 § 171.

Die nordgerm. Formen lassen sich alle auf der
Basis von *feđura/ō- und *feđuri- erklären, wo-
bei für das Nordgerm. mit zwei sporadischen
Lautentwicklungen zu rechnen ist: erstens mit
Wandel von *đ zwischen einem hinteren Vokal
und u > (vgl. urgerm. *ewđura Euter >
aschwed. iūgher gegenüber afries. iāder) wie
z. B. im Nom.Akk.n. aisl. fiogor < *feðurō,
Gen.Pl.m.f.n. aisl. fiogorra, aschwed. fiughur(r)a
< *feðurrō < *feðureRō, runenschwed. fiakura,
fiakurum mit -k- für -- (Weiteres bei P. V. Sti-
les, NOWELE 6 [1985], 101 ff.; zur Brechung
vgl. unten) und zweitens mit Schwund von ð vor
r mit Ersatzdehnung (vgl. aisl. Pl.m. hvárer zu
hvaþarr welcher von beiden). Hinzu kommen
Synkoperegeln und die unterschiedlichen For-
men der u-Brechung im Altwest- und Alt-
ostnord. (s. A. Kock, PBB 20 [1895], 126 f.; doch
vgl. H. Benediktsson, Lang. 39 [1963], 431;
ders., Norw. Journal of Ling. 5 [1982], 39 f.).
Gegenüber altwestnord. m. nom. aisl. fjórer <
*fjðrir < *feðurēR, akk. fjóra < *feðuranR,
dat. fjórum < *feðurumR ergeben sich so im Alt-
ostnord. m. nom. aschwed. fri(r) < *fiuðrir <
*feðuriR. Wieder anders, und zwar wohl durch
Einwirkung von tvennr zweiteilig, zweifach
(< *twiznaR), þrennr dreifach (< *þriznaR),
erklärt sich der Vokalismus von aisl. ferner (W.
v. Helten, IF 18 [1905], 97 Anm. 2).

Schwierig ist der Ansatz der westgerm. Aus-
gangsform. An die Stelle von *feđwar (mit Ent-
wicklung von westgerm. -ar < *-ōr in *feđwōr)
oder *feđwarez (< *ketóres), *feđur-/feþur-
(entweder mit Schwund von *w vor *u aus *feđ-
wur-/*feþwur- < *ket oder aus *ketur)
sind dentallose Lautungen getreten. Der Annah-
me, daß urgerm. *-đ- zu westgerm. *-- ge-
worden ist (A. Leskien, Die Declination im Sla-
visch-Litauischen und Germanischen [Leipzig,
1876], 155 f.; Dieter, Altgerm. Dialekte § 170c;
P. V. Stiles, NOWELE 6 [1985], 91 ff.), wider-
spricht die Erhaltung von urgerm. *đ im West-
germ. sowohl vor *u als auch vor *w (vgl. ahd.
dat. sg. scatwe von scato Schatten usw.; zur
Diskussion der Beispiele s. P. V. Stiles, a. a. O.
93 f.; zu *ezwiz, *izwiz euch > westgerm.
*euw-, *iuw- s. jedoch d).

Möglicherweise ist die Ursache für den Dental-
schwund im westgerm. Wort vier beim Ordi-
nale zu suchen. In der Fortsetzung des Ordinale
könnte zunächst der erste Dental dissimilato-
risch geschwunden sein: *ketto- > *feđwur-
đa- > *fewurđa- > *feurđa + n- der vierte >
ahd. fiordo usw. (vgl. P. V. Stiles, NOWELE 8
[1986], 5). Von der Lautstufe *fewurđa- aus
war eine Lautung *fewur als Kardinale abstra-
hierbar, ein Vorgang, der möglicherweise in der
Abstrahierung von aisl. fim(m) aus dem Ordi-
nale fimte eine unmittelbare Parallele hat (
fimf). Mit Schwund von *w vor *u (zu einem
solchen Schwund s. o.) kann *feur (< *fewur)
ohne weiteres dem Kardinale (und Komposi-
tionsglied) ahd. feor, fior, as. fior, fiar und dem
Kompositionsglied afries. fiar-, fyaer- zugrun-
degelegen haben. Hat neben *fewur die Form
*feđwar noch eine Zeitlang weiterbestanden,
könnte sich weiterhin ein *fewar ergeben haben,
und dann, als Kreuzung aus *feur und *fewar,
ein *feuwar > ae. feower usw. (zur Lautent-
wicklung von ae. *-eww- s. Campbell, OE Gr.
§ 120, 2. 275; zum Wandel von westgerm. *-ar
> nordseegerm. *-ær s. Klein, Wechselbez. zw.
as. u. ahd. Schreibwesen 331 ff. 448 ff.). Sekundä-
ren i-Vokalismus, und zwar wohl verursacht
durch die Flexion als i-Stamm, zeigen afries.
fiouwer, as. fiuwar (P. V. Stiles, NOWELE 6
[1985], 90 f.; doch s. W. v. Helten, IF 18
[1905], 95).

Nach allgemeiner Auffassung hat sich urgerm. *fewōr
zu westgerm. *fear oder *fewar entwickelt (s.
G. P. Cubbin, IF 84 [1979], 226 ff.; zu Modifikationen
s. F. Kluge, PBB 8 [1882], 517 ff.; ders., Urgerm.3
252; V. Jansson, in Bidrag till Nordisk Filologi tillägna-
de Emil Olson [Lund, 1936], 285; E. P. Hamp, Michi-
gan Germ. stud. 2 [1976], 1). Die -Formen sind je-
doch eine nordgerm. Sonderentwicklung (s. o.).

Die im Ost-, Nord- und Westgerm. nachweisba-
re Flexion als i-Stamm beruht wohl auf Anglei-
chung an die Flexion von urgerm. *þrīz <
*trees drei ( drî), und zwar könnten nach
Kasus obliqui wie dem Dat.m.f.n. *þrimiz der
Dat.m.f.n. des Wortes vier zu *feđur-imiz (an-
stelle von *feđur-miz < *ketur-mis) umgestal-
tet und dann dazu erst ein Nom.m. *feđwōrīz
(dazu wieder Dat. *feđwōrimiz > fidworim) /
*feđurīz (> nordgerm. *feđuri-; s. o.) / *feurīz
(> ahd. fiori usw.; s. o.) gebildet worden sein.

Osthoff-Brugmann, a. a. O. I, 131; Weiteres bei
P. V. Stiles, NOWELE 7 (1986), 13 ff.; verfehlt W. v.
Helten, IF 18 (1905), 85 (Brugmann, Grdr.2 II, 2, 14):
Die Basis für die Flexion als i-Stamm sei das von der
Fortsetzung von uridg. *penke bezogene auslautende
*e, dessen germ. Fortsetzung *i als Zeichen eines i-
Stammes interpretiert worden sei. Auslautendes *e
schwindet im Zweisilbler spurlos, d. h., es sind keine
Umlautwirkungen aufgrund eines Wandels von *e zu
*i feststellbar (die 2.Sg.Imp. ahd. ber < *bhére hat e
analogisch von der 2.Pl.Imp. beret bezogen).

Als Ausgangsformen hat man für das Urgerm.
neben dem Kompositionsglied *feđur-/*feþur-
demnach wohl einen Nom.m. *feđwarez, ein
*feđwōr, Fortsetzung des Kollektivs (s. u.), und
einen Dat. *feđurmiz (umgebildet zu *feđuri-
miz) anzusetzen.

Auch in weiteren idg. Sprachen wird das Wort
vier regelrecht flektiert: aind. m. nom. catvra
(av. caθβārō), akk. catúra (av. caturǝ̄; vgl. gr.
hom. πίσυρας; zu -í- s. u.), m.n. instr. catúrbhi,
dat. catúrbhya, gen. caturm, lok. catúru, f.
nom. cátasra (< *ketesres; s. u.), akk. cátasra
(av. cataŋrō), instr. catasŕ̥bhi, dat. catasŕ̥bhya,
gen. catasŕ̥ām, lok. catasŕ̥u, n. nom.akk. catv-
ri (mit sekundärem -i < [**2] als Zeichen des
Neutrums); vgl. apers. *açuuva- Viertel als
Lehnwort im Elam, npers. ahār. Der av. Gen.
caturm ist älter als aind. caturm mit sekun-
därem -n- wie in trīm (vgl. gr. lesb. πισύρων,
att. τεττάρων), wobei die alten Schwundstufen-
formen im Indoiran. zu *atur- ausgeglichen
worden sind (Wackernagel, Aind. Gr. III, 348).
Als Kompositionsglied sind im Indoiran. belegt:
aind. cátur- (catúr-aga- viergliedrig), av. caθ-
βarǝ- < urindoiran. *át- (Hoffmann, Auf-
sätze zur Indoiranistik I, 330) < *két- (vgl.
gr. τρα-; s. u.) neben av. caθru- (Hoffmann,
a. a. O. 187; z. B. jav. caθru.gaoa- vierohrig),
dem gall. petru-, z. B. in Petrucorii (Petrocorii)
Volk von Périgord, eigentlich vier Heere Be-
sitzende
(neben petur-; s. u.), mkymr. pedry-
(pedrylaw geschickt, eigtl. mit viereckiger
Hand
) < uridg. *ketru- entspricht; vgl. auch
lat. quadru- (s. u.).

Gegenüber der Flexion des Indoiran. ist im Gr.
bei dem Wort vier die Femininform verlorenge-
gangen; nur noch das Mask. und Neutr. wird
wie ein Adj. flektiert. Doch zeigen die Dialekte
zahlreiche Lautformen, z. B. m.f. att. τέτταρες,
hom. τέσσαρες (mit Verallgemeinerung von -αρ-
< *), arkad., ion. τέσσερες (< *keteres; vgl.
die Kollektivzahl lit. ketverì, aruss., nruss. et-
vero; s. u.; anders Bechtel, Gr. Dial. III, 156 zu
arkad., ion. τέσσερες: Assimilation *e *a > e
e), lesb. πέσσυρες (neben hom. πίσυρες <
*ketures; zum schwa secundum > -í- im Gr.
s. u. und vgl. lat. quattuor), böot. πέτταρες, dor.
τέτορες (< *ketores mit -τ- statt -ττ- aus dem
Dat. τέτρασι oder eher als Umbildung von dor.
*τέσσορες nach dem Akk. *τετυρας, Gen. *τε-
τυρων, so A. Lillo, Mü. Stud. z. Spr.wiss. 49
[1988], 72 f.), n. τέτταρα, τέσσερα usw. neben
dem Kompositionsglied τετρα/τετρο- (τετρά-
πους; vgl. auch myken. instr. qe-to-ro-po-pi von
κwετρόποπφι vierfüßig; s. Jorro-Adrados, Dic-
cionario Griego-Español II: Diccionario Micénico
[DMic.] II [Madrid, 1993], 203), τρα-, myken.
to- (τράπεζα bzw. to-pe-za Tisch) mit
Schwund von *k bei einer Vorform *kt-
(vgl. urindoiran. *át-; s. o.), τρυ- (τρυ-φάλεια
Helm mit vier φάλοι) < *ktru- (mit Schwund
von *k; vgl. aind. turya-, jav. tūiriia- der
vierte
gegenüber jav. ā-xtūirīm viermal < *ā-
kturīam [Hoffmann, a. a. O. 190 Anm. 1] < in-
doiran. *(k)tur- < uridg. *ktur- [s. J. Schind-
ler, Sprache 23 (1977), 34; Cowgill-Mayrhofer,
Idg. Gr. I, 118]; aber mit anderer Vereinfachung
des Anlauts arm. kcaasown vierzig < *kt-),
eine Vielfalt, die im Gr. vor allem auf der un-
terschiedlichen lautlichen Entwicklung von ur-
idg. *k und *t, gegebenenfalls mit Schwund
von *k, aber auch auf verschiedenen Ablaut-
formen beruht.

Gegenüber dem Gr. findet sich im Kelt. wieder-
um auch Flexion des Femininums. So steht ne-
ben m. Nom. air. cethair (< *ketōres; mit *ō;
vgl. got. fidwor), Gen. m.n. cethre (*ketōrion
nach *trion), Akk. cethri (*ketorins mit Um-
bildung nach *trins?), N. nom.akk. cethair
(*ketōri; vgl. aind. catvri) eine Lautform F.
nom. cethoir, cethéoir (*ketesores; zu -éoir vgl.
air. téoir drei; Thurneysen, Gr. of OIr. 246;
anders W. Cowgill, Lang. 33 [1957], 341 f.: vor-
urkelt. *ketesres); vgl. aind. nom.akk. tisrá (
drî), akk. cethora, cethéora (*ketesors), gen.
cethéora; nach den üblichen Kompositionsglie-
dern ist die Kompositionsform air. cethar- um-
gebildet; vgl. demgegenüber gall. petor-ritum
vierrädriges Fahrzeug (< *petur-). Aus dem
Brit. kommen hinzu akymr. petguar, mkymr.
pedwar (abrit. Stadtname Πετουραρία), korn.
peswar (< *petores), f. peteir, mkymr. pedeir
(*petesres).

Schwierigkeiten bereitet die Lautform von lat.
quattuor, italien. quattro, frz. quatre, rum. pa-
tru, span. cuatro usw. (< nom.akk.n.? *ketr;
zur Kürzung von Langvokalen vor auslauten-
dem r im Lat. s. Leumann, Lat. Laut- u. Formen-
lehre 111) mit tt das Zahlwort ist nach dem
Vorbild von quīnque usw. indeklinabel. In An-
betracht von lat. battuō ich schlage < *batō,
bei dem tt auf eine durch * verursachte Konso-
nantengemination zurückgeführt werden kann,
darf man wohl auch bei quattuor eine Lautent-
wicklung von *t zu tt annehmen (Lühr, Ex-
pressivität 80 f.; anders R. G. Kent, Lang. 3
[1927], 13: Wandel von āt > att, wobei ā aus
dem Ordinale quārtus mit Dehnung vor r +
Konsonant stamme). Die Lautfolge *ket- mit
schwa secundum ist dabei auch für gr. hom.
πίσυρες (s. o.), slaw. *ьtyr- (tschech. tyi), alb.
katër vier anzunehmen (E. P. Hamp, IF 74
[1969], 153; anders H. Pedersen, Zfvgl. Spr. 38
[1905], 420: slaw. *ь unter bestimmten Bedin-
gungen < *e). Neben lat. quattuor erscheint im
It. osk. (Festus-Paulus) nom.akk.n. petora quat-
tuor
(< *ketor-), petiru- in petirupert, petiro-
pert viermal (< *petiro- mit Wandel von *-r
vor Vokal > r), dessen Ausgangspunkt *petriā
eine Umbildung nach *triā drei (vgl. umbr. tri-
iuper dreimal) darstellt (Buck, Gr. of Oscan
and Umbrian § 100, 2. 191, 4. 192; Brugmann,
Distrib. u. koll. Numeralia 28); und als Kompo-
sitionsglied findet sich lat. quadri-, (vor p auch)
quadru- < *ketru- (mit unklarem -d-; s. Leu-
mann, a. a. O. 198) vgl. lat. quincu- (mit einem
nach quadru- analogischen -u-) , umbr. petur-
(peturpursus quadrupedibus; Buck, a. a. O.
§ 263); vgl. auch südpiken. petroh < *petro-
Vierer und lat. Cognomen Petra, Gentilname
Petrōnius (s. G. Klingenschmitt, in Lat. u. Idg.
90).

Gegenüber dem It. und Kelt. deuten die balto-
slaw. Lautungen auf balt. *ketur- (vgl. aind. ca-
túr-) bzw. slaw. *ketūr-, wobei im Vorurslaw.
das Verhältnis *-ōr- : *-ur- zur Dehnung von
*-ur- > *-ūr- geführt haben dürfte (Vaillant,
Gr. comp. des langues slaves II, 2, 628; doch vgl.
den Ablaut von aksl. kvasъ Sauerteig : kysě
sauer (Aitzetmüller, Abulg. Gr. § 54; kaum
*-ūr- auch in got. fidūr-; so Brugmann, Grdr.2
II, 2, 14). Während im Lit. keturì (lett. etri mit
aus dem Russ., gegenüber alett. cettre und dem
Ordinale lett. ctutais = lit. ketvitas, apreuß.
kettwirts), kturios f. als o/ā-Stamm flektiert
(abweichend jedoch der Akk.m. kturis < *ke-
turs, wie aind. catúra; vgl. oben), zeigt das
aksl. Wort die Flexion eines Konsonanten-
stamms: aksl. nom.m. etyre, f.n. etyri, m.f.
akk. etyri, m.f.n. gen. etyrъ (auch etyrjь
durch Vermischung mit der o-Flexion), dat. e-
tyremь, instr. etyrьmi, lok. etyrechъ. Als Kol-
lektivzahl kommt im Balt. und Slaw. vor: lit. ket-
verì bzw. aksl. etvorъ vier, viererlei, vierfach,
russ.-ksl. etvoro, aruss. etvero, russ. étvero
vier (< urslaw. *etvoro, *etvero; vgl. lit. f.
ktverios und aind. catvarám n. viereckiger
Platz, Hof
; s. Brugmann, Distrib. u. koll. Nu-
meralia 25); zum unterschiedlichen Ablaut im
Balto-Slaw. vgl. auch russ.-ksl. etvьrgъ Don-
nerstag
gegenüber lit. ketvérgis vierjährig. Die
Kompositionsform lautet im Lit. ketur- (ketur-
kõjis vierfüßig) und im Aksl. etver- (etvrědь-
nevьnъ viertägig, etvrěnogъ vierfüßig).

Wie urgerm. *feđwariz und aind. atvra, gr.
dor. τέτορες weisen auch arm. nom. corkc (akk.
cors; mit Wandel von *k > c, einem nach
der Fortsetzung des Ordinale *keto- < *ke-
tto- analogischen Schwund von *t und Ent-
wicklung des sich so ergebenden *heoreh >
*hooreh > *horeh; G. Klingenschmitt münd-
lich; vgl. auch H. Pedersen, Zfvgl. Spr. 39
[1906], 396) und toch. A twar, B twer auf ur-
idg. *ketóres m. Während im Aind. und Kelt.
f. *ketesres fortgesetzt ist (s. o.), stammt das
Fem. toch. B twāra dagegen mit Assimilation
*a *ā > *ā *ā (s. W. Cowgill, Lane-Fest-
schrift 171 ff.) von einer Vorform urtoch.
*k’ätarā her, auf die sich auch die für das Fem.
gebrauchte Form toch. A twar zurückführen
läßt (bei einem für toch. B twāra möglichen
Ansatz *ketō [**ketōrH2] mit *ǝ wie in
der Vorform des aind. Neutrums catvri findet
die Verwendung von A twar auch für das Fem.
keine Erklärung; G. Klingenschmitt mündlich).

Aus all diesen Belegen ergeben sich für das Ur-
idg. die Formen *ketóres m. (akk. *ketúrs,
gen. *kturóm, instr. *ktbhís, lok. *két-
su?), *kétes(o)res f. und ein Kollektiv *ketr
(lat., got., aind.) mit einer nach dem Mask.
*ketóres analogischen Akzentuierung; zum
Akzent vgl. insbesondere die Vorform von got.
fidwor.

Unzutreffend setzt R. Schmitt-Brandt (Die Entwick-
lung des indogermanischen Vokalsystems [2Heidelberg,
1973], 24 Anm.) eine Vorform *keter- für gr. αρ in
att. τέτταρες usw. an; vgl. Szemerényi, Syncope in Gr.
and IE 288.

Für das Mask. vorauszusetzendes *kétores
hat nach dem voruridg. Akzentgesetz *é - o - x
> uridg. *e - ó - x eine Akzentverschiebung zu
*ketóres erfahren, wie sie auch beim Perf.
(z. B. *e-órt-e gegen präs.inj. *dhé-dhō-t
[**dhé-dhoH1-t]) begegnet (H. Rix, Knobloch-
Festschrift 348 Anm. 12; G. Klingenschmitt, in
Tocharisch 389 Anm. 131).

Wegen der Vollstufe *-er- in ion. τέσσερες usw.
nimmt R. S. P. Beekes (JIES 15 [1987], 215 ff.) ein Pa-
radigma Kollektiv nom. *két-uōr, akk. *kt-uér-,
gen. *kt-ur-ós, m. nom. *két-uor-es, akk. *kit-
uér-s (mit Wandel von *e > *i wegen gr. lesb. πι-
σύρων), gen. *kt-ur-óm, f. *ket-ur-sr-es? an. -í- in
gr. πισύρων dürfte jedoch eine nur gr. Lautentwick-
lung eines schwa secundum in labialer Umgebung
darstellen, wobei schwa secundum hinter zweifacher
Konsonanz vor Resonant aufgekommen sein dürfte
(G. Klingenschmitt mündlich).

Walde-Pokorny I, 512; Pokorny 642 ff.; Mann, IE
Comp. Dict. 1030; Szemerényi, Einf. in die vgl.
Sprachwiss.4 235; Mayrhofer, K. et. Wb. d. Aind. I,
371 f.; ders., Et. Wb. d. Altindoar. I, 526 ff. 657; Mo-
nier-Williams, Skt.-Engl. Dict. 384 f.; Bartholomae,
Airan. Wb.2 310. 656 f. 577 ff.; Horn, Grdr. d. npers.
Et. 101; Boisacq, Dict. ét. gr.4 960 f.; Frisk, Gr. et.
Wb. II, 883 f. 917 f. 937; Chantraine, Dict. ét. gr.
1108 f.; Brugmann, Griech. Gram. § 235; A. Thumb,
Handbuch der griechischen Dialekte (Heidelberg,
1909), 156; Schwyzer, Gr. Gram.2 I, 351 f. 589 f.; Un-
termann, Wb. d. Osk.-Umbr. 550 f.; Walde-Hofmann,
Lat. et. Wb. II, 400 f.; Ernout-Meillet, Dict. ét. lat.4
553 f.; Meiser, Hist. Laut- u. Formenlehre d. lat. Spr.
§ 65, 5. 88, 4. 116, 4; Du Cange2 VI, 604 f.; Körting,
Lat.-rom. Wb.3 Nr. 7652; Meyer-Lübke, Rom. et.
Wb.3 Nr. 6945; Meyer, Et. Wb. d. alb. Spr. 181 (doch:
alb. katër < lat. quattuor; zustimmend Brugmann,
Grdr.2 II, 2, 13); Orel, Alb. et. dict. 173 f.; Tagliavini,
L’albanese di Dalmazia 144; G. Meyer, BB 8 (1883),
185; Huld, Basic Alb. Etym. 79; Hübschmann, Arm.
Gr. 485; R. Schmitt, Gr. d. Klass.-Arm. 129. 131;
Trautmann, Balt.-Slav. Wb. 131; Miklosich, Et. Wb.
d. slav. Spr. 36; Berneker, Slav. et. Wb. I, 153; Sad-
nik-Aitzetmüller, Handwb. zu den aksl. Texten 16;
Arumaa, Urslav. Gr. III § 167; Vasmer, Russ. et. Wb.
III, 331 f.; Meillet, tudes sur l’étym. 231; Fraenkel,
Lit. et. Wb. 247 f.; Mühlenbach-Endzelin, Lett.-dt.
Wb. I, 410; Trautmann, Apreuß. Spr.denkm. 357;
Stang, Vgl. Gr. d. balt. Spr. 278; Holder, Acelt. Spr. II,
973; Vendryes, Lex. ét. de l’irl. anc. C-86 f.; Dict. of
Irish C-157 ff.; E. P. Hamp, riu 24 (1975), 177 f.;
J. Schmidt, Zfvgl. Spr. 25 (1881), 43 ff.; Billy, Thes.
ling. Gall. 118 f.; Pedersen, Vgl. Gr. d. kelt. Spr. I, 14;
II, 128; Windekens, Lex. ét. tokh. 133 (doch verfehlter
Ansatz *keteres für das Toch.); A. Meillet, MSLP
17 (191112), 287; Windekens, Le tokharien 489 (mit
Rückführung von toch. B ā in tāra auf uridg. *ō;
s. o.); Adams, Dict. of Toch. B 641 f.; ders., Toch.
hist. phon. and morph. 641 f.; G.-J. Pinault, Lalies 7
(1989), 61; Brugmann, Grdr.2 II, 2, 12 ff.; Szemerényi,
Stud. in IE Numerals 15 ff. 79 ff. 115 ff.; R. E. Emme-
rick, in Indo-European Numerals 167 f. 295 ff.;
W. Winter, ebd. 106. 349; F. M. J. Waanders, ebd.
371 ff.; R. Coleman, ebd. 393 ff. 424 f.; D. Greene,
ebd. 508 f. 539; B. Comrie, ebd. 741 ff.; E. P. Hamp,
ebd. 907.

Zu vorgr. διθύρ-αμβος als Entsprechung von aind.
cátur-aga- s. W. Brandenstein, IF 54 (1936), 34 ff.

Die frühere Rückführung von heth. nom. sg. ku-ut-ru-
a-a /kutruā/ Zeuge auf eine Vorform *ktru-
vierter (C. H. Carruthers, Lang. 9 [1933], 151 f.)
wird von Oettinger (Stammbildung d. heth. Verbums
494 Anm. 94: *ktrun-s) und H. Eichner (in Lautge-
schichte und Etymologie 140: *ktruo-, jedoch Plene-
schreibung bei der Labiovelarkontinuante ku-u-ut-
ru-wa-a-iz-zi läßt bezeugen) wieder aufgegriffen (zu
anderen Auffassungen s. Tischler, Heth. et. Gl. I,
681 f.).

Daß es sich bei der Vorform von uridg. *ketóres um
eine alte Zusammensetzung *oket(o)-ro- Spitzen-
reihe
aus einer zu dem Wort acht gehörigen Lautung
*oketom und der Vorform von aind. vāra- Reihe, lit.
vorà Reihe handelt (F. Muller, IF 44 [1926], 137 f.),
ist völlig ungewiß; wie auch O. Bremers (Streitberg-
Festgabe [1924], 20 f.) Herleitung von *kétóres aus
*okétores, einer Ableitung von *oketoe Paar von
je 2 Augenheit
= 2 + 2 Augen. Bremer hat sich of-
fenbar verrechnet; man erhält 2 und 4, nicht 4 und
8 (Muller, a. a. O. 137). So bemerkt Bremer selbst:
... nur sehe ich dann keinen Weg, wie 4 die Bedeu-
tung von 8 angenommen haben sollte, während oketo-
= 2 durch das hinzugefügte res (< dō + -res?) die
Bedeutung von 4 erhalten haben könnte.
Unerweis-
bar ferner H. Günterts (WuS 11 [1928], 141 f.) Ver-
bindung mit lat. triquetrus dreieckig (aufs vierspitzige
Kreuzzeichen hindeutend: vierspitzig > vier Teile >
vier); s. A. J. v. Windekens, IF 87 (1982), 8 ff., nach
dem jedoch das Element *ke- von *ketóres usw.
(wie in *pénke fünf; fimf) uridg. *ke und
gleichzusetzen (ebenso A. J. Carnoy, Lefort-Festschrift
564) und *-tor- zu lit. tveriù, tvérti fassen, greifen
usw. zu stellen sei. Spekulativ auch E. A. Ebbinghaus,
PBB 72 (1950), 319 ff.: Die Basis des Wortes acht lie-
ge in *ékǝtu- vier vor, woraus mit Abtönung des
vollstufigen *é zu *ó und Nullstufe in der zweiten Sil-
be die Form *oktōu entstanden sei. Aus der Grund-
form *ékǝtu- sei der Nom. *kǝtós entstanden, der
mit einem Determinativ zusammen *-os + r dann -or
(*ketōr vier) ergeben habe; B. op, Ural-Altaische
Jbb. 44 (1972), 170: *ket-or-es mit *er- Mann
wie *kete-sor-es mit *sor- Frau; dagegen Szeme-
rényi, Kinship Terminology 40: *ket-esores; unzutref-
fend R. Normier, IF 85 (1981), 47 (heth. -sara- in has-
sussara- Königin usw. sei nichtidg. Herkunft; drî).

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Band III, Spalte 264

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