hâg(g)o, hâcko, hâko
Band IV, Spalte 739
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hâg(g)o, hâcko, hâko m. n-St., seit dem
8. Jh. in Gl.: Haken, gebogene zweizinkige
Gabel; furca, raster, rastrum, uncinus, un-
cus
Var.: --, -ou-, -au-, -ai-; -cch-, -cc-,
-ch-, -c-, -cg-. Die Länge des -a- bereits in
ahd. Zeit ist durch mehrfache Schreibungen
mit -â- gesichert (Schützeichel, Glossen-
wortschatz 4, 119 f.); daher ist die Annahme,
daß der Langvokal das Resultat der mhd.
Dehnung in offener Tonsilbe sei (Darms
1978: 507), abzulehnen. Die vielfältigen
Schreibungen des Inlautskonsonantismus
lassen sich auf vorausgehendes *gg zurück-
führen (Lühr 1988: 286; Braune-Reiffenstein
2004: § 148 f.); folglich braucht kein Einfluß
des Verbs nhd. hacken angenommen werden
(so Darms 1978: 508 Anm. 204). Mhd.
hâke(n) sw./st. m. Haken, nhd. Haken m.
ganz oder an der Spitze gebogenes und da-
her zum Festhalten, Aufhängen, Ziehen die-
nendes Gerät
.

Ahd. Wb. 4, 602 f.; Splett, Ahd. Wb. 1, 340 f.; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 506 f.; Schützeichel⁶ 146; Starck-
Wells 248. 849; Schützeichel, Glossenwortschatz 4,
114. 119 f.; Seebold, ChWdW8 151; Graff 4, 763; Le-
xer 1, 1145 f.; Götz, Lat.-ahd.-nhd. Wb. 282 (furca).
553 (raster, rastrum). 686 (uncinus, uncus); Dt. Wb.
10, 177 ff.; Kluge²¹ 283; Kluge²⁴ s. v.; Pfeifer, Et.
Wb.² 496 f.

In den anderen germ. Sprachen gibt es keine
direkten Entsprechungen zu *χēggan-.

Ähnliche Bildungen erscheinen in: as.
(-)hako (sicher wohl nur im Komp. ketilhako
Kesselhaken [Gl. 3,388,32: cremacula . ke-
tehake]; der einzige Beleg des Simplex Gl.
2,584,7: uncis . hácon kommt nämlich in ei-
ner Hs. vor, in der sich auch ahd. Elemente
finden [vgl. Bergmann-Stricker, Katalog Nr.
105], so daß hácon auch ahd. sein kann),
mndd. hāke m. Haken; mndl. hāke, haec,
nndl. haak Haken; nfries. heak Haken; ae.
haca m., me. hāke Haken; aisl. PN Haki,
nisl. haki, ndän. hage, nschwed. hake (aus
dem Nordgerm. entlehnt in ne. dial. hake): <
urgerm. *χakan-. In Anbetracht der weitver-
breiteten Form mit kurzem -a- liegt die An-
nahme nahe, daß die ahd. Variante mit -â-
aus hâho Haken (s. d.) übernommen ist
(vgl. Lühr 1988: 286).

Eine Weiterbildung mit dem Konkretabe-
zeichnungen bildenden Suffix urgerm. *-a-
(zum Suffix vgl. Krahe-Meid 1969: 3, § 92,
5) findet sich in ae. hæcce f. Krummstab,
Bischofsstab
< urgerm. *χakōn- (auf die
gleiche Vorform geht auch ahd. hacka² Fer-
se
zurück [s. d.]).

Daneben steht im Germ. eine dehnstufige
Form urgerm. *χōka- m., fortgesetzt in:
mndd. hōk, hūk Ecke, Winkel, Zimmer-,
Straßenecke
(das bei Holthausen, As. Wb.
35 angeführte as. hōk Haken, Angel scheint
nicht zu existieren); mndl. hoec, nndl. hoek
Ecke, Winkel; afries. hōk Ecke, Gegend;
ae. hōc m. Haken, me. hōk, ne. hook Ecke,
Winkel, Haken
; nschwed. dial. hōk Ecke,
Vorsprung
.

Eine weitere Ableitung mit einem Konkreta
bezeichnenden Suffix, urgerm. *-ōn-, von
urgerm. *χōka- (wohl nicht wie von Darms
1978: 302 vorgeschlagen eine Umbildung
von urgerm. *χaka-) tritt in aisl. hœkja
Krücke auf. Urgerm. *χōka- selbst ist im
Nordgerm. nicht fortgesetzt.

Fick 3 (Germ.)⁴ 66; Holthausen, As. Wb. 30. 35;
Wadstein, Kl. as. Spr.denkm. 98. 189; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. 1, 2, 194 f.; 2, 335;
Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 2, 175. 283 f.; Verwijs-
Verdam, Mndl. wb. 3, 30 f.; Franck, Et. wb. d. ndl.
taal² 222. 255; Suppl. 63; Vries, Ndls. et. wb. 228.
260; Et. wb. Ndl. F-Ka 358. 440 f.; Holthausen,
Afries. Wb.² 46; Fryske wb. 8, 188 ff.; Doornkaat
Koolman, Wb. d. ostfries. Spr. 2, 7 f.; Dijkstra,
Friesch Wb. 1, 487; Holthausen, Ae. et. Wb. 143. 167;
Bosworth-Toller, AS Dict. 497. 498. 548; Suppl.
493 f. 556; Suppl. 2, 41; ME Dict. s.vv.; OED² s.vv.
hake n.². hook n.¹; Vries, Anord. et. Wb.² 203;
Bjorvand, Våre arveord 337 f.; Jóhannesson, Isl. et.
Wb. 207; Fritzner, Ordb. o. d. g. norske sprog 1, 160;
Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 104; Falk-Torp,
Norw.-dän. et. Wb. 371 f.; Nielsen, Dansk et. ordb.
171; Ordb. o. d. danske sprog 7, 691 f.; Torp, Nynorsk
et. ordb. 194; Hellquist, Svensk et. ordb.³ 327;
Svenska akad. ordb. s. v. Darms 1978: 302; Lühr
1988: 285 f.

Unklar ist die weitere Etymologie. Seman-
tisch am naheliegendsten ist die Verbindung
mit nruss. kógot’ Klaue, Fang des Raubvo-
gels, gekrümmte Eisenspitze
, ukrain. kóhot’,
wruss. kóko, osorb. kocht Dorn, Stachel,
Spitze [an der Ähre]
. Die Vorstufe wäre
dann *kogh-. Die Verbindung setzt jedoch
voraus, daß die Lautung urgerm. *-k- sekun-
där ist (vgl. hierzu Lühr 1988: 286 mit weite-
ren Parallelen).

Die häufig als Verwandte aufgeführten Wörter lit.
keng (Angel-)Haken, lett. enis Haken sind aus
dem Germ. entlehnt (vgl. Et. wb. Ndl. F-Ka 358).

Wegen der Ablautverhältnisse ist die Annahme eines
Substratwortes (so etwa Vennemann 2003: 670) we-
nig wahrscheinlich.

Walde-Pokorny 1, 382 f.; Pokorny 537 f.; Vasmer,
Russ. et. Wb. 1, 588; Schuster-ewc, Hist.-et. Wb. d.
Sorb. 585; Fraenkel, Lit. et. Wb. 239; Mühlenbach-
Endzelin, Lett.-dt. Wb. 2, 366.

S. hechit.

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