bacho, pacho
Band I, Spalte 417
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bacho, pacho m. n-St.: Rücken, dorsum;
Schinken, Speckseite, perna, petasunculus
; ein-
mal als bah n. a-St. (?) belegt, Gl. 4, 221, 21
(9. Jh., s. Schindling, Murb. Gl. 181) im Sinne
von Rücken, tergum, und zwar in der Wen-
dung hindir bah hinten. Mhd. bache sw. m.
steht nur noch für Schinken, (geräucherte)
Speckseite
. Ins Nhd. ist das Wort als Bache f.
oder Bachen m. (bes. süddt.) mit der Bed. (wil-
des) Mutterschwein, Wildsau
übernommen
worden, seit dem 16. Jh. aus der Jägersprache
adoptiert. Dagegen lebte es im Sinne von
Speckseite des Schweins in obd. Mdaa. (bes.
bair.) noch bis ins 19. Jh. fort, wird aber seit-
dem immer mehr durch regionale Synonyme
wie Schinken, Schlegel, Speck verdrängt, s.
Kranzmayer, Wb. d. bair. Mdaa. in Österr. II,
22 f.; Lexer, Kärnt. Wb. 13; Schmeller, Bayer.
Wb.2 I, 193 f.; weiterhin: Schweiz. Id. IV, 963;
Ochs, Bad. Wb. I, 104; Fischer, Schwäb. Wb. I,
554 f. (veraltet); Jutz, Vorarlb. Wb. I, 213.

Ahd. Wb. I, 780. 779 (bah); Starck-Wells 40; Graff
III, 29; Schade 36; Lexer I, 109; Benecke I, 76; Die-
fenbach, Gl. lat.-germ. 428 (perna). 431 (petasuncu-
lus); Dt. Wb. I, 1061 f.; Kluge21 43.

Verwandte des ahd. Wortes, die jedoch meist
dem a-Stamm bah, nur selten dem n-Stamm ba-
cho entsprechen, finden sich in allen germ. Dia-
lekten (außer Got.): as. bak n. Rücken, mndd.
bak m., auch bāke f.; mndl. bac m., auch bake
m. f., nndl. bak m.; afries. bek m.; ae. bæc n.,
me. ne. back Rücken (ne. bacon Speck[seite]
< afrz. bacon, das seinerseits auf andfrk. *bak-
[k]o zurückgehen dürfte, s. Wartburg, Frz. et.
Wb. I, 208 f.; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.3 Nr.
889); aisl. bak n., nnorw. nschwed. bak, ndän.
bag; dazu ndän. tilbage, nschwed. tillbaka zu-
rück
; außerdem anord. baka f. Speckseite (<
mndd. bake).

Fick III (Germ.)4 259; Holthausen, As. Wb. 5; Sehrt,
Wb. z. Hel.2 37; Berr, Et. Gl. to Hel. 38 f.; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 134; Schiller-Lübben,
Mndd. Wb. I, 142 f.; Verdam, Mndl. handwb. 50;
Vries, Ndls. et. wb. 26 (bakboord); Holthausen, Afries.
Wb. 6; Richthofen, Afries. Wb. 622; Holthausen, Ae.
et. Wb. 14; Bosworth-Toller, AS Dict. 65; Suppl. 60;
ME Dict. AB, 613; OED I, 609 f. 617; Vries, Anord.
et. Wb.2 23; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 608 f.; Holthau-
sen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 10; Falk-Torp, Norw.-
dän. et. Wb. 41 f.; Torp, Nynorsk et. ordb. 14; Hell-
quist, Svensk et. ordb.3 27.

Bei der Suche nach außergerm. Zs.hängen er-
weist sich das Wort samt seinen germ. Entspre-
chungen als eine ausschließlich germ. Bildung:
*bak-a-/*bak-n-, die letzten Endes auf eine Wz.
*bheg-: *bhog- (sich) biegen, wölben zurück-
geht und in diesem Falle auf Teile des mensch-
lichen oder tierischen Körpers bezogen ist (
backo und bank). (Auch anord. grey-baka f.
Hündin, Dirne gehört wohl hierher sowie mit
e-Stufe anord. bikkja f. dss. [< *bek-jōn s.
Noreen, Aisl. Gr.4 § 169 und 279, 1; Vries, A-
nord. et. Wb.2 36], ae. bicce, ne. bitch; zum Bed.-
übergang vgl. C. J. S. Marstrander, IF 20 [1906/
7], 351 f.)

Dagegen sind sloven. bòh Speckseite, atschech. bóch,
buoch, apoln. boch Rumpf eines geschlachteten
Haustiers
nicht, wie noch P. Lessiak vermutete (PBB
28 [1903], 119) urverwandt, sondern entlehnt, und
zwar schon in frühahd. Zeit, vor dem Wandel von b-
zu bair. p- und von urslav. -a- zu aslav. -o-, s. Sad-
nik-Aitzetmüller, Vgl. Wb. d. slav. Spr. 375 Nr. 285;
Berneker, Slav. et. Wb. I, 67; O. Gutsmann, Dt.-win-
disches Wb. (Klagenfurt, 1789), 274; Kranzmayer,
Wb. d. bair. Mdaa. in Österr. II, 22.

Walde-Pokorny II, 148; Pokorny 107; Persson, Stud.
z. Wurzelerw. 190.

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