bergan, pergan
Band I, Spalte 554
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bergan, pergan st.v. III bergen, (auf)bewah-
ren, (sich) verbergen, abscondere, recondere, ce-
lare
; mhd. nhd. bergen.

Ahd. Wb. I, 904 ff.; Schützeichel3 14; Starck-Wells
47; Graff III, 169 f.; Schade 51; Lexer I, 190; Benecke
I, 158 f.; Dt. Wb. I, 1507 ff.; Kluge21 66 f.

Ein entsprechendes Verb ist in jedem germ.
Dialekt belegt: as. gibergan bergen, bewahren,
mndd. bergen (ver)bergen, in Sicherheit brin-
gen, nähren
; andfrk. bergin abscondere (Hel-
ten, Aostndfrk. Psalmenfragmente 96), mndl.
nndl. bergen (ver)bergen; afries. bergia sw.v.
bergen, schützen ([?] nach Holthausen, Afries.
Wb. 136; vgl. nfries. bergje dss.; Dijkstra,
Friesch Wb. I, 101); ae. beorgan bergen, retten,
schützen
, me. berwen, ber(e)gen (ne. ausgestor-
ben); aisl. nisl. bjarga bergen, retten, nnorw.
berga, nschwed. bärga, ndän. bjerge; got.
(ga)bairgan bergen. Ablautend ahd. borgên
sich hüten, achtgeben; schonen; burgo Bürge
(s. d. d.).

Fick III (Germ.)4 265; Seebold, Germ. st. Verben
106 f.; Holthausen, As. Wb. 6; Sehrt, Wb. z. Hel.2 45;
Berr, Et. Gl. to Hel. 48; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. I, 1, 219; Verdam, Mndl. handwb. 77;
Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 51; Vries, Ndls. et. wb. 46;
Holthausen, Ae. et. Wb. 20; Bosworth-Toller, AS
Dict. 85; Suppl. 79 f.; ME Dict. AB, 759 f.; Vries, A-
nord. et. Wb.2 39; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 624; Holt-
hausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 17; Falk-Torp, Norw.-
dän. et. Wb. 77; Torp, Nynorsk et. ordb. 22; Hellquist,
Svensk et. ordb.3 122; Feist, Vgl. Wb. d. got. Spr. 76.

Sichere Vergleiche sind aufs Balt.-Slav. be-
schränkt: aksl. -brěg, -brěti (< *berg, *berkti
mit gew. Metathese; vgl. Torbiörnsson, Ge-
meinslav. Liq.metathese II, 5) sorgen, nur in ne-
brěti vernachlässigen, außer acht lassen; russ.
beregú, beré hüten, bewahren, schonen, spa-
ren
; ukr. berehú, bere hüten, bewahren; mit
Schwundstufe (*bhgh-): lit. (mdartl.) bìrginti
sparen, geizig sein; tschech. brh Höhle, Hütte,
Zelt
; mit o-Stufe (*bhorgh-): ukr. oboríh (gen.
oboróha) Heuschober, tschech. brah Heu-
schober, Haufen
, poln. bróg Scheune, Scho-
ber
.

Walde-Pokorny II, 172; Pokorny 145; Berneker,
Slav. et. Wb. I, 49; Trautmann, Balt.-Slav. Wb. 31;
Miklosich, Et. Wb. d. slav. Spr. 10; Vasmer, Russ. et.
Wb. I, 76; Sadnik-Aitzetmüller, Vgl. Wb. d. slav. Spr.
Nr. 232; Fraenkel, Lit. et. Wb. 44.

Verfehlt Hirt, PBB 23 (1898), 332: aksl. -brěg sei ein
Lehnwort aus dem Germ.; s. Kiparsky, Gemeinslav.
Lehnw. aus d. Germ. 59 und die o. angef. slav. Wbb.

Die germ. und balt.-slav. Wörter führen auf
eine idg. Wz. *bhergh- zurück (wegen der balt.-
slav. Formen nicht *bherh-, wie Pokorny 145
ansetzt). Außerhalb dieser Sprachfamilien sind
die wenigen vorgeschlagenen Vergleiche sehr
zweifelhaft.

Nach C. Tagliavini, Zfrom. Ph. 46 (1926), 48 ff. und
G. Bonfante, BSLP 36 (1935), 143, ist das roman.
Wort *barga Hütte (älter. span. port. barga Stroh-
hütte
, tirol. bark Viehstall auf der Alpe, frz. barge
Heu-, Holzhaufen usw.) ein illyr. Wort, das mit der
Sippe von germ. *bergan- urverwandt ist. Anders J.
Jud, Romania 46 (1920), 468 ff. (gallisch, nicht hier-
her); s. auch Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.3 Nr. 958;
Wartburg, Frz. et. Wb. I, 253 f.

N. Jokl, ZONF 10 (1934), 183 ff. lehnt die gew. Er-
klärung von alb. burk, -gu unterirdisches Vorrats-
haus, Keller, Gefängnis
als ein Lehnwort aus mlat.
burgus ab (so Meyer, Et. Wb. d. alb. Spr. 54 f.) und
vergleicht es mit germ. *bergan- (da Burg auch als
Bergname vorkommt, denkt Jokl an einen Zusam-
menfall von idg. *bherh- Berg (Burg) und *bhergh-
bergen im Alb. Einen ähnlichen Zusammenfall sieht
Detschew, Thrak. Sprachreste 80 f. in dem thrak. PN
Burgaena f. (< einem ON *Burga).

Wohl nicht hierher osset. æmbærzyn bedecken,
iværz versprechen (V. I. Abaev, Annali, Ist. Univ.
Or., Napoli 4 [1964], 33), denn z ist < *, nicht *g.
Abzulehnen P. Kretschmer, Glotta 22 (193334), 114:
das Verbum *bergan- sei eine retrograde Bildung zu
*bhergh- Berg (Burg) mit der urspr. Bed. bringe
auf einer Fluchtburg unter
. Umgekehrt versucht L.
Motz, IF 81 (1976), 204 ff. Berg, Burg und bergen
alle auf eine urspr. Wz. *bhergh- bergen, einhegen
zurückzuführen; nach E. Hamp, Homenaje a Antonio
Tovar (Madrid, 1972), 178 f., dagegen gehen sie alle
auf *bherh- increase, grow zurück (die balt.-slav.
Formen seien aus dem Germ. entlehnt; dagegen Sad-
nik-Aitzetmüller, a.a.O.); ebenso unwahrscheinlich.
Zum Verwandtschaftsproblem dieser drei Wörter
burg; s. auch berg.

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