loh
Band V, Spalte 1418
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loh n. a-St., im Voc (3,1,36), Abr (1,
20,35 [Pa, Ka]. 196,38 [Pa, Kb]. 262,23 [Kb,
Ra]) und weiteren Gl., T, OT, Ph, NMC, Nps
und Npg: Hohlraum, Spalt, Höhle, Loch,
Erdloch, Grube, kleine Kammer, kleine Öff-
nung, Abgrund, Einzäunung; (agger), ant-
rum, baratrum [= barathrum], cella, cubile,
foramen, fovea, morsus, os, palatus, pertu-
sura, saeptum, specus, spelunca, spiramen-
tum, valvae, vorago
, loh nâldûn Nadelöhr;
foramen acus
Var.: pl. -u-; -hh-, -ch-.
Etym. nicht berechtigt ist h- in hloh (1,20,35
[Ka]). Neben dem regulären Dat.Pl. -um
(z.B. lohhum in 1,196,38 [Ka]) begegnet der
Dat.Pl. -irum nach dem Muster der Fort-
setzungen der *-iz-/-az-St. Im Akk.Pl. ist der
-ir-Pl. durchgängig verwendet (z.B. locher in
Gl. 2,699,36 [10./11. Jh., mfrk.]). Mhd.
loch, luch st.n., pl. loch und löcher, lücher
Loch, Öffnung, Verschluss, Gefängnis, Höl-
le, Versteck, Höhle, Stollen im Bergwerk
,
frühnhd. loch n., pl. löcher Öffnung, Durch-
gang, Schlupfloch, Höhlung, Vertiefung, Gru-
be, Gefängnis, Körperöffnung
, in zahlrei-
chen phras. Wendungen wie ein loch machen
etw. vereiteln, im loch aufstehen im Ge-
fängnis landen
, nhd. Loch n. offene Stelle,
Spalte, Öffnung, Vertiefung, Grube, Lücke,
kleine, dunkle Wohnung
.

Ahd. Wb. 5, 1246 ff.; Splett, Ahd. Wb. 1, 570; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 735; Schützeichel7 205; Starck-Wells
382; Schützeichel, Glossenwortschatz 6, 141 f.; Berg-
mann-Stricker, Katalog Nr. 253. 254. 298 (I). 747.
752; Seebold, ChWdW8 200; ders., ChWdW9 544;
Graff 2, 140; Lexer 1, 1949; 3, Nachtr. 302; Frühnhd.
Wb. 9, 1305 ff.; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 39 (an-
trum). 242 (foramen). 245 (fouea). 430 (pertusura).
545 f. (specus, spelunca); Götz, Lat.-ahd.-nhd. Wb.
161 (cubile). 272 (foramen). 275 (fovea). 457 (os1).
622 (specus, spelunca); Dt. Wb. 12, 1093 ff.; Kluge21
444; Kluge25 s. v. Loch; Pfeifer, Et. Wb.2 807. Brau-
ne-Reiffenstein 2004: § 197. Röhrich 2003: 2, 969
972.

In den anderen germ. Sprachen entsprechen:
as. *lok n. verschlossener Raum (die Form
akk.pl. luhhir ist ahd.), mndd. lok Loch;
mndl. loc Verschluss, nndl. lok Loch;
afries. lok Verschluss, nwestfries. lok Loch;
ae. loc n. Verschluss, me. lo(c)k(e) dss.,
ne. lock dss.; aisl. lok n. Schloss, Deckel,
Versteck, Ende, Schluss
, nisl., fär. lok, adän.
logh, ndän. låg, nnorw. (bm.) lok, (bm., nn.)
lokk, aschwed. lok, luk dss., nschwed. lock
dss.: < urgerm. *luka-.

Daneben existierte eine Ableitung urgerm.
*lukōn- > westgerm. *lukkōn- > ahd. lucka
(s. d.).

Das As. und Ahd. zeigen gegenüber den
anderen germ. Sprachen möglicherweise ei-
nen Bed.wandel von Verschluss > Ver-
schlossenes
> Loch. Doch können hier
auch zwei urspr. verschiedene Etyma zusam-
mengefallen sein, wobei das As. und Ahd.
die Bed. des einen, die anderen germ. Spra-
chen die Bed. des anderen fortsetzen (s. u.).

Aus den nordgerm. Sprachen wurde der
zugehörige n-St. urgerm. lukōn- (vgl. aisl.
loka f. Schloss, Riegel, aschwed. luka, lo-
ka f. Pforte, Tür) auch in die ostseefinn.
Sprachen entlehnt; vgl. estn. lukk, gen. lu-
ku Schloss, Verschluss, ingr., karel. lukku
dss. etc.

Fick 3 (Germ.)4 372; Tiefenbach, As. Handwb. 248;
Wadstein, Kl. as. Spr.denkm. 81. 205; Lasch-Borch-
ling, Mndd. Handwb. 2, 1, 844 f. (lok2); VMNW s. v.
loc; Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 4, 738 f.; Boutkan,
OFris. et. dict. 246 f. (-luka); Hofmann-Popkema,
Afries. Wb. 309; Richthofen, Afries. Wb. 909; Dijk-
stra, Friesch Wb. 2, 132; Holthausen, Ae. et. Wb. 205;
Bosworth-Toller, AS Dict. 645; Suppl. 619; ME Dict.
s. v. lok subst.2; OED2 s. v. lock subst.2; Vries, Anord.
et. Wb.2 364 (lok1); Jóhannesson, Isl. et. Wb. 743 f.;
Fritzner, Ordb. o. d. g. norske sprog 1, 556; Holt-
hausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 184 f. (lok1); Falk-
Torp, Norw.-dän. et. Wb. 613 (s. v. laag1); Magnús-
son, sl. Orðsb. 574; Nielsen, Dansk et. ordb. 276;
Ordb. o. d. danske sprog 12, 109 ff.; Bjorvand, Våre
arveord2 674; Torp, Nynorsk et. ordb. 388; NOB s. vv.
(nn.) lok2, (nn., bm.) lokk1; Hellquist, Svensk et. ordb.3
584 (lock2); Svenska akad. ordb. s. v. lock subst.2;
Kylstra, Lehnwörter 2, 223 (s. v. lukko1).

Die nominale Bildung urgerm. *luka- <
vorurgerm. *lu()o- hat keine außergerm.
Parallelen. Das Wort kann zu uridg. *leg-
lösen, brechen gehören uridg. *lug-ó- >
urgerm. *luka- hätte dann urspr. das Aufge-
brochene
bedeutet oder zu uridg. *le()-
biegen (zu dieser Wz. wohl auch urgerm.
*[-]lūk-e/a- schließen [s. bilûchan]). In die-
sem Falle wäre das Loch entweder urspr.
das Aufgebrochene oder bei erst germ. Bil-
dung das Verschlossene/Verschließbare ge-
wesen. In der bisherigen Literatur wird die
zweite Lösung bevorzugt, die erste kann je-
doch nicht widerlegt werden, zumal etwa
neben ae. lūcan jäten von der Wz. *leg-
got. ga-lūkan etc. schließen sich zu *le()-
stellt. Möglicherweise sind auch zwei ur-
sprungsverschiedene Bildungen von unter-
schiedlichen Wz. hier im Germ. homonym
geworden und teilweise zusammengefallen.
Da das Wort nur im Germ. belegt ist, kann
auch eine erst germ. Rückbildung aus einem
der beiden Verben erfolgt sein.

Walde-Pokorny 2, 412 ff.; Pokorny 685 f.; LIV2 415 f.

S. bilûchan, lucka.

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